Nach der tödlichen Attacke
Tiger Rasputin soll im Zoo bleiben

Münster -

Tiger Rasputin darf im Zoo bleiben, nachdem er am Donnerstag einen Tierpfleger tödlich verletzt hatte. Zoodirektor Jörg Adler schloss aus, dass die Raubkatze eingeschläfert werden könnte.

Samstag, 21.09.2013, 11:09 Uhr

Tiger Rasputin war am Freitag schon wieder in seinem Gehege zu sehen. Und so wird es bleiben: Die Raubkatze soll weiterhin im Allwetterzoo leben.
Tiger Rasputin war am Freitag schon wieder in seinem Gehege zu sehen. Und so wird es bleiben: Die Raubkatze soll weiterhin im Allwetterzoo leben. Foto: Matthias Ahlke

Rasputin durchstreift seinen Käfig im Allwetterzoo wie an jedem anderen Tag. Seine Welt ist in Ordnung – instinktiv hat er tags zuvor sein Revier gegen einen Eindringling verteidigt, sagen die Experten. Bei den Mitarbeitern, Besuchern und bei Zoo-Chef Jörg Adler hingegen herrschen einen Tag nach der tödlichen Attacke auf einen Tierpfleger, für den der Zoo wie eine Familie war, noch immer Trauer und Fassungslosigkeit.

Für Rasputin wird sich nichts ändern. Es stehe zu 100 Prozent fest, sagt Adler, dass die Großkatze im Allwetterzoo bleibt. „Rasputin ist derselbe Tiger wie zuvor, nichts ist anders in seinem Verhalten oder in seiner Wertschätzung durch uns, durch die Pfleger“, sagte Adler am Freitag, als er – noch immer sichtlich angeschlagen – vor die Presse trat.

Zwar hat der Zoo am Freitagmorgen wie an jedem anderen Tag geöffnet, soll nach außen hin funktionieren wie immer. Einzig die Fütterung der Elefanten durch Zoobesucher ist an diesem Tag ausgefallen. Doch von den Mitarbeitern mag so kurz nach dem Unglück keiner zur Tagesordnung übergehen. Adler spricht von einer absoluten „Ausnahmesituation“. Das schreckliche Ereignis lasse alles andere vergessen. Zwei Trauerbereiche hat Adler einrichten lassen, einen für die Mitarbeiter und einen, der für Besucher zugänglich ist – allerdings nicht direkt am Tigergehege. Dort brennt eine Kerze, ein paar Meter weiter hat jemand einen Strauß weißer Astern niedergelegt.

Amurtiger im Allwetterzoo

Seit April 2005 lebt der Tiger Rasputin im Allwetterzoo in Münster. Geboren wurde der Kater im Dezember 2003 im Leipziger Zoo. Im März 2007 traf eine Artgenossin für Rasputin im Zoo ein: die heute acht Jahre alte Nely. Die Amurtiger, die größten und stärksten Raubkatzen der Welt, sind auch als Sibirische Tiger bekannt. Ausgewachsene Männchen können bis zu 300 Kilogramm wiegen.

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Die wenigen Besucher, die am Freitag vor dem Tigergehege stehen, sehen Rasputin nun mit anderen Augen. „Man schaut sich im Zoo die Tiere immer aus sicherer Entfernung an und vergisst, welche Gefahr von ihnen ausgehen kann“, sagt Birgit Rövekamp . Sie ist mit ihren Kindern im Zoo – den beiden Zwei- und Vierjährigen hat sie verschwiegen, was sich am Tag zuvor im Zoo ereignet hatte. Schrecklich sei das Unglück, sagt Iris Buschmann, die mit ihrer Enkeltochter den Zoo besucht. „Aber es sind nun einmal Raubtiere.“

Tiger „Rasputin“ bleibt im Zoo

Die Staatsanwaltschaft stellte ihre Ermittlungen zur Unglücksursache am Freitagabend ein. Zuvor hatten Sachverständige das Außengehege begutachtet sowie den Schließmechanismus der Luke, durch die Rasputin nach draußen gelangen konnte, und keine Mängel gefunden. „Ich empfinde das nicht als Ermittlung gegen uns oder gegen mich“, sagte Adler. Aber ohnehin würde der Zoo seit einem halben Jahr in Zusammenarbeit mit einer externen Firma an einem neuen Sicherheitskonzept arbeiten. „In aller gebotenen Ruhe und Sorgfalt“, so Adler, soll nach dem Unglück außerdem überlegt werden, wo technische Sicherheitsvorkehrungen im Zoo sinnvoll wären. Sobald die Leoparden ausgezogen sind, soll in diesem Zusammenhang der Bereich der Großkatzen umgebaut werden. Zu keinem Zeitpunkt aber, das betonte Adler, habe am Donnerstag Gefahr für Besucher bestanden. 

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