Claudia Krogul hat eine neue Lunge
„Dankbar, dass ich lebe“

Münster -

Über zwei Jahre hat Claudia Krogul auf ihre Lungentransplantation gewartet. Heute ist sie dankbar, dass es ihr gut geht. Sie möchte andere Menschen motivieren, über Organspende nachzudenken und sich dafür zu entscheiden.

Donnerstag, 11.07.2013, 00:07 Uhr

Gerade mal 1,58 Meter ist sie groß, zierlich, fast zerbrechlich. Aber wenn Claudia Krogul anfängt zu erzählen, dann ist „Frauenpower“ angesagt – sie sprüht nur so vor Elan, Ideen, Tatendrang und Lebensfreude. Kein Wunder, sagt sie selbst, ist sie doch dem Tod mehr als nur einmal von der Schippe gesprungen. Seit dem 20. März vergangenen Jahres atmet sie mit einer „fremden“ Lunge, einem Spenderorgan, das ihr ein ganz neues Leben ermöglicht. Eins, von dem die Ärzte vor Jahrzehnten nicht geglaubt haben, dass sie es überhaupt erleben wird: Mit vier Jahren war die Prognose, dass sie ihren 18. Geburtstag wohl nicht mehr feiern würde. Heute ist die gebürtige Münsteranerin, die der Liebe wegen nach Nordkirchen gezogen ist, 33 Jahre – und genießt jeden Tag, jede Stunde davon.

Und von ihrem Glück möchte Claudia Krogul etwas zurückgeben – allen, die noch auf ein Spenderorgan warten. „Ich werbe dafür, möchte, dass andere auch bekommen, was ich erlebt habe: Organspende ist etwas ganz Wichtiges“, sagt sie und verweist auf ihren Flyer, den sie erarbeitet hat und auf dem sie ihre ganz persönliche Geschichte erzählt. An vielen Stellen hat sie ihn schon ausgelegt, in der Uni-Klinik Münster ebenso wie in Apotheken. Und es ist mehr als „nur“ ein Faltblatt, das man in die Hand nimmt und dann wieder weglegt: Ein Organspende-Ausweis ist angeheftet, dazu ihre Bitte: „Denk auch du über Organspende nach. Warum willst du deine Organe mit in den Himmel nehmen, wenn sie auf Erden dringend gebraucht werden?“

Sie selbst, die Mukoviszidose hat, eine unheilbare Stoffwechselerkrankung, durch die besonders die Lunge mit zähem Schleim verstopft wird, hat zwei Jahre und drei Monate auf die erlösende Nachricht gewartet: „Wir haben eine Lunge für Sie.“ Der Anruf kam morgens um vier Uhr. Über fünf Stunden haben die Ärzte an der Medizinischen Hochschule Hannover operiert: Und dann das Gefühl, endlich selbst tief Luft holen zu können, einatmen, ausatmen, immer wieder: „Unbeschreiblich.“

Umso mehr ist Claudia Krogul besorgt, dass nach den Skandalen um den Missbrauch von Spenderorganen dieses „unbeschreibliche Glück“ anderen auf der Warteliste verwehrt bleibt. Deshalb ihr persönlicher Einsatz für die Organspende, ihr Bemühen um Aufklärung und Information.

Bei dem Flyer belässt sie es nicht. Sie geht zum Beispiel in Schulen, spricht in Klassen über ihre Erkrankung, über ihre Rettung – und über ihr Anliegen, mehr Menschen für die Organspende zu bewegen. „Zumindest, das Interesse zu wecken, entscheiden muss jeder selbst.“ Sie hat viel zu erzählen: Ihr halbes Leben hat sie in Krankenhäusern verbracht, muss heute immer noch 40 bis 50 Tabletten täglich einnehmen, um sämtliche Risiken zu minimieren. „Aber ich bin unendlich dankbar, dass ich lebe.“

 

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