Das begehbare Gästebuch
Geschichtsträchtige Wände im Gleis 22

Münster -

Zwei Davids stehen im Backstageraum des Gleis 22, dort, wo sich sonst die Künstler auf ihren Auftritt vorbereiten. David Skroblin und David Möllmann arbeiten ehrenamtlich im Gleis 22 und sind in dieser Funktion auch als Künstlerbetreuer während der vielen Konzerte im Einsatz. „So genau sehen wir uns die ganzen Malereien eigentlich nie an“, sagt Möllmann und muss schmunzeln. Und auch die Konzertbesucher des Gleis 22 werden diesen Raum in der Regel wahrscheinlich nie von innen sehen.

Dienstag, 16.07.2013, 08:07 Uhr

Gleis 22-Mitarbeiter David Skroblin zeigt im Backstageraum, wo die Rap-Gruppe „Die Orsons“ ihre künstlerischen Spuren hinterlassen hat. Die Wände des Raumes sind mit Graffiti von Bands, die mal im Gleis 22 gespielt haben, übersät.
Gleis 22-Mitarbeiter David Skroblin zeigt im Backstageraum, wo die Rap-Gruppe „Die Orsons“ ihre künstlerischen Spuren hinterlassen hat. Die Wände des Raumes sind mit Graffiti von Bands, die mal im Gleis 22 gespielt haben, übersät. Foto: wind

Gut 15 Quadratmeter für die Künstler

Der Weg vom Backstageraum bis zur Bühne ist nicht weit, nur wenige Schritte trennen die jeweiligen Künstler von einem der beiden braunen Ledersofas zu ihrem Auftritt. „Viele Bands wissen es zu schätzen, dass sie quasi direkt auf die Bühne stolpern können“ berichtet David Skroblin . Gute 15 Quadratmeter misst der Raum, ungefähr die Maße eines durchschnittlichen WG-Zimmers. „Trotz der Größe hatten wir noch nie Probleme mit den Bands, die hier spielen“, erzählt der Künstlerbetreuer weiter. Meist hielten sich die Musiker bekannterer Bands ohnehin bis wenige Minuten vor ihrem Auftritt im Tourbus auf. Wann sie auf die Bühne müssen, zeigt auch die eigens präparierte Uhr an, die im Backstageraum an der Wand hängt.

Kleine Aufkleber markieren dort die Eckdaten des Zeitplans. Ansonsten sind die Wände gespickt mit Zeichnungen oder Botschaften, manchmal steht dort auch einfach nur der Name der entsprechenden Band. Eine Art begehbares Gästebuch also.

Musiker aus der ganzen Welt haben hier ihre Spuren hinterlassen

Hier haben Musiker aus der ganzen Welt ihre Spuren hinterlassen. Da sind zum Einen regionale Größen wie die „Donots“ oder die mittlerweile aufgelösten Lokalhelden von „Muff Potter“, die einst sogar ein Lied nach dem Gleis 22 benannten. Aber auch international erfolgreiche Bands finden sich hier wieder. Die norwegischen Indie-Rocker von „ Kakkmaddafakka “, die gerade auch auf dem Juwi-Fest für Furore sorgten, haben sich einen prominenten Platz auf der Innenseite der Tür gesichert. Auch die Briten von „ Maximo Park “ und „The Shins“ aus den Vereinigten Staaten verewigten sich hier, wenn auch zum größten Teil verdeckt durch die kleine Küchenzeile, die vor wenigen Monaten hier eingebaut wurde. Eine besonders opulente Filzstiftzeichnung hinterließen die Stuttgarter Rapper „Die Orsons“. Es ist zwar nicht die Sixtinische Kapelle von Michelangelo, in der die beiden Davids hier stehen, aber dass hier viele Geschichten aus einem Vierteljahrhundert voller Konzerte im Gleis 22 ihren Platz gefunden haben, ist deutlich zu erahnen.

Künstler kletterte aus dem Fenster und kugelte sich die Schulter aus

Nicht so schnell vergessen wird David Skroblin den charmanten Abgang eines Künstlers kurz vor seinem Auftritt. Eigentlich wollte dieser nur kurz einmal frische Luft schnappen. Der Haken daran: Um nach draußen zu gelangen, hätte sich der Künstler den Weg durch die Menge bahnen müssen, die draußen bereits auf seinen Auftritt wartete. Also hüpfte der Musiker kurzerhand aus dem Fenster des Backstagebereichs.

Was sich auf dem Weg nach draußen als unproblematisch herausstellte, wurde dem Künstler auf dem Rückweg von draußen nach drinnen zum Verhängnis. Er versuchte ein an die Wand gelehntes Fahrrad als Leiter zu benutzen, stürzte und kugelte sich dabei ein Schultergelenk aus.

„Das Konzert war restlos ausverkauft. Vor meinem inneren Auge sah ich mich schon jedem einzelnen Besucher persönlich erklären, warum das Konzert leider nicht stattfinden kann“, erinnert sich Skroblin.

Konzertbesucher rettete den Abend

Gerettet wurde der Abend letztlich durch einen Konzertbesucher, der chinesische Heilpraktiken zu seinen Hobbys zählte und die Musikerschulter einrenkte. Aber auch abseits von Fensterstürzen und weitere Wandbemalungen wird dieser Raum auch in Zukunft seine eigenen Kapitel von Münsters Musikgeschichte schreiben.

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