Pädophilie-Debatte
Strässer: „Es war ein grober Unfug“

Münster -

Als Vorsitzender der FDP-Jungdemokraten hatte der münsterische SPD-Bundestagsabgeordnete Christoph Strässer 1980 mit einem Beschluss zu tun, der für „freiwillige und einvernehmliche Sexualität“ zwischen Kindern und Erwachsenen Straffreiheit vorsah. „Es war ein grober Unfug“, sagt Strässer heute dazu.

Mittwoch, 18.09.2013, 06:09 Uhr

Christoph Strässer,  SPD-Bundestagsabgeordneter
Christoph Strässer,  SPD-Bundestagsabgeordneter Foto: ohw

„Das Ganze liegt 33 Jahre zurück. Es war ein grober Unfug , den wir zum Glück zwei Jahre später aber korrigiert haben.“

Mit diesen Worten reagierte der SPD-Bundestagsabgeordnete Christoph Strässer am Dienstagabend auf einen Bericht der Leipziger Volkszeitung (Mittwoch-Ausgabe), in dem ihn die Politikprofessoren Franz Walter und Stephan Klecha im Zusammenhang mit der laufenden Pädophilie-Debatte kritisieren.

Der Münsteraner Strässer war von 1977 bis 1982 Vorsitzender der Jungdemokraten, der damaligen FDP-Jugendorganisation (aus der Strässer später austrat).

1980 beschlossen die Jungdemokraten nach den Recherchen der Professoren bei einem Delegiertenkongress, dass „freiwillige und einvernehmliche Sexualität“ zwischen Kindern und Erwachsenen straffrei bleiben soll. Strässer bestätigte die Existenz eines solchen Beschlusses, fügte aber hinzu, dass er ihn nicht vorangetrieben habe. „Ich musste ihn aber mittragen, weil ich der Vorsitzende war.“ Später habe er auf eine Korrektur der Position gedrängt: „1982 wurde die Formulierung wieder aus dem Programm genommen.“

Ohne die Wortführer der damaligen Debatte bei den Jungdemokraten verteidigen zu wollen, legte Strässer gleichwohl Wert auf die Feststellung, dass es keinerlei Querverbindungen zu den vor einigen Jahren aufgedeckten Missbrauchs-Fällen gebe. Die Diskussion der damaligen FDP-Nachwuchspolitiker sei „ohne gesellschaftliche Relevanz“ geblieben. Strässer betonte ausdrücklich, dass sexueller Missbrauch nicht straffrei bleiben dürfe.

Im Auftrag der Grünen haben sich die Politikprofessoren Walter und Klecha mit der politischen Debatte über das Sexualstrafrecht Anfang der 1980er Jahre beschäftigt und in diesem Zusammenhang unter anderem eine „fatale Schweigespirale“ beklagt. Unter dem Deckmantel der sexuellen Befreiung seien fragwürdige Positionen vertreten worden.

 

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