Kinder erobern den Hörsaal
Junge Studenten reden seit zehn Jahren mit, wenn Professoren sprechen

Münster -

Kinder an der Uni, Hochschulwissenschaft für Grundschüler – das waren lange Zeit zwei Welten. An der Uni Münster wagten schon in den 90er Jahren sporadisch einzelne Professoren, aus besonderen Anlässen vor Kindern eine Vorlesung zu halten. Warum sollte eine große Universität wie die WWU Münster das nicht regelmäßig versuchen – und warum sollten die WN als örtliche Zeitung die Kinderuni nicht dauerhaft mitorganisieren und medial begleiten?

Freitag, 12.07.2013, 19:07 Uhr

Der Studentennachwuchs will mitreden, wenn Professoren sprechen. Im Hörsaal sind auch die Kinder gefragt.
Der Studentennachwuchs will mitreden, wenn Professoren sprechen. Im Hörsaal sind auch die Kinder gefragt. Foto: Oliver Werner

Die Frage beantwortete sich am 19. September 2003 von selbst, als sich Hunderte von Kindern auf den Treppen des Audimax, dem von der Uni für die Kindervorlesungen ausgewählte Hörsaal , drängten. Das große Interesse kam nicht von ungefähr, denn der Rechtswissenschaftler Prof. Dr. Thomas Hoeren beantwortete bei der Premiere der Kinderuni Münster die Frage „Wie verklage ich meine Eltern auf Taschengeld?“. Hoeren hielt an diesem Nachmittag seine Vorlesung gleich zwei Mal hintereinander, danach wechselte die Kinderuni in den größten Hörsaal, dem H1 mit 800 Plätzen.

Jeweils zehn Vorlesungen pro Jahr, sechs im Wintersemester, vier im Sommersemester, immer am Freitagnachmittag, haben seither stattgefunden. Viele waren überfüllt und wurden per Video in angrenzende Hörsäle übertragen. Alle Kinder bekommen jedes Semester einen persönlichen Studentenausweis, auf dem ihnen die besuchten Vorlesungen per Stempel bescheinigt werden. Wer häufig kommt, kann an einem Gewinnspiel der WN teilnehmen und erhält ein Kinder-Diplom.

Im Hörsaal geht es meist spontan zu. Der Studentennachwuchs ab etwa acht Jahren will mitreden, wenn Professoren sprechen – zeigt auf, redet in Mikrofone und spart auch nicht mit Szenenapplaus.

Die Professoren, die sich allesamt ohne Honorar auf das Experiment einlassen und sich intensiv auf die besondere Aufgabe vorbereiten, sind nach gehaltener Vorlesung meist genauso angetan wie die Kinder. Am Ende müssen sie regelmäßig Autogramme geben. Für den Wirtschaftswissenschaftler Prof. Lothar Grob war die Kinderuni, wie er sagt, eines der schönsten Erlebnisse seines Professorenlebens.

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