Limburg beschäftigt die Menschen
Gläubige in Zeiten der Krise

Münster -

Limburgs Bischof Tebartz-van Elst trifft heute auf den Papst. Die Menschen im Bistum Münster sind bisher enttäuscht von seinen Reaktionen. Ihnen fehlt Klarheit und Transparenz. Scharfe Kritik üben Christen an der Kirche.

Sonntag, 20.10.2013, 20:15 Uhr
Der Fall des Bischofs von Limburg, Franz-Peter Tebartz-van Elst, wird auch von Familie von Holt diskutiert, die am Sonntagmorgen den St.-Paulus-Dom in Münster besuchte.
Der Fall des Bischofs von Limburg, Franz-Peter Tebartz-van Elst, wird auch von Familie von Holt diskutiert, die am Sonntagmorgen den St.-Paulus-Dom in Münster besuchte. Foto: Oliver Werner

Die Menschen sind enttäuscht von Bischof Tebartz-van Elst – sie sind traurig über sein Schweigen. Der Fall des Limburger Bischofs bewegt die Christen in Münster.

Viele Plätze sind an diesem Sonntagmorgen im Kapitels­amt im Dom noch frei. Domkapitular Klaus Winterkamp erinnert während der Messfeier an den kommenden Weltmissionssonntag. Er appelliert an die Solidarität mit den ärmsten Christen. In einem Aufruf der Deutschen Bischöfe wird um ein Gebet und um eine großzügige Spende gebeten.  

Großzügig war auch Tebartz-van Elst bei Baumaßnahmen. „Ich weiß aber einfach zu wenig, um ein Urteil zu fällen“, sagt Katharina Egervari. „Man fragt sich, muss das sein?“, meinen dagegen Finy und Johan Kop. Der Limburger Bischof habe viel Geld gebraucht, gerade in dieser Zeit, wo es vielen Menschen nicht gut geht, sagt das Ehepaar. Die Kops stehen dem Limburger Geschehen wie viele Menschen sehr kritisch gegenüber, geben aber zu bedenken, dass die Kirche für viele Menschen Arbeitgeber sei.

Wenn die Kirche jetzt so anfange, Gelder zu verschleudern so wie die Politiker, dann sieht er neben dem Flughafen in Berlin und dem Bahnhof in Stuttgart bald nur noch Denkmale stehen. Dafür habe er kein Verständnis, erklärt ein 76-jähriger Münsteraner.

„Das ist irgendwie typisch für die katholische Kirche“, meint Katrin Kleintje. Eine 50-jährige Münsteranerin vergleicht die Kirche mit einem Unternehmen. Mit einem Unterschied – die Kirche werde nicht in die Insolvenz gehen. Jedes Unternehmen habe eine Revision, sagt die Christin, deswegen sei es doppelt spannend, dass diese in Limburg nicht funktioniert habe.

Johan Kop: „Er hat viel Geld gebraucht, man fragt sich, muss das sein?“

Johan Kop: „Er hat viel Geld gebraucht, man fragt sich, muss das sein?“ Foto: Oliver Werner

Ein Gottesdienstbesucher, der Franz-Peter Tebartz-van Elst seit mehr als 20 Jahren kennt, ist überzeugt, dass der Bischof in Limburg die völlige Bodenhaftung verloren habe. „Eine traurige Angelegenheit.“

Lisa Schwaberg und Patricia Wulfheide finden es erschreckend, „was unter dem Namen der Kirche gemacht wird“. Der Bischof sei nicht alleinverantwortlich, aber hauptverantwortlich, so ein 54-Jähriger.

Einen Besucher aus dem Bistum Limburg, der in Münster studiert hat, stört, dass die gesamte christliche Kirche jetzt eine Breitseite abbekomme. Viele hätten doch nur auf die passende Gelegenheit gewartet, um aus der Kirche austreten zu können, vermutet der 39-Jährige. Er kritisiert die mangelhafte Transparenz in Limburg. Tebartz-van Elst sei Opfer seines Systems geworden.

Dr. Ferdinand Schumacher, Stadtdechant von Münster, geht davon aus, dass die Kirche durch die Vorgänge in Limburg keinen Schaden nehmen wird.

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