Seit 1774 kein Fischverkauf mehr
Die Geschichte des Alten Fischmarkts

Münster -

Der Neubau am Alten Fischmarkt führt eine Handelstradition fort, deren Ursprünge bis weit ins Mittelalter zurückreichen. Historiker vermuten, dass bereits im 12. Jahrhundert an der Straßenkreuzung vor der Lambertikirche – der heutigen Ecke Alter Steinweg/Alter Fischmarkt – mit Fisch gehandelt wurde. Der älteste Beleg für die Existenz eines Fischmarktes in jenem Bereich stammt aus dem Jahr 1302. In einer Quelle ist von Häusern die Rede, die sich in einem Bereich der Stadt befinden, der „Vischmarket“ heißt.

Freitag, 06.09.2013, 11:42 Uhr aktualisiert: 06.09.2013, 11:59 Uhr
 Das Foto aus dem Jahr 1907 zeigt den Westfälischen Bankverein am Alten Fischmarkt. Wahrscheinlich wurde an diesem Ort bereits vor über 800 Jahren Fisch verkauft.
 Das Foto aus dem Jahr 1907 zeigt den Westfälischen Bankverein am Alten Fischmarkt. Wahrscheinlich wurde an diesem Ort bereits vor über 800 Jahren Fisch verkauft. Foto: Stadtarchiv

Dass sich ausgerechnet hier Händler ansiedelten, kam nicht von ungefähr. Nördlich der Lambertikirche traf eine frühmittelalterliche Fernstraße von Bremen auf die sogenannte Friesische Straße, die den Norden mit der Gegend um Soest verband. Die Bezeichnung „friesisch“ suggeriert, dass dort frische Seefische verkauft wurden – doch das war natürlich in einer Zeit, als es noch keine Kühlwagen gab, nicht der Fall. Auf dem Fischmarkt im Schatten von Lamberti wurden nach den heutigen Erkenntnissen der Historiker überwiegend heimische Fische aus der Aa, der Ems, der Stever, der Berkel und der Werse angeboten – Seefische kamen lediglich kräftig gesalzen ins Angebot. Wie auch immer: Der Bedarf an Fischen war zu jener Zeit deutlich größer als heutzutage, haben Historiker herausgefunden. Es gab nämlich mehr Abstinenztage, an denen der Fleischverzehr untersagt war.

Der Alte Fischmarkt um 1910

Der Alte Fischmarkt um 1910 Foto: Stadtarchiv

Die Händler in Münster legten ihre Ware auf Fischbänken aus, die auf der Mitte der Straße aufgebaut wurden. Am 25. Februar 1602 ordnete der Rat der Stadt Münster an, dass diese ausschließlich im Bereich des heutigen Alten Fischmarktes aufgestellt werden dürfen. Anderenfalls drohe eine Strafe von 25 Talern.

Ein Jahr später, im Februar 1603, erschien dann eine Fischordnung, in der unter anderem festgelegt wurde, dass keine Vor- oder Unterverkäufe stattfinden dürfen. Faulen Fisch zu veräußern war zudem bei Strafe verboten. Bis 1774 wurde in jenem Bereich mit Fisch gehandelt – dann zogen die Händler weiter zum Spiekerhof, dorthin, wo heute das Kiepenkerl-Denkmal steht.

Dort entstand der Neue Fischmarkt – und der Fischmarkt an der Lambertikirche wurde nun zum „Alten Fischmarkt“. Der Name des Restaurants im Neubau erinnert an diesen Zeitpunkt – es heißt „1774“.

Historische Fischmarkt-Ansicht

Historische Fischmarkt-Ansicht Foto: Matthias Ahlke

Nicht nur für Händler, auch für Münsteraner war der Bereich entlang der heutigen Straße Alter Fischmarkt bereits im Mittelalter eine bevorzugte Adresse – und daran hat sich bis heute nicht viel geändert. Häuserbücher berichten davon, dass hier ab dem 16. Jahrhundert Mitarbeiter der Domkurie, Chirurgen und Philosophen lebten. Georg Hamann zum Beispiel, einer der größten Philosophen seiner Zeit. Im Haus Nummer 16 starb er am 21. Juni 1788, seine Gebeine wurden daraufhin im Garten der Fürstin von Gallitzin an der Grünen Gasse begraben, bevor sie zum Überwasserfriedhof umgebettet wurden.

Repräsentativ ging es ab 1525 im Schohaus zu, das einst die Hausnummer 27 trug. In dem schmucken Backsteinbau befand sich eine Halle mit mehr als 25 Metern Durchmesser. Hier residierte die münsterische Gilde.

Von diesen Häusern ist heute nichts mehr übrig. Sie fielen – wie ein großer Teil der historischen Bausubstanz in jenem Bereich – den Bombardements des Zweiten Weltkriegs zum Opfer. Oder wurden bereits 1759 zerstört. Damals wurde die Stadt 23 Stunden lang beschossen, vor allem am Alten Fischmarkt waren die Schäden gewaltig. Der Wiederaufbau erfolgte erst Jahrzehnte später.

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