Lieber schlau als laut
Beim Stadionumbau hilft nur die Salami-Taktik

Wenn man mit Preußen-Fans über Lärmschutzkonflikte in Berg Fidel spricht, dann kommt immer der Standardsatz: Das Preußen-Stadion ist doch älter als die Wohnsiedlung.

Dienstag, 23.07.2013, 15:07 Uhr

Die marode Westtribüne im Preußen-Stadion könnte bald saniert werden.
Die marode Westtribüne im Preußen-Stadion könnte bald saniert werden. Foto: Oliver Werner

Richtig, das sichtlich in die Jahre gekommene Stadion genießt Bestandsschutz . Niemand kann es wegprozessieren. Damit ist aber auch bereits eine wichtige Einschränkung formuliert: Wir reden über das alte Preußen-Stadion – jenes, das inzwischen so marode ist, dass die Stadionbesucher zu Recht aufmucken.

In den 1990er Jahre wäre es noch möglich gewesen, diesen Altbau durch einen kompletten Neubau zu ersetzen, frei nach dem Motto: Wo kein Kläger, da kein Richter.

Zu dem damaligen, hochtrabenden Projekt Preußen-Park gehörte aber auch ein Einkaufszentrum. Das erregte den Zorn der münsterischen Kaufleute, die klagten gegen den Preußen-Park – und die Richter fällten ein geradezu vernichtendes Urteil: Für ein neues Stadion am alten Standort machten sie Lärmschutzauflagen geltend, die wegen der Nähe zur Wohnbebauung nicht einzuhalten sind. Sprich: Ein neues Preußen-Stadion an der Hammer Straße hätte eben keinen Bestandsschutz, es könnte jederzeit wegprozessiert werden.

Nach jahrelanger Schockstarre haben Stadtdirektor Hartwig Schultheiß und der Preußen-Vorstand einen gangbaren Weg gefunden, um aus diesem Dilemma herauszukommen. Man kann die Strategie nun „Salami-Taktik“ nennen, „Umbauen im Bestand“ oder auch stumpf „Neubau im Altbau“. Ziel der Verantwortlichen ist es, den Zuschauern die Annehmlichkeiten eines „neuen“ Stadions zu bieten, welches baurechtlich aber immer noch die gute alte Preußen-Arena ist.

Soll dieses Rezept aufgehen, müssen insbesondere die Parteien eine grundlegende Spielregel beachten: Schlau ist wichtiger als laut. Lieber eine Prüfung zu viel als eine Prüfung zu wenig. Wer zwei Treffer auf einmal schießen möchte, steht ganz schnell im Abseits.

Und auch das sei gesagt: Lieber ein klärendes Gespräch mit Stadionkritikern als das Risiko eingehen, dass diese erneut zum Gericht rennen.

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