Kundgebung auf der Stubengasse
Salafisten geben sich handzahm

Münster -

Rund 150 Salafisten hielten zeitgleich zum Besuch des Bundespräsidenten eine Kundgebung auf der Stubengasse ab. Deren Redner Pierre Vogel verzichtete weitgehend auf Provokationen. Zu Zwischenfällen kam es nicht.

Freitag, 29.11.2013, 08:11 Uhr

Radikale Islamisten hielten am Donnerstagnachmittag auf der Stubengasse eine Kundgebung ab.
Radikale Islamisten hielten am Donnerstagnachmittag auf der Stubengasse eine Kundgebung ab. Foto: Matthias Ahlke

Gegen 13.30 Uhr verlässt Bundespräsident Joachim Gauck das Treff-Hotel, wo er einen Imbiss eingenommen hat. Ein großer Teil der Polizei- und Medienvertreter bleibt allerdings an der Stubengasse . Die radikal-islamistischen Salafisten haben für 15 Uhr im Windschatten des Präsidentenbesuchs eine Kundgebung angekündigt.

Im Vorfeld rechneten sie mit 500 Teilnehmern, schließlich sind es laut Polizei gerade einmal 150 Anhänger der Salafisten, die den Weg nach Münster finden. Weitere 300 bis 400 Menschen verfolgen den mehr als zweistündigen Vortrag von Pierre Vogel , einem der Hauptakteure der deutschen Salafisten, der seit Jahren im Visier des Verfassungsschutzes ist.

„Tut niemandem weh, flippt nicht aus, lasst euch nicht provozieren“, ruft Vogel seinen Anhängern zu. „Wir wollen ein gutes Bild abgeben.“ Dann beginnt er seinen Vortrag, überwiegend auf Deutsch, manchmal auf Arabisch. Vor ihm liegt ein Stapel Bücher, aus denen er Zitate vorliest, mal gleicht seine Ansprache einer Vorlesung, dann wieder einer Predigt. Radikale Töne versucht der Islamist zu vermeiden.

„Hassprediger“ auf der Stubengasse

Immer wieder übt Vogel Kritik an dem in Münster lehrenden Islamtheologen Prof. Mouhanad Khorchide. Der habe „keine acht Anhänger“, arbeite unwissenschaftlich. „99 Prozent der Muslime“ würden anders denken, Khorchide habe „einfach keine Ahnung“.

Vogel kann seine Thesen ungestört vortragen, es gibt keine Zwischenrufe, keinen Beifall. Die Kundgebung endet ohne Zwischenfälle – anders als 2012 in Bonn, als Salafisten mit Vertretern der rechtsextremen Gruppierung Pro NRW aneinander- gerieten und mehrere Menschen teils schwer verletzt wurden.

Auf der Stubengasse gibt Vogel den korantreuen Moslem, Provokationen spart er sich. Dass er auch anders kann, zeigt ein Blick in die Verfassungsschutzberichte. Dort wird Vogel unter anderem „radikal-islamistische Propaganda“ vorgeworfen – und den deutschen Salafisten bescheinigt, dass deren Ideen im Widerspruch „zu den Grundprinzipien der freiheitlichen demokratischen Grundordnung“ stehen. Zudem, so heißt es weiter, rechtfertige deren Ideologie Gewalt gegen „Ungläubige“.

Salafisten in Münster

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  • Foto: Matthias Ahlke & Hannah Reichelt
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