Roma werden in Albanien verfolgt
Schläge für den Kampf gegen Roma-Diskriminierung

Münster -

Roma in Albanien sind oft verarmt, leben am Rand der Gesellschaft, werden diskriminiert. Einige verlassen deshalb ihre Heimat. Bei einem Forum im Paul-Gerhard-Haus schildern sie, was Gewalt gegen ihr Volk im Alltag bedeutet.

Dienstag, 01.10.2013, 11:10 Uhr

Runder Tisch über die Lage der Roma in Albanien: Die Experten sprachen vor Betroffenen.
Runder Tisch über die Lage der Roma in Albanien: Die Experten sprachen vor Betroffenen. Foto: Matthias Ahlke

Samira Rizvani (35) hat im albanischen Tirana für einen Roma-Verein gearbeitet. Nach einer Demonstration kam die Polizei. „Sie bedrohten uns, beschuldigten uns, dem Ansehen des Landes zu schaden“, sagt sie, „die waren brutal.“ Die schmächtige Frau sitzt im Paul-Gerhardt-Haus und berichtet von der Verfolgung, die Roma in ihrem Heimatland erdulden. Wie sie können auch andere davon berichten: Diskriminierung in der Schule und im Beruf. Schläge, wenn sie für ihre politischen Rechte demonstrieren.

Warum albanische Roma ihr Land verlassen wollen, darum ging es an einem Runden Tisch, zu dem der Roma Lehrerverein eingeladen hatte. Direktor Ragip Jasharaij war im Urlaub in Tirana, hat dort mit Familien gesprochen, die von Verfolgung berichteten, weil sie Roma waren. Das reiche von offener Ablehnung und Gewalt bis zu Mobbing in der Schule oder scharfen Kontrollen für Selbstständige.

Bisher haben aber deshalb wenige Roma Albanien verlassen. Werner Fritsche vom Dortmunder Bundesamt für Migration und Flüchtlinge berichtet von bundesweit 33 Asylanträgen in diesem Jahr. Nicht viel, wenn man hört, dass das Amt 80 000 unerledigter Anträge vor sich hat.

Albanien ist Europas Armenhaus. Deutsche verdienen zehn Mal soviel wie Albaner, erklärte Kajo Schukalla in einer historischen Einleitung. Die Roma sind eine Minderheit von unklarer Größe, 80 Prozent von ihnen leben unter der Armutsschwelle.

„Verarmt, am Rande der Gesellschaft lebend, sie sind vogelfrei“, beschreibt der Vorsitzende des Landesverbandes der Sinti und Roma die Lage des vor Jahrhunderten aus Indien nach Europa eingewanderten Volkes in Südosteuropa. Europas Politiker sollten dem EU-Aspiranten Albanien politisch Druck machen, die Menschenrechte einzuhalten.

Das würde sich auch Münsters Integrationsratsvorsitzender Spyros Marinos wünschen. Entwurzelung schade allen, die Menschen sollten in ihrer Heimat faire Verhältnisse vorfinden. Ansonsten wies er auf die fortschrittliche Politik Münsters hin. Ausweisungen gebe es nur sehr selten.

Acht Roma-Familien saßen im Zuschauerraum. Ihre Berichte waren emotional. Imani Schaküli zeigt Verletzungen, die ihm auf einer Polizeiwache zugefügt worden seien. Seit einem Jahr lebt er in Deutschland. Seine jüngste Tochter geht auf die Gesamtschule. „Dafür danken wir“, sagt er.

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