Als in Münster noch die Straßenbahn fuhr
Matrosenherz pochte für Wilma

Münster -

Wilma war 18. Sie verkaufte Fahrkarten in der Straßenbahn, als eines Tages ihr Bruno als Trittbrettfahrer aufsprang. Es war Liebe auf den ersten Blick. Wilma und Bruno Kleppatz haben nach dem Krieg geheiratet. Viele Erinnerungen sind der heute 89-Jährigen rund um ihren Job in der Straßenbahn geblieben, die in der heulenden Kurve so schön quietschte.

Mittwoch, 13.11.2013, 08:11 Uhr

Als in Münster noch die Straßenbahn fuhr : Matrosenherz pochte für Wilma
Als sie den restaurierten Triebwagen von Münsters letzter Straßenbahn in den Westfälischen Nachrichten sah, hat Wilma Kleppatz vor Rührung geweint . Schließlich hat ihr die Straßenbahn mit dem Matrosen Bruno die große Liebe ihres Lebens beschert. Foto: ah / mm

Bruno war Matrose. Kein Leichtmatrose, sondern an diesem Tag ein Laufmatrose. Adrett sah er in seiner Uniform aus. Der junge Mann war auf Zack, als er im Krieg auf Heimaturlaub war und eines Tages die Straßenbahn am Schützenhof verpasst hatte. Die 18-jährige Wilma dagegen war in der Straßenbahn mit dem Fahrkartenverkauf beschäftigt, als sie den Matrosen entdeckte. Er schaffte es, aufs Trittbrett zu springen, bevor er am Sentmaringer Weg ordnungsgemäß zustieg – in eine der letzten Straßenbahnen, die einst durch Münster kurvten und bimmelten und deren Stilllegung 1949 eingeläutet wurde.

Als in Münster noch Straßenbahnen fuhren

1/50
  • Foto: Christoph Niehus
  • Foto: Christoph Niehus
  • Foto: Christoph Niehus
  • Foto: Christoph Niehus
  • Foto: Christoph Niehus
  • Foto: Christoph Niehus
  • Foto: Christoph Niehus
  • Foto: Christoph Niehus
  • Foto: Christoph Niehus
  • Foto: Christoph Niehus
  • Foto: Christoph Niehus
  • Foto: Christoph Niehus
  • Foto: Christoph Niehus
  • Foto: Christoph Niehus
  • Foto: Christoph Niehus
  • Foto: Christoph Niehus
  • Foto: Christoph Niehus
  • Foto: Christoph Niehus
  • Foto: Christoph Niehus
  • Foto: Christoph Niehus
  • Foto: Christoph Niehus
  • Foto: Christoph Niehus
  • Foto: Christoph Niehus
  • Foto: Christoph Niehus
  • Foto: Christoph Niehus
  •  

    Foto: Christoph Niehus
  •  

    Foto: Christoph Niehus
  •  

    Foto: Christoph Niehus
  •  

    Foto: Christoph Niehus
  •  

    Foto: Christoph Niehus
  •  

    Foto: Christoph Niehus
  •  

    Foto: Christoph Niehus
  •  

    Foto: Christoph Niehus
  •  

    Foto: Christoph Niehus
  •  

    Foto: Christoph Niehus
  •  

    Foto: Christoph Niehus
  •  

    Foto: Christoph Niehus
  •  

    Foto: Christoph Niehus
  •  

    Foto: Christoph Niehus
  •  

    Foto: Christoph Niehus
  •  

    Foto: Christoph Niehus
  •  

    Foto: Christoph Niehus
  •  

    Foto: Christoph Niehus
  •  

    Foto: Christoph Niehus
  •  

    Foto: Christoph Niehus
  •  

    Foto: Christoph Niehus
  •  

    Foto: Christoph Niehus
  •  

    Foto: Christoph Niehus
  •  

    Foto: Christoph Niehus
  •  

    Foto: Christoph Niehus

Dass der Matrose die Liebe ihres Lebens werden sollte, hat das junge Fräulein an diesem Sommertag nicht geahnt.

Als es in der heulenden Kurve so schön quietschte, haben alle Fahrgäste gelacht.

Schaffnerin Wilma Kleppatz

Auch Wilma trug Uniform, die sie als Schaffnerin auswies. „Das Schiffchen fiel mir immer vom Kopf. Also habe ich es weggelassen“, erinnert sich die heute 89-Jährige Wilma Kleppatz an die Zeit der Straßenbahn, die ihr trotz schwerer Kriegsjahre die große Liebe brachte.

Durfte an der Leine ziehen

Die Linie 2 Danziger Freiheit bis Schützenhof, ist mir in lieber Erinnerung, und oft erzähle ich meinen Enkelkindern davon. Damals, 1948 bis 49, war ich als Zehnjährige für ein Jahr bei meiner Tante auf der Ostmarkstraße. Im selben Haus wohnte Anneliese, ihr Vater war Straßenbahnfahren der Linie 2. Einmal in der Woche durften wir einen Nachmittag lang mit ihm fahren und auch mal an der Leine ziehen. Das Klingeln und die Bremsgeräusche habe ich nie vergessen, und für uns Mädchen war es immer ein Abenteuer. Wir fuhren umsonst und heimlich und durften keinem davon erzählen, mit genau dieser Bahn zu fahren. Lang, lang ist es her.  Ingrid Spors

...

Noch heute ist ihr das Quietschen des Gefährts in der „heulenden Kurve“ in den Ohren. „An dieser Stelle haben alle Fahrgäste gelacht“, erzählt die rüstige Seniorin, die am Albersloher Weg aufgewachsen ist und sich dort auch beim Fliegeralarm in Sicherheit brachte. Und so war sie auch erstaunt, dass Münsters letzte Straßenbahn – der Triebwagen 65 – nach elf Jahren der Restaurierung durch den Verein zur Rettung der letzten Straßenbahn am Albersloher Weg im Stadthaus 3 eingefahren ist. „Ein tolles Gefühl ist das. Der Wagen wäre zum Verrotten ja auch viel zu schade gewesen. Die Straßenbahn sieht jetzt viel schöner aus, als früher. Ich habe die mühsame Arbeit des Vereins in der Zeitung verfolgt und vor Freude geweint, als Münsters letzte Straßenbahn neulich gefeiert wurde. Denn für mich hängt die schönste Geschichte meines Lebens dran“, strahlt die Seniorin, die 1942 auf charmante Art frage: „Jemand ohne Fahrschein ?“

Mit einem Kasten für Geld war sie ausgestattet, um die Tickets auszugeben. Die Straßenbahn war rappelvoll und sie musste sich so manches Mal energisch durchdrängeln. Besonders eng sei es geworden, als Soldaten an der Grevener Straße zustiegen. Sie seien aber alle sehr freundlich gewesen.

Kaum wiederzuerkennen: Das damalige Hotel Continental an der Ecke Bahnhofstraße / Windthorststraße.

Kaum wiederzuerkennen: Das damalige Hotel Continental an der Ecke Bahnhofstraße / Windthorststraße. Foto: Sammlung Christoph Niehus

„30 Pfennig hat eine Fahrkarte gekostet“, berichtet Wilma Kleppatz. Nacheinander ließ sie die Pfennige in die Kastenvorrichtung plumpsen und es wurde Buch geführt. Für Schwarzfahrer waren Kontrolleure zuständig. Und wer nicht bezahlt hatte, konnten im Gedränge flott die Biege machen.

Für mich hängt an Münsters Straßenbahn die schönste Geschichte meines Lebens dran.

Wilma Kleppatz

1967 ist Wilma Kleppatz nach Handorf gezogen. Ihr Ehemann Bruno ist im Mai 1974 im Alter von 51 Jahren gestorben. Fünf Kinder sind aus der Ehe hervorgegangen, einen Sohn hat sie ebenfalls viel zu früh verloren.

Voting

Wünschen Sie sich die Straßenbahn zurück? Hier geht's zum Voting .

...

Bis zum Kriegsende war sie auf Münsters Schienennetz auf ihrem Posten. Und das mit viel Spaß. Es wurde in Schichten gearbeitet. So fuhr die 2 vom Schützenhof zum Marienplatz über den Prinzipalmarkt hoch zur Warendorfer Straße – und quietschte selbstverständlich in der berühmten „heulenden Kurve“, wo heute im „Bunten Vogel“ an der Salzstraße / Ecke Alter Steinweg Musik erklingt.

1946 kam „ihr Matrose“ aus Frankreich zurück. „Ich habe nicht nur die Uniform gemocht“, lacht die 89-Jährige. In St. Joseph an der Hammer Straße heirateten die beiden noch im selben Jahr.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/2033718?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F1753750%2F2130914%2F
Zwischen „Träumen“ und „Billigramsch“
Der Internet-Händler Zalando wird in der Innenstadt für Münster ein Outlet eröffnen.
Nachrichten-Ticker