Prüfbericht der Bundesärztekammer
Unregelmäßigkeiten bei Organspende

Münster -

In einem Prüfbericht einer Kommission der Bundesärztekammer über potenzielle Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe von Spenderorganen wird nach Medienberichten nun auch das Universitätsklinikum Münster genannt

Montag, 01.07.2013, 16:07 Uhr

In der Debatte um Unregelmäßigkeiten bei Lebertransplantationen in deutschen Universitätsklinika wird in einem Prüfbericht einer Kommission der Bundesärztekammer nun auch das Universitätsklinikum Münster (UKM) genannt. Dies berichtet die Süddeutsche Zeitung.

In Münster sind danach die Informationen über die Notwendigkeit der Dialyse bei potenziellen Patienten für Lebertransplantationen nicht hinreichend detailliert genau dokumentiert worden, wie Theodor Windhorst , der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe erläuterte.

Windhorst trat am Montag in einer Presseerklärung einer „Vorverurteilung“ und der „Skandalisierung“ des Universitätsklinikums im Zusammenhang mit den Lebertransplantationen energisch entgegen.

»Am UKM hat kein Patient eine Leber erhalten, bei dem nicht die notwendige Indikation für eine Transplantation bestand.«

Prof. Dr. Norbert Roeder

Hier sind nach dem vor einem Jahr bekannt gewordenen Skandal bei der Vergabe der Spenderorgane an anderen Universitätsklinika, namentlich in München, Regensburg und Göttingen, die Zahl der Leber-Transplantationen zurückgegangen. Ärzte und Patientenorganisationen beklagen einen massiven Vertrauensverlust in der Bevölkerung, so dass immer weniger Menschen bereit seien, Organspender zu werden.

Das UKM bestätigte in einer Stellungnahme am Montag die Überprüfung der Kommission. In den vergangenen Wochen hätten drei Besuche der Prüfungskommission (PÜK) stattgefunden. „In diesem Zusammenhang führen UKM und PÜK eine Fachdiskussion bezüglich der Dialyseindikation bei einigen Patienten“, heißt es wörtlich. „Die Richtlinien zum Konzept der Prüfprotokolle wiesen in einigen Detailabfragen eventuell nicht die Präzision auf, die zur klaren Dokumentation notwendig sind“, erklärte dazu der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Dr. Theodor Windhorst. Er ist Mitglied der Ständigen Kommission Organtransplantation der Bundesärztekammer und steht in engem Informationsaustausch mit der PÜK. Windhort warnte in einer Presseerklärung gleich am Vormittag nach Bekanntwerden möglicher Vorwürfe vor einer „Vorverurteilung“ des Universitätsklinikums Münster und vor „Skandalisierung“.

Der ärztliche Direktor und Vorstandsvorsitzende des UKM, Prof. Norbert Roeder betonte, es stehe fest: „Am UKM hat kein Patient eine Leber erhalten, bei dem nicht die notwendige Indikation für eine Transplantation bestand.“

Das UKM stelle sich transparent allen Überprüfungen legitimierter Institutionen, heißt es in der Stellungnahme weiter. Der Prüfungskommission wurden jegliche Dokumente offen gelegt und alle Akten vollständig zur Verfügung gestellt.

Der Bericht der Prüfkommission soll voraussichtlich im September erscheinen. Dies erfuhren in der vergangenen Woche die Mitglieder des Gesundheitsausschusses des Deutschen Bundestags. Ein Verdacht gegen das UKM sei im Ausschuss nicht geäußert worden, berichtete die münsterische Bundestagsabgeordnete und Gesundheitspolitikerin Maria Klein-Schmeink (Grüne). Sie verlangt absolute Transparenz: „Der Vertrauensverlust in die Transplantationsmedizin kann nur überwunden werden, wenn jetzt alle Dinge auf den Tisch kommen.“ Ein vorläufiger Prüfbericht sei dem Ausschuss nicht vorgelegt worden.

Auch das UKM versichert, ihm lägen derzeit weder Protokolle der Prüfungen noch ein vorläufiger Prüfbericht vor.

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