Fassungslosigkeit nach tödlicher Tiger-Attacke
Trauer um getöteten Tierpfleger: „Der Zoo war sein Leben“

Münster -

Jörg Adler hat Tränen in den Augen, ringt um Fassung. Alle Kameras sind auf den Zoodirektor gerichtet, als er versucht, das Unfassbare in Worte zu kleiden: wie einer seiner langjährigen, erfahrensten Mitarbeiter im Allwetterzoo von einem Tiger getötet worden ist. Für Adler ist am Donnerstag um 16.25 Uhr ein Albtraum wahr geworden.

Freitag, 20.09.2013, 11:09 Uhr

Zoodirektor Jörg Adler ringt am Abend bei der Pressekonferenz um Worte, als er die schrecklichen Ereignisse des Nachmittages zu erklären versuchte.
Zoodirektor Jörg Adler ringt am Abend bei der Pressekonferenz um Worte, als er die schrecklichen Ereignisse des Nachmittages zu erklären versuchte. Foto: dpa

Zoodirektor Adler ist angesichts des schrecklichen Unglücks sichtlich betroffen: „Ich hatte gehofft, dass diese Situation niemals eintreten wird. Dass ich ohne ein solches Erlebnis in den Ruhestand gehen kann.“ Den Getöteten kannte er gut, aus vielen Gesprächen, die sich fast immer um den Zoo drehten. „Der Zoo war sein Leben“, sagt Adler über den 56 Jahre alten Tierpfleger.

»Ich trage die Verantwortung für alles, was in diesem Betrieb passiert.«

Zoodirektor Jörg Adler

Der Zoodirektor stockt. Für ihn hat das Unglück noch eine andere Dimension. „Ich trage die Verantwortung“, sagt er, „für alles, was in diesem Betrieb passiert.“ Nur eines sei für ihn ein klitzekleiner, ein ganz schwacher Trost: Dass das Unglück so blitzartig geschah, dass es für den Tierpfleger nicht mit Qual verbunden gewesen sei. „Es gab nicht die geringste Chance“, obwohl Polizei und Rettungskräfte sofort vor Ort gewesen seien. Das Unglück sei, wie auch erste Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ergaben, auf menschliches Versagen zurückzuführen.

Zoo-Direktor: So kam es zur Tiger-Attacke

Adler spricht lange, bevor er zum eigentlichen Unfallhergang kommt. Der Zoodirektor, sonst PR-Profi, kommt immer wieder ins Stocken. Den anderen Mitarbeitern des Zoos geht es nicht anders. Notfallseelsorger kümmern sich um sie. Eine interne Feier im Zoo, die für den Abend geplant gewesen war, ist nach dem Unglück abgesagt worden. Die Querelen, die den Allwetterzoo in den vergangenen Wochen beschäftigt haben, treten in den Hintergrund. „In solchen Momenten stehen alle zusammen“, sagt Zoodirektor Jörg Adler.

Es waren Besucher, die nach dem tragischen Unglück die Mitarbeiter alarmiert hatten. Sie hatten beobachtet, wie der 56-Jährige bei der Fütterung der Tiger einen Schieber nicht geschlossen hatte, bevor er ins Außengehege ging. Doch als sie herausgingen, um nachzuschauen, war es zu spät. Blitzartig hatte der Tiger „Rasputin“, der durch die offene Schleuse ins Außengehege gelaufen war, den Pfleger angesprungen und mit einem Biss in den Nacken getötet.

Tiger tötet Tierpfleger durch Biss ins Genick

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Mit rot-weißem Trassierband ist nach dem Unglück das Gelände rund um das Tigergehege weiträumig abgeriegelt. Die wenigsten Besucher ahnen zu diesem Zeitpunkt, warum. „Wir haben aus dem Augenwinkel den Rettungswagen gesehen“, sagt Zoobesucherin Nina Hinsch . „Oh mein Gott“, entfährt es ihr. Eigentlich hatten sie und ihre Begleiterin Meike Tennie vorgehabt, noch eine Runde durch den Zoo zu drehen. Doch danach ist jetzt niemandem mehr zumute. Als das Unglück im Tigerkäfig geschah, waren Carmen Freiheit und Herbert Müller ganz in der Nähe. Carmen Freiheit hatte sich noch gewundert. „Aber nie im Leben hätte ich daran gedacht, dass so etwas Furchtbares geschehen sein könnte“, sagt die Ostfriesin später geschockt. „Es ist unfassbar.“

Tief betroffen reagierte am Abend Oberbürgermeister Markus Lewe. „Der Mutter des Opfers gehört unser Mitgefühl.“ Den Mitarbeitern wünscht er „Kraft, die dramatischen Ereignisse zu bewältigen“.

Tödliche Tiger-Attacke in Münsters Zoo

 

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