Westfälische Leidenschaft für Oktoberfeste
„O´zapft“ wird an allen Ecken

Münster -

Rund 600 Kilometer trennen Münster von München, dem Epizentrum des bayerischen Oktoberfest-Universums. Doch Dirndl, Krachlederne und Weißwurst stehen auch hier hoch im Kurs. Das Angebot hiesiger Modegeschäfte, des Lebensmittel- und Getränkehandels spricht Bände. 

Freitag, 27.09.2013, 08:09 Uhr

Derzeit in Münster schwer angesagt: Dirndl und Krachlederne gehören unbedingt zum Oktoberfestbesuch dazu. Auch Selena Özcelik hat sich stilvoll ausstaffiert, um gleich zweimal Oktoberfest zu feiern: in Münster und in München.
Derzeit in Münster schwer angesagt: Dirndl und Krachlederne gehören unbedingt zum Oktoberfestbesuch dazu. Auch Selena Özcelik hat sich stilvoll ausstaffiert, um gleich zweimal Oktoberfest zu feiern: in Münster und in München. Foto: Oliver Werner

Die Münsteraner lassen es in diesen Tagen krachen – wie beim berühmten Oktoberfest in München . „O’zapft is“ auf vielen Partys in dieser Stadt. Der Oktoberfest-Hype hält an. Annette Erpenbeck vom gleichnamigen Fleischereibetrieb registriert gerade zunehmend mehr Bestellungen für Leberkäse und Münchener Weißwürste. Andreas Wöste vom Hit-Getränkemarkt verzeichnet eine starke Nachfrage nach Oktoberfestbier. Und Biergarnituren für private Oktoberfeste sind bei Lappe ein Renner. Kurzum: Die Alpen-Gaudi rockt das platte Münsterland. Mit Dirndl, Lederhose und „Bescheißerle“ (weiße Bluse) sind die Münsteraner schwer im Trend.

Zünftig feiern können die hiesigen Flachlandtiroler schon lange. Elke Rademacher macht es mit ihrem Team vom Schuhsalon vor. Ausstaffiert von Kopf bis Fuß stürzt sich die Mädeltruppe ins Wiesn-Getümmel. Der Trachtenlook ist dabei ein Muss, wenn der Bayernzug so richtig anrollt.

Inzwischen haben sich auch die Modegeschäfte auf die blau-weiße Welle eingestellt. Vor Jahren, erinnert sich Nicola Fahl vom Haus Madeleine, sei sie mit ihrem Dirndl-Sortiment in Münster noch eine Exotin gewesen. Heute werden ihre Trachten stilecht auch bei Hochzeiten getragen mit passender Trachtentasche in Herzform und zünftigem Janker. Die Münsteranerinnen, so Fahl, tragen ihr Dirndl bevorzugt in den Farben Blau und Rot.

Leberkäse und Weißwurst sind momentan mindestens so begehrt wie Mettendchen.

Leberkäse und Weißwurst sind momentan mindestens so begehrt wie Mettendchen. Foto: Matthias Ahlke

Aber nicht nur die Mode hat den Weißwurstäquator überschritten. Im Bäckereibetrieb von Obermeister Georg Krimphove finden Laugenbrötchen mit Leberkäse und Krautsalat derzeit reißenden Absatz. „Das ist unsere Antwort auf das Oktoberfest“, sagt der Chef der Bäcker-Gilde aus Münster. Und noch mehr wird zur Wiesn-Zeit angeboten. Ob Servietten, Fähnchen, Girlanden, Brezelständer, Sitzkissen oder Porzellan in den bayerischen Farben – die Nachfrage, sagt Falko Lappe, die sei einfach da.

Und warum diese Begeisterung für bayerische Lebensart, die sich durch alle Altersgruppen und Bildungsschichten zieht? „Es ist diese tolle lockere Atmosphäre, wenn die Leute dicht gedrängt an den Biertischen sitzen“, schwärmt Stefani Uhlenbrock, während sie am Donnerstag in ihrer Mittagspause die langen Dirndl-Ständer in einem Kaufhaus durchstöbert. „Man schlüpft in eine andere Rolle, ähnlich wie im Karneval“, sagt sie. Da stört selbst die Blasmusik nicht, „die ich sonst nie höre“, gesteht die Münsteranerin, die in diesem Herbst gleich zweimal Oktoberfest feiern will – einmal in Nienberge, einmal am Jovel.

Ganz närrisch auf die Wiesn ist auch Selena Özcelik, die mit ihrer Mädeltruppe gleich nach München aufbrechen will. „Wir haben schon einen unglaublichen Spaß gehabt, als wir uns mit Dirndln ausstaffiert haben.“ Die Namen auf den Etiketten liefern das Motto der Expedition nach Süddeutschland gleich mit. Wie wär´s mit dem Modell Bergfeuer oder Lebensfreude?

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