Streit um gesperrten Sanierungszuschuss
Preußenstadion: Stehplatz-Stufen vor dem Absturz

Münster -

Die Hängepartie um die Sanierung des Preußenstadions geht weiter. Nach dem Sperrvermerk für einen städtischen Zuschuss in Höhe von 424 000 Euro schieben sich die Fraktionen gegenseitig den schwarzen Peter zu. Die Fans fordern statt des politischen Kleinkriegs ein tragfähiges Gesamtkonzept.

Freitag, 12.07.2013, 20:07 Uhr

Auf diesen Stufen steht niemand mehr: Aus Sicherheitsgründen ist der Bereich zwischen Tribüne und Gästeblock gesperrt.
Auf diesen Stufen steht niemand mehr: Aus Sicherheitsgründen ist der Bereich zwischen Tribüne und Gästeblock gesperrt. Kleines Bild: SPD-Fraktionschef Dr. Michael Jung hat es vor seinen wehrhaften Zuhörern nicht leicht. Foto: Matthias Ahlke

Eigentlich hat niemand Lust auf diese Diskussion. Das Preußenstadion ist in einem untragbaren Zustand, das Geld, mit dem es notdürftig geflickt werden soll, ist vorerst eingefroren, und die Fraktionen werfen sich gegenseitig vor, für das Elend verantwortlich zu sein. Leidtragender sind der SC Preußen im Speziellen und der Profi-Fußball in Münster im Allgemeinen.

Nachdem in der jüngsten Ratssitzung mit Stimmen von SPD , Grünen und FDP 424 000 Euro zur Stadionsanierung gesperrt worden waren, brachten sich am Freitag die Fraktionen von CDU und SPD öffentlichkeitswirksam in Stellung. Die einen begutachteten in Begleitung von Sportamt und Ordnungsamt das bröckelnde Stadion, die anderen luden zu einem „Bürgerdialog“ in ihre Geschäftsstelle ein.

Dabei sind sich unterm Strich beide Seiten einig: Die Mängel an den Stehplätzen, an den Fluchttoren und den Toiletten sind so schwerwiegend, dass die Stadt als Eigentümerin mit ihrer Verkehrssicherungspflicht in Konflikt kommt. Die einen wollen das Geld für die allernötigste Sanierung demonstrativ sofort freigeben, die anderen wollen sich vorher demonstrativ ein wenig zieren.

Die Anhänger des Vereins allerdings haben dieses politische Kleinklein gründlich satt, das wurde während der ziemlich ruppigen Diskussionsveranstaltung überdeutlich. Sie wollen keine jahrelange Flickschusterei mehr, sie wollen ein langfristiges Konzept, eine Vision für das Stadion. Und sie fordern eine Grundsatzdiskussion darüber, welchen Stellenwert der Profifußball in dieser Stadt eigentlich hat.

Carsten Gockel , der als Preußen-Geschäftsführer an beiden Fraktions-Veranstaltungen teilnahm, räumte dabei ein, dass der SC Preußen erst seit relativ kurzer Zeit die sportlichen und wirtschaftlichen Voraussetzungen erfüllt, sich dieser Diskussion zu stellen. Doch nun, wo der Aufstieg in die zweite Bundesliga möglich scheint, lässt sich der Finger in die Wunde legen: Will Münster eine Fußballstadt sein – wie die Konkurrenz in Bielefeld oder Osnabrück?

Überrascht zeigte sich Gockel, dass SPD-Fraktionschef Dr. Michael Jung überhaupt ein Konzept zum SC Preußen vorlegte: „Das habe ich bisher noch nicht gesehen, weder von Ihrer noch von einer anderen Partei“ Dabei sprach Jung nur relativ vage von einer „Stadionbetriebsgesellschaft“. Zaghaften Beifall erhielt Jungs Vorschlag, dass man sich zu einer Grundsatzentscheidung für einen Standort durchringen müsse – wobei die Sanierung an der Hammer Straße wahrscheinlicher sei als ein Neubau an der Nieberding­straße.

Mit dem Preußenstadion ist im jetzigen Zustand kein Staat mehr zu machen, das wurde beim Ortstermin der CDU-Fraktion sehr deutlich. Den Fans wäre offenbar eine Kernsanierung des alten Preußenstadions am liebsten. Dass die Politiker immer noch Manschetten vor dem berüchtigten Preußenpark-Urteil aus dem Jahr 2000 haben und die Klagen lärmbelästigter Anwohner fürchten, stößt auf wenig Verständnis. „Das Stadion steht seit 1926 an dieser Stelle. Kein Münsteraner würde dagegen klagen“, hieß es.

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