Uni prüft Steinmeiers Doktorarbeit
Wachsende Zweifel am Plagiatsjäger aus Münster

Münster/Giessen -

Am Tag nach Bekanntwerden des Plagiatsverdachts gegen die Doktorarbeit von SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier gerät auch der Urheber der Vorwürfe ins Visier der Kritik. Uwe Kamenz, der neben seiner Tätigkeit als Professor an der Fachhochschule Dortmund in Münster ein Institut für Internetmarketing betreibt, hat eine Plagiatssoftware entwickelt, mit deren Hilfe er Pfusch in wissenschaftlichen Arbeiten aufdecken will. Speziell konzentriert sich Kamenz dabei auf promovierte Politiker.

Dienstag, 01.10.2013, 08:15 Uhr aktualisiert: 01.10.2013, 10:49 Uhr
 Nach der Veröffentlichung von Plagiatsvorwürfen gegen SPD-Bundestagsfraktionschef Frank-Walter Steinmeier rechnet der Wissenschaftler Uwe Kamenz mit zehn weiteren Fällen.
 Nach der Veröffentlichung von Plagiatsvorwürfen gegen SPD-Bundestagsfraktionschef Frank-Walter Steinmeier rechnet der Wissenschaftler Uwe Kamenz mit zehn weiteren Fällen. Foto: dpa

Seit geraumer Zeit wirbt Kamenz um Sponsoren, die die Überprüfung von Doktorarbeiten finanzieren. Um die Software überhaupt anwenden zu können, müssen häufig die gesamte Dissertation, aber auch wichtige Quellen dafür digitalisiert werden. Das Magazin „ Focus “, das die Plagiatsvorwürfe gegen Steinmeier veröffentlichte, zahlte nach eigenen Angaben „Aufwandsentschädigungen“ an Kamenz, um Abgeordneten-Dissertationen zu prüfen.

Als Reaktion auf die Vorwürfe gegen Steinmeier regt sich Kritik an der Plagiatssoftware. Unter anderen äußerte Deborah Weber-Wulff von der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft in einer Stellungnahme gegenüber dieser Zeitung Bedenken: „Die Beurteilung, ob etwas ein Plagiat ist, kann nur durch einen Menschen gemacht werden", sagt Weber-Wulf, die auch bei „Vroniplag“ aktiv ist. Diese Internet-Plattform spielte beim Plagiatsverfahren gegen Theodor zu Guttenberg eine führende Rolle. Sie hält es für „unverantwortlich“, den Bericht von Kamenz zu veröffentlichen. Er enthalte „verwirrende und falsche Zahlen“. Es entstehe „der Eindruck, hier soll effekthascherisch für ein Softwareprodukt geworben werden“. Die Universität Münster, der Kamenz seine Software angeboten hatte, lehnte mit der Begründung ab, die Methode sei „unseriös“, wie deren Sprecher Norbert Robers betont.

Die Universität Gießen, wo Steinmeier 1991 promovierte, kündigte unterdessen auf Bitten des Politikers an, die Dissertation zu prüfen.

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