Leben hinter Gittern
Tag der offenen Tür: Tausende besuchten die JVA Münster

Münster -

Das Gefängnis an der Gartenstraße übt auf Münsteraner einen großen Reiz aus: Der Einladung zum Tag der offenen Tür folgten Tausende, die einen Eindruck vom Leben hinter Gittern gewinnen wollten. Die Schlange der Wartenden reichte zeitweise über mehrere Hundert Meter.  

Sonntag, 15.09.2013, 17:09 Uhr

Hochbetrieb im Gefängnis:  Etliche Tausend Münsteraner nutzten am Sonntag die Gelegenheit, die alte JVA einmal von innen zu sehen.
Hochbetrieb im Gefängnis: 8656 Neugierige nutzten am Sonntag die Gelegenheit, die alte JVA einmal von innen zu sehen. Foto: Matthias Ahlke

Geht es nur nach den Zahlen, dann ist das Bedürfnis, ins Gefängnis zu kommen, deutlich größer, als es zu verlassen. Eine Handvoll Ausbruchsversuche in einem Jahrzehnt gegen Tausende von Menschen, die am Sonntag vor dem Tor der Justizvollzugsanstalt (JVA) an der Gartenstraße anstehen. Sie warten geduldig, um einmal einen Blick in Zellen zu werfen, in denen Häftlinge eingesperrt werden, um Gitter und Sperranlagen von innen zu sehen und auch die Architektur eines Gebäudes zu studieren, das vor 160 Jahren erbaut wurde. Ein Mann, der mittags an der mehrere Hundert Meter langen Schlange der Wartenden entlang spaziert, kommentiert prägnant: „Heute ist ganz Münster im Knast.“

Tag der offenen Tür im Gefängnis: Das gilt natürlich nicht für jedermann. Die rund 520 Insassen der JVA hatten schon früh morgens ihren Freigang absolviert, etwa 20 Gefangene sind für den Besuchstag in andere Zellen umquartiert worden. Die Häftlinge bekommen die Besucher nicht zu sehen – allenfalls von außen durch die Fenster.

„Ist ja ein bisschen wie im Affenkäfig“, sagt ein junger Mann und mutmaßt, dass die Gefangenen vom Massenbesuch nicht sonderlich begeistert sind. „Wir haben unsere Häftlinge gebeten, nicht an den Fenstern zu lärmen, während die Besucher übers Gelände laufen“, sagt ein Vollzugsbeamter. In der Tat herrscht Ruhe in den Zellentrakten.

Vor zehn Jahren, zum 150-jährigen Bestehen des Gebäudes, hatte die JVA zuletzt die Öffentlichkeit hinter die Mauern blicken lassen. „Das ist wohl das letzte Mal, dass man das Gebäude als Gefängnis besichtigen kann“, sagt Anstaltsleiterin Maria Look . Sie rechnet damit, dass die JVA in zehn Jahren am Rand der Stadt in einem Neubau untergebracht sein wird. Alles wird dann moderner sein, aber auch die Wege werden für die rund 250 Bediensteten länger.

Der sternförmig angelegte Bau an der Gartenstraße mit seinen mehrstöckigen Galerien lässt sich komplett vom zentralen, von einer Kuppel überwölbten Raum überblicken. „Das war zur Entstehungszeit praktisch, weil nur wenige Aufseher nötig waren, um alles im Auge zu behalten“, erklärt Maria Look.

Mit modernem Strafvollzug hat das nichts zu tun. Etwa acht Quadratmeter groß sind die Zellen an der Gartenstraße. Laut Strafvollzugsgesetz, so Look, stehen jedem Gefangenen 10,5 Quadratmeter zu.

Nur für 40 Prozent der Insassen kann die JVA Arbeitsplätze bieten, obwohl alle zur Arbeit verpflichtet sind. Die Produkte aus den Werkstätten können die Besucher nach ihrem Rundgang erwerben. Jetzt wissen sie, wie die Zellen mit der kargen Einrichtung aussehen.

Einen Fernseher, wie der kleine Lasse Loskant zuvor vermutet hatte, gibt es hier nicht. „Krass, dass die Toiletten im Raum sind,“ finden die zehn Mädchen – die Kindergeburtagsgesellschaft von Xenia Grimme, die gleich in Nachbarschaft der JVA wohnt. Marianne Hockmann, die seit 60 Jahren in Münster lebt, findet es genauso, wie sie es sich im Gefängnis vorgestellt hat: „Schrecklich.“

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