Streit wegen JVA-Standort
Naturschützer beklagen: Pflanzen und Tiere sind in Gefahr

Münster -

Der Nabu hatte zu einer naturkundlichen Führung auf das Gelände nach Handorf eingeladen, wo den Plänen zufolge eine neue JVA gebaut werden soll. Dort wollte der Nabu auf die Tiere und Pflanzen aufmerksam machen, die bei der Planung vergessen worden seien.

Montag, 01.07.2013, 10:07 Uhr

Der Nabu hatte am Samstag zu einer naturkundlichen Führung am geplanten Standort der neuen Justizvollzugsanstalt eingeladen – und wollte damit auf die Bedrohung für die Tiere und Pflanzen aufmerksam machen.
Der Nabu hatte am Samstag zu einer naturkundlichen Führung am geplanten Standort der neuen Justizvollzugsanstalt eingeladen – und wollte damit auf die Bedrohung für die Tiere und Pflanzen aufmerksam machen. Foto: Oliver Werner

Der Naturschutzbund ( Nabu ) wirft dem Land und der Stadt Münster vor, nicht alle Belange bei der JVA-Standortsuche beachtet zu haben. Vergessen wurde laut Naturschützern vor allem eins: die Betroffenheit von Pflanzen und Tieren.

Naturkundliche Führung vor Ort

Ein Klagerecht hat der Nabu gegen den geplanten Gefängnis-Neubau in Handorf nicht, dafür aber das Recht aufzuklären. Und davon machten die Naturschützer am Samstag Gebrauch. Ratsfraktionen waren zu einer naturkundlichen Führung am „Ort des (geplanten) Geschehens“ eingeladen. Im Fokus stand die Not der zu schützenden Pflanzen und Tiere. Nicht alle eingeladenen Gäste kamen: die CDU fehlte. „Es könnte aber auch sein, dass der Mail-Verteiler lückenhaft war“, sagt Dr. Thomas Hövelmann, Diplom-Biologe von der Nabu-Naturschutzstation Münsterland.

Ein besserer Standort könne gefunden werden, ist sich der Vorsitzende vom Nabu Münster, Peter Hlubek, sicher. Er steht am Treffpunkt, der Schranke zum alten Truppenübungsplatz Handorf, und zitiert Klaus Mat­thiesen ( SPD ), der sich stark für den Naturschutz engagierte. Hlubek täte es „in der Seele weh, wenn hier gebaut werden sollte.“

Hoffnung seien die Ratsparteien

Seine Hoffnung seien die Ratsparteien. Der Rat befasst sich nach den Sommerferien mit dem Thema. Zuvor soll der eingereichte Fragenkatalog der CDU zur JVA-Planung bearbeitet werden. Wieso die SPD keinen Fragenkatalog zur „naturschutzrechtlichen Bewertung des Grundstücks“ eingereicht habe? „Weil sich die Parteien hier – meiner Meinung nach – einig sind“, so Thomas Marquardt von der SPD.

Josef Tumbrinck ist der Vorsitzende von Nabu NRW und extra aus Düsseldorf angereist. „Tiere und Pflanzen können nicht selbst für sich kämpfen“, erklärt er. Dann fällt eine Zahl: 14,4 Hektar. Ludger Steinmann (SPD), stellvertretender Bezirksbürgermeister von Münster-Ost, bringt alle Anwesenden auf den neusten Stand über die Grundfläche für das geplante JVA-Gebiet. Zuvor standen zwölf bis 13 Hektar im Raum. „Also erheblich größer als gedacht“, so Steinmann. Hier würde ein naturschutzwürdiger Rückzugsraum für Pflanzen und Tiere verloren gehen, erklärt Diplom-Biologe Hövelmann. Es sei nur deshalb kein ausgewiesenes Naturschutzgebiet, weil es militärisch genutzt werde. Zu finden seien hier vom Aussterben bedrohte Pflanzen- und Tierarten. „Sonst gingen die Stadt und der Nabu immer Hand in Hand“, umso unerklärlicher sei das aktuelle Vorgehen, so der Biologe. Diese „katastrophale Fehlentscheidung“ passe nicht zu Münster.

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