Bundespräsident Gauck besucht das Zentrum für Islamische Theologie (ZIT)
Der Zwist um den richtigen Islam

Münster -

In der Debatte um den richtigen Islam geht es kurz vor dem Besuch des Bundespräsidenten an der Universität Münster hoch her. Der Zwist schwelt seit langem um die über zwei Jahren nach Gründung des Zentrums für Islamische Theologie (ZIT) immer noch nicht konstituierten Beirat.

Freitag, 22.11.2013, 10:11 Uhr

Im Zentrum für islamische Theologie der Universität werden unter Leitung von Prof. Mouhanad Khorchide (oben r.) Lehrer für de Religionsunterricht ausgebildet. Zur Eröffnung des Zentrums kamen vor einem Jahr auch die damalige Bundesbildungsmiistzerin Annette Schavan (unten rechts). Unten links: Seiten des Korans. Jetzt wird Bundespräsident Gauck (M.) erwartet.
Im Zentrum für islamische Theologie der Universität werden unter Leitung von Prof. Mouhanad Khorchide (oben r.) Lehrer für de Religionsunterricht ausgebildet. Zur Eröffnung des Zentrums kamen vor einem Jahr auch die damalige Bundesbildungsministerin Annette Schavan (unten rechts). Unten links: Seiten des Korans. Jetzt wird Bundespräsident Gauck (M.) erwartet. Foto: dpa/Ahlke/kv

Ohne den achtköpfigen Beirat können die Studiengänge nicht akkreditiert und Professoren nicht berufen werden. Alle Wissenschaftler, außer dem Leiter Khorchide , die am ZIT arbeiten, erhalten nur befristete Verträge. Auch das Curriculum des Studiengangs in dem muslimische Religionslehrer für staatliche deutsche Schulen ausgebildet werden, müsste durch den Beirat verabschiedet werden.

Vier Mitglieder des Beirats werden durch die Universität benannt, weitere vier durch den Koordinationsrat der Muslime in Deutschland (KRM), in dem die Verbände der größere muslimischen Religionsgemeinschaften vertreten sind. Weil das Bundesinnenministerium seine Förderung für das ZIT an die Verfassungskonformität der Beiratsmitglieder knüpft, wurden die vorgeschlagenen Mitglieder vom Verfassungsschutz überprüft: Ein vom Islamrat entsandter Vertreter, der aus der vom Verfassungsschutz beobachteten Gruppierung Milli Görüs stammt, wurde abgelehnt. Pikante Note: Im Beirat, der das Schulministerium NRW beim islamischen Religionsunterricht berät, arbeitet der abgelehnte Kandidat mit. Kürzlich wurde das Gezerre um den Beirat auch dem Journalisten und Autor Eren Güvercin, zu bunt. Er legte sein Mandat im Beirat nieder – auch weil sich bei ihm der Eindruck verfestigt hatte, die Rolle des Beirats sei darauf beschränkt, „fertig geplante Konzepte abzunicken“, wie er sagt. Dass der Bundespräsident sich mit seinem Besuch in Münster dem Thema Islam in Deutschland zuwendet, findet Güverdin „sehr positiv“.

Im Senat der Universität Münster berichtete Rektorin Nelles, die Universität prüfe, „ob für den Beirat nicht auch sechs Mitglieder genügen“.

Für die Universität und das ZIT drängt allmählich die Zeit – denn alle Zentren, die der Bund fördert, werden evaluiert. Die Konstruktion des Beirats in Münster ist ein Unikat. An den anderen Standorten gibt es die münsterischen Probleme nicht. In Osnabrück sind fünf Professoren berufen, ebenso in Frankfurt.

Mouhanad Khorchide, der mit seinem Buch „Islam ist Barmherzigkeit“ große öffentliche Aufmerksamkeit erlangte und häufig in TV-Talkshows eingeladen wird, bleibt der innerislamischen Kritik zum Trotz so etwas wie der Star der islamischen Theologen in Deutschland. Auch bei Gauck war er schon zu Gast.

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