Studenten und ihre „Helden der Kindheit“
Superhelden und Schleckmuscheln

Münster -

Es hätte ein normaler Sonntagabend in der Pension Schmidt sein können. Ein Erstsemester-Pärchen sitzt an einem Tisch nahe der Eingangstür. Sie rührte gelangweilt in ihrem Cocktail, er fragte sich laut: „Ist hier heute Abend etwas Besonderes?“

Dienstag, 29.10.2013, 15:10 Uhr

Mit viel Witz und Emphase entführten die Autoren Sabrina Janesch und Stephan Phin Spielhoff in ihre Kindheitswelten.
Mit viel Witz und Emphase entführten die Autoren Sabrina Janesch und Stephan Phin Spielhoff in ihre Kindheitswelten. Foto: wind

Er ahnte noch nicht, welche geballte Nostalgie über ihn hereinbrechen sollte. Denn Designstudenten der Fachhochschule Münster stellten am Sonntagabend die Werke ihres Projekts „Helden der Kindheit“ vor. Erschienen sind diese in Form von Illustrationen in einem gleichnamigen Buch.

Das Prinzip dabei: 50 – teils prominente – Autoren haben kurze Texte beigesteuert, in denen sie sich an die besagten Helden ihrer Kindheit erinnern. Dabei werden klassische Kinderhelden, wie Benjamin Blümchen oder Superman gewürdigt – aber auch außergewöhnliche Idole wie der Pirat Guybrush Threepwood aus der Computerspielreihe „ Monkey Island “ finden ihren Platz.

Passend zu diesen Geschichten entstanden dann die fantasievollen und handwerklich einwandfreien Bilder.

Das Problem daran: Diese Illustrationen, um die es eigentlich gehen sollte, gingen an diesem Abend völlig unter. Kaum größer als ein herkömmliches Blatt Papier im DIN A4-Format, hingen sie an verschiedenen Wänden in der Pension Schmidt. Wer die Werke also ernsthaft betrachten wollte, der kam nicht umher, den übrigen Gästen der Pension an diesem Abend, die zufällig vor den entsprechenden Illustrationen saßen, unangenehm nahe zu kommen.

So viel Herzblut auch in den Bildern stecken mag, umso liebloser war leider die Präsentation der Werke.

Ein absoluter Glücksfall war es da, dass Sabrina Janesch und Stephan Phin Spielhoff den geneigten Zuhörern ihre Geschichten aus dem Buch live präsentierten. Spielhoff griff dabei das Thema des Abends auf und verteilte einige Schleckmuscheln , eine süße Erinnerung an seine Kindheit, ans Publikum. Vom Projekt „Helden der Kindheit“ und den Werken der Designstudenten zeigte er sich begeistert. „Die Reaktionen auf die Bilder sind absolut fantastisch“, berichtete der junge Autor, der seine Comic-Helden Calvin und Hobbes würdigte. Auch Sabrina Janesch, nebenbei Trägerin des renommierten Anna-Segers-Preises, wusste die Zuhörer mit ihrer Betrachtung der Schlümpfe in Vergleich mit dem damals noch kommunistischen Polen zu überraschen.

Wären nur die Bilder etwas eindrucksvoller ausgestellt gewesen. Manchmal kommt es eben doch auf die Größe an.

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