Kritik am Bauboom
Unruhe in der Aaseestadt in Münster

Münster -

Bauboom, Nachverdichtung, Generationenwechsel: In der Aaseestadt macht sich Unruhe breit. Besonders ältere Anwohner klagen darüber, dass das Quartier durch die baulichen Veränderungen seinen Charakter verliere. Die Stadtverwaltung überprüft jetzt den Bebauungsplan.

Montag, 25.11.2013, 07:11 Uhr

Keine Seltenheit in der Aaseestadt: Bestehende Häuser werden abgerissen oder Anbauten samt Dachterrassen in die Gärten gesetzt.
Keine Seltenheit in der Aaseestadt: Bestehende Häuser werden abgerissen oder Anbauten samt Dachterrassen in die Gärten gesetzt. Foto: Oliver Werner

„Der Nachbarschaftsfriede ist gestört.“ Für den 81-jährigen Anwohner der Aaseestadt wiegt eine solche Äußerung schwer. Denn er lebt seit 50 Jahren in einem Reihenhaus an der Delpstraße. 50 Jahre lang sei es nicht nötig gewesen, die Vorhänge zuzuziehen, „jetzt wohl“.

Was sich da in der Aaseestadt – einem der etablierten münsterischen Quartiere – abspielt, ist ein Spiegelbild der aktuellen Wohnungssituation: Bauboom , Nachverdichtung , Generationenwechsel.

Im Fall der Delpstraße ist die Geschichte schnell erzählt. 50 Jahre lang schauten die Anwohner auf die Nachbarhäuser an der Klausenerstraße und deren Gärten. Jetzt hat die Stadt einem Hauseigentümer der Klausenerstraße einen Anbau samt Dachausbau und großer Dachterrasse genehmigt.

Die Folge: „Von dieser Dachterrasse aus kann man alle Gärten einsehen“, klagen die Delpstraßenanwohner. Die eigene Terrasse habe dadurch ihren Wert eingebüßt. „Wir fühlen uns beobachtet.“

Eine Nachfrage beim Bauordnungsamt blieb erfolglos. Die Dachterrasse sei rechtmäßig auf der Basis der Baugenehmigung erstellt worden, überdies bestehe „kein Anspruch auf Vermeidung jeglicher Beeinträchtigungen“, wie es in einem Schreiben heißt.

Der Bauherr an der Klausenerstraße, von unserer Zeitung über die Anwohnerbeschwerden informiert, entgegnet: „Mit mir hat noch keiner darüber gesprochen.“

So wohnen die Münsteraner

1/24
  •  

    Foto: Oliver Werner
  •  

    Foto: Oliver Werner
  • Berg Fidel

    Foto: Oliver Werner
  • Berg Fidel

    Foto: Oliver Werner
  • Berg Fidel

    Foto: Oliver Werner
  • Berg Fidel

    Foto: Oliver Werner
  • Berg Fidel

    Foto: Oliver Werner
  • Hammer Straße an der Bahn

    Foto: Oliver Werner
  • Kinderhaus

    Foto: Oliver Werner
  • Lincoln-Kaserne, ein gutes Beispiel für Konversion

    Foto: Oliver Werner
  • Kinderhaus Moorhoek

    Foto: Oliver Werner
  • Gasselstiege

    Foto: Oliver Werner
  • Germania Campus

    Foto: Oliver Werner
  • Wohnen am Aasee

    Foto: Oliver Werner
  • Aaseestadt wird verdichtet

    Foto: Oliver Werner
  • Kreuzviertel Melchersstraße

    Foto: Oliver Werner
  • Kreuzviertel Melchersstraße

    Foto: Oliver Werner
  • Kreuzviertel Melchersstraße

    Foto: Oliver Werner
  • Germania Campus

    Foto: Oliver Werner
  • Aaseestadt wird verdichtet

    Foto: Oliver Werner
  • Aaseestadt wird verdichtet

    Foto: Oliver Werner
  • Aaseestadt wird verdichtet

    Foto: Oliver Werner
  • Villa Schmelter Mecklenbecker Straße

    Foto: Oliver Werner
  • Geistviertel zwischen Hammer und Geisstraße

    Foto: Oliver Werner

Ein Riss geht durch die Aaseestadt – und ruft inzwischen auch eine Bürgerinitiative auf den Plan. Petra Hilsmann und Reinhard Willmann haben beim Stadtplanungsamt, unterstützt durch 80 Unterschriften, einen Antrag auf Erstellung eines neuen Bebauungsplanes gestellt.

Ihr Anliegen: „Als Anwohner der Aaseestadt verfolgen wir mit großer Besorgnis die bauliche Entwicklung in unserem Wohnviertel.“ Reinhard Willmann erzählt, was ihn umtreibt: Immer häufiger komme es vor, dass Ein- und Zweifamilienhäuser, die das Quartier prägen, abgerissen und durch Mehrfamilienhäuser mit vier bis fünf Wohneinheiten ersetzt werden.

Plötzlich gibt es Höhenunterschiede, die es vorher nicht gab. Plötzlich tauchen Fenster an Stellen auf, wo vorher keine Fenster waren. „Das verunsichert die Menschen hier“, beschreibt Willmann ein Gefühl der Fremdheit, das sich insbesondere bei den Älteren einstelle.

Nach Auskunft von Marion Philipp vom Planungsamt der Stadt Münster werden derzeit alle baulichen Veränderungen seit dem Jahr 2000 in der Aaseestadt aufgelistet. Im Anschluss werde die Stadtverwaltung eine Empfehlung aussprechen, ob ein neuer Bebauungsplan erforderlich sei oder nicht. Ein radikaler Wandel in der Struktur des Quartiers sei nicht zu erwarten, zugleich aber auch keine bloße Konservierung. Immerhin sei der von 1960 stammende Bebauungsplan „in die Jahre gekommen“.

Und noch eines lässt die Planungsexpertin nicht unerwähnt. Das Interesse, in der Aaseestadt zu wohnen, sei sehr hoch: „Je näher man auf die City zukommt, desto größer wird der Druck.“

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/2059294?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F1753750%2F2130914%2F
Bomben-Verdacht: Evakuierung droht
Auf diesem Grundstück an der Von-Steuben-Straße gibt es einen Blindgängerverdacht.
Nachrichten-Ticker