Stadtsportbund-Angebot seit 15 Jahren
Hinter verhängten Fenstern: Schwimmenzeiten für muslimische Frauen und deren Kinder

Münster-Kinderhaus -

Erst werden alle Fenster im Schwimmbad der Regenbogenschule mit Tüchern abgehängt, dann ziehen die Frauen ihren Badeanzug an. Geschützt vor unerwünschten Blicken trauen sie sich ins Becken und haben Spaß an der sportlichen Betätigung im Wasser.

Montag, 25.11.2013, 11:11 Uhr

Stadtsportbund-Angebot seit 15 Jahren : Hinter verhängten Fenstern: Schwimmenzeiten für muslimische Frauen und deren Kinder
Foto: mfe

Der Stadtsportbund bietet in Kinderhaus seit 15 Jahren Schwimmen für muslimische Frauen und deren Kinder an. „Es darf nicht sein, dass in einem zivilisierten Land wie unserem Menschen ertrinken, weil sie nicht schwimmen können“, sagt Lucy Ammermann-Struwe . Die pädagogische Leiterin des Bildungswerks beim Landessportbund setzt sich dafür ein, dass Kinder – schon bevor sie in die Schule kommen – schwimmen lernen. Weil muslimische Frauen aber mit ihrem Nachwuchs in der Regel nicht in öffentliche Bäder gehen, sei dieses Angebot eingerichtet worden. Dort können sie sich nach ihren religiösen Regeln auch ohne den Ganzkörperschwimmanzug „Burkini“ frei bewegen.

Wer noch nicht schwimmen kann, wird von den Übungsleiterinnen Daniela Böhne und Anna Ostendorf professionell betreut. Gleichzeitig kümmert sich Kerstin Driesing um den Unterricht für die Kinder, die den Kursus in der Regel mit der „Seepferdchen-Prüfung“ abschließen. Bürgermeisterin Karin Reismann unterstützt das Projekt, weil auch sie der Ansicht ist, dass Schwimmen lernen für jedes Kind dazugehören muss. „Vor allem auch deswegen, damit es später in der Schule auch am regulären Schwimmunterricht teilnehmen kann.“

Weil muslimische Mütter solche Angebote oft nicht wahrnehmen, ist das Schwimmen für die Kinder kostenlos. Reismann hatte sich für einen Zuschuss seitens der Stadt eingesetzt. „Den haben wir aber nicht abrufen müssen, weil zwei Bürger für dieses aus ihrer Sicht förderungswürdige Projekt gespendet haben“, berichtet Lucy Ammermann-Struwe. Aufgrund der Unterstützung konnte das Angebot zeitlich erweitert werden. Zuvor stand den muslimischen Frauen das Becken nur eine Stunde zur Verfügung, nun sind es eineinhalb Stunden. Mit dem Abdecken der Fenster und dem Umziehen bleibe dann noch genügend Zeit zum effektiven Schwimmen. Auch bei den Kindern hat Kerstin Driesing schon schnellere Lernerfolge festgestellt.

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