Ratsdebatte über Zukunft des Flughafens
Frisches Geld für den FMO

Münster -

Der Flughafen Münster-Osnabrück bekommt frisches Geld von seinen Gesellschaftern – und zwar rasch. Nach der Stadt Osnabrück stimmt jetzt auch Münster diesem Vorgehen zu. Zugleich aber werden die Sorgenfalten angesichts der finanziellen Schieflage immer größer

Freitag, 27.09.2013, 09:09 Uhr

Das Ergebnis dürfte den FMO-Geschäftsführer Gerd Stöwer zufriedenstellen, die Diskussion indes nicht. Mit großer Mehrheit stimmte der Rat der Stadt Münster am Mittwochabend einer sogenannten „Stauchung“ der bereits beschlossenen Kapitalerhöhung für den Flughafen zu. Sprich: Die mehr als 26 Millionen Euro schwere Finanzspritze wird nicht in fünf Raten bis 2017 verabreicht, sondern in dreien bis 2015. Zuvor hatte bereits die Stadt Osnabrück als zweiter Groß-Anteilseig ner so entschieden – und ähnlich kon­trovers debattiert.

Ungeachtet der breiten Zustimmung gab es in Münster bei SPD und Grünen heftige Kritik an der finanziellen Schieflage des FMO. Der Linke Joachim Bruns bezeichnete den Flughafen sogar als „überflüssig“. Eine Einschätzung, die den münsterischen Oberbürgermeister Markus Lewe postwendend auf den Plan rief. Nachdrücklich warnte er vor einer „Lust an der Selbstzerstörung“.

Mit seinem Appell „Der FMO braucht unser Vertrauen“ stieß Lewe wiederum dem GAL-Fraktionschef Hery Klas vor den Kopf. Erforderlich sei „keine weitere Ergebenheitsadresse“, sondern ein überzeugendes Rettungskonzept. Der SPD-Fraktionschef Dr. Michael Jung meinte: „Immer neue Glaubensbekenntnisse können nicht unsere Sorgen zerstreuen.“

Der CDU-Fraktionschef Stefan Weber indes plädierte ebenso wie seine FDP-Kollegin Carola Möllemann-Appelhoff dafür, nicht gleich beim ersten Defizit in Panik zu verfallen. Weber: „Der FMO ist das Tor des Münsterlandes zu einer globalisierten Welt.“

Alle Fraktionen waren sich einig, dass intensive Gespräche zur wirtschaftlichen Gesundung des Flughafens erforderlich sind. Gleichwohl scheiterte ein Vorstoß von SPD und Grünen, die Überweisung der dritten Rate 2015 an Bedingungen zu knüpfen.

Ungeachtet dessen fehlt dem Flughafen genau das, was die Kritiker in Münster und seit einiger Zeit auch verstärkt in Osnabrück anmahnen: Ein Konzept, um wieder auf die Füße zu kommen. Wie das jedoch aussehen könnte, darüber herrscht zumindest in der Öffentlichkeit Rätselraten.

Die wirtschaftliche Lage des FMO ist katastrophal, die Passagierentwicklung weiterhin rückläufig, die Airli­nes machen alles, nur die Klinke geben sie sich in Greven nicht in die Hand. Mit fast 100 Millionen Euro steht der Airport in der Kreide, der Verlust beläuft sich in diesem Jahr auf zehn Millionen Eu­ro, zudem rutscht die Zahl der Passagiere auf den Negativrekord von 800 000: Der Flughafen ist längst in eine gefährliche Schieflage geraten, meinen einige Beobachter. Allein im eigentlich starken Monat August verloren die Grevener bei den Passagieren 18 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat.

Weil es Stöwer so wollte – und dem Vernehmen nach auch Teile der Gesellschafter – drehen derzeit Experten der Unternehmensberatung Price Waterhouse Coopers auf der Suche nach weiteren Einsparmöglichkeiten jeden Stein am FMO um: Ob sie noch viel finden werden, ist fraglich, schließlich haben die Grevener schon etliche Sparrunden hinter sich.

Wenn die Region den FMO will, müssen die Menschen ihn auch nutzen. Das ist das Credo der Geschäftsführung. Zur Wahrheit aber gehört: Auch umgekehrt wird ein Schuh daraus. Was der FMO in dieser Krise brauche, sei ein starker Aufsichtsrat, fordern einige Außenstehende. Sich in warmen Worten zu ergehen, reiche in dieser Situation nicht. Ein überzeugendes Rettungsp aket fordern unterdessen die münsterische GAL und die Stadt Osnabrück.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/1939416?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F1753750%2F2009865%2F
Nachrichten-Ticker