Grüne räumen „schweren Fehler“ ein
GAL sprach sich 1984 im Wahlprogramm für straffreien Sex mit Kindern aus

Münster -

Die Pädophilie-Debatte hat Münsters Grüne jetzt mit voller Wucht getroffen. Die Partei räumte am Donnerstag ein, im Kommunalwahlprogramm 1984 eine Legalisierung einvernehmlicher sexueller Handlungen zwischen Erwachsenen und Minderjährigen gefordert zu haben.

Freitag, 20.09.2013, 08:09 Uhr

>Parteisprecher Peter Alberts und Bundestagskandidatin Maria Klein-Schmeink, die erst seit 1994 – also zehn Jahre nach dem Vorgang – bei den Grünen ist, distanzieren sich von der 1984 im Kommunalwahlkampf vertretenen Position.
Parteisprecher Peter Alberts und Bundestagskandidatin Maria Klein-Schmeink, die erst seit 1994 – also zehn Jahre nach dem Vorgang – bei den Grünen ist, distanzieren sich von der 1984 im Kommunalwahlkampf vertretenen Position. Foto: Oliver Werner

Die Bombe platzte am Donnerstag um 15.30 Uhr. Nachdem sich unsere Zeitung am Vortrag vergeblich darum bemüht hatte, Wahlprogramme der münsterischen Grünen aus den 1970er und 1980er Jahren einsehen zu dürfen, kam vom Parteisprecher Peter Alberts die Bestätigung: Das GAL-Kommunalwahlprogramm 1984 enthält einen Passus, in dem eine Legalisierung von einvernehmlichen sexuellen Handlungen zwischen Kindern und Erwachsenen gefordert wird.

»Da gibt es nichts zu beschönigen, das war ein schwerer Fehler.«

Grünen-Parteisprecher Peter Alberts

Sichtlich betroffen erklärte Alberts am Telefon: „Da gibt es nichts zu beschönigen, das war ein schwerer Fehler.“

Wegen ähnlicher politischer Beschlüsse aus den Jahren 1980 und 1981 waren vor einigen Tagen der Grünen-Spitzenkandidat Jürgen Trittin sowie der münsterische SPD-Bundestagsabgeordnete Christoph Strässer (von 1977 bis 1982 Bundesvorsitzender der Jungdemokraten) massiv unter Druck geraten.

Klein-Schmeink erst seit 1994 bei den Grünen

Die münsterische Bundestagskandidatin der Grünen, Maria Klein-Schmeink, distanzierte sich nachdrücklich von der damaligen politischen Forderung und sprach von einer „falsch verstandenen Liberalität, dass man einvernehmlichen Sex zwischen Erwachsenen und Kindern für möglich hielt“. Der Schutz von Kindern vor sexuellem Missbrauch sei für die Grünen ein hohes Gut. Klein-Schmeink wies zugleich darauf hin, dass sie selbst erst 1994 bei den Grünen eingetreten sei. „Ich kenne den Vorgang nicht aus eigener Anschauung.“

Nach Auskunft von Alberts sei die interne Aufarbeitung im vollen Gange. Vermutlich hätten die Grünen 1984 „einen Textbaustein unreflektiert und unkritisch aus dem Grünen Grundsatzprogramm von 1980 wörtlich übernommen“. Gleichwohl sei der Vorgang unentschuldbar.

Seine Vorstandskollegin Anna Paul ergänzte, „dass eine solche Forderung seit damals nicht mehr gestellt wurde und unsere Partei sich schon lange für den Schutz von Kindern und Jugendlichen einsetzt“.

Strässer erinnert sich nicht mehr an Beschluss

Auch Strässer distanzierte sich am Donnerstag noch einmal von einem entsprechenden Beschluss der Jungdemokraten 1980, den er seinerzeit zu verantworten hatte, an den er sich persönlich aber gar nicht mehr erinnere. Zuvor hatte er den Beschluss bereits als „groben Unfug“ bezeichnet, den er als Vorsitzender der Jungdemokraten habe mittragen müssen.

Korrektur-Hinweis

Änderung um 13:30 Uhr: In der ursprünglichen Version des Artikels ist es zu einem Fehler beim Namen des Parteisprechers gekommen. Statt Peter Alberts wurde er Jörg Alberts genannt. Zudem war der Artikel ursprünglich mit einem Bild von Maria Klein-Schmeink versehen. Um den Eindruck zu vermeiden, dass sie – die Bundestagskandidatin der Grünen in Münster – für die damaligen Vorgänge verantwortlich sein könnte, haben wir das Bild ausgetauscht. Nun sind die beiden Hauptpersonen des Artikels, Frau Klein-Schmeink und Herr Alberts, zu sehen.

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