Britenhäuser sollen im Paket verkauft werden
Protest am Boelckeweg

Münster -

Der Bund will am Boelcke- und Fitzmauriceweg wieder ehemalige Reihenhäuser britischer Soldaten im Paket an einen Investor verkaufen. Zum Besichtigungstermin am Montag kamen neben potenziellen Investoren auch Demonstranten, die gegen diese Praxis protestierten und den Einzelverkauf der Häuser fordern. 

Montag, 16.09.2013, 19:09 Uhr

22 Reihenhäuser auf dem Boelcke- und Fitzmauriceweg  in Gremmendorf sollen im Paket verkauft werden. Die Linke protrestierte gegen diesen Verkauf an Investoren – der die Preise für Wohnraum in Münster in die Höhe treibt.
22 Reihenhäuser auf dem Boelcke- und Fitzmauriceweg  in Gremmendorf sollen im Paket verkauft werden. Die Linke protrestierte gegen diesen Verkauf an Investoren – der die Preise für Wohnraum in Münster in die Höhe treibt. Foto: kv

Die Herren in den dunklen Anzügen registrierten irritiert die kleine Menschenansammlung in den Vorgärten am Boelckeweg. Mitarbeiter der Bima, der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben öffnen ihnen die Häuser, in denen früher britische Soldaten mit ihren Familien lebten, und die jetzt verlauft werden sollen. 22 Stück im „Paket“, wie es bei der Bima heißt, also an einen Investor.

Das gefällt den Anhängern der „Linken“ nicht, die am letzten, von der Bima anberaumten Besichtigungstermin kurzerhand zu einer kleinen Demonstration nach Gremmendorf ausgeschwärmt sind. Bundestagskandidat Hubertus Zdebel führt das Grüppchen an: Das Gesetz, nach dem die Bima gezwungen sei, mit den Bundesimmobilien „den größtmöglichen Profit zu erwirtschaften“, müsse geändert werden, fordert Zdebel.

Die jeweils rund 80 Quadratmeter großen Reihenhäuser am Boelcke- und Fitzmauriceweg sollen nach dem Willen der Linken einzeln zu erschwinglichen Preisen verkauft werden – „damit auch Normalverdiener in Münster ein Chance haben, hier einzuziehen“, stellt er klar.

Das will auch Immobilienberaterin Ursula Rüsing aus Münster. Sie wird ein Gebot für die Häuser abgeben. Mindestens 4,2 Millionen Euro möchte die Bima laut Ausschreibung für die insgesamt 1660 Quadratmeter Wohnnutzfläche auf knapp 5500 Quadratmeter Grund erlösen. Rüsing verdeutlicht, dass sie über diese Mindestgrenze wohl kaum hinausgehen wird. „Ich suche schon jetzt Interessenten für die Häuser, die gemeinsam den Betrag aufbringen“, erklärt sie.

Rüsing hat mit diesem Modell bereits für die acht Bima-Doppelhäuser in Bestlage an der Jahnstraße geboten – „aber viel zu wenig“, wie sie hinzufügt. Fridolin Stephan von der Bima bestätigt: „Die Häuser an der Jahnstraße sind verkauft und weichen bald Neubauten.“ Mit dem Erlös sei die Bima „vollstens zufrieden“, ergänzt er, ohne die Summe zu nennen. Nach Gerüchten in der Immobilienbranche sollen statt der von der Bima geforderten 4,5 sechs Millionen Euro geflossen sein. Der Investor werde demnächst mit seinen Plänen an die Öffentlichkeit treten, erklärt Stephan. Für die Reihenhäuser am Boelcke- und Fitzmauriceweg gebe es „genügend Interessenten“.

Sollte nur der geforderte Mindestpreis fließen, müsste der Investor rund 2500 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche zahlen. „Für die späteren Bewohner wird es deutlich teurer“, warnen die „Linken“.

Bevor sich ihre kleine Demonstration auflöst, taucht noch ein weiterer Interessent in politischer Mission in der ansonsten ausgestorbenen Wohnstraße auf: Peter Hemecker von der Piratenpartei: „Auch wir setzten uns dafür ein, dass Wohnraum bezahlbar bliebt“, erklärt er. Der Wahlkampf ist auf dem Boelckeweg angekommen.

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