Seniorentag trifft den Nerv einer Generation
Nach 68 Jahren noch traumatisiert

Münster -

Riesenandrang beim Seniorentag im Rathausfestsaal. Das Thema schien am Donnerstagnachmittag den Nerv einer Generation zu treffen. „Wir Kriegskinder – glücklich, überlebt zu haben?“ Unter diesem Motto kamen Wissenschaftler und Zeitzeugen zu Wort. Die Quintessenz eines Vortrags von Prof. Dr. Gereon Heuft: Viele Bürger leiden auch heute noch seelisch und körperlich unter den Kriegserlebnissen ihrer Kindheit.

Freitag, 01.11.2013, 07:11 Uhr

Bis auf den letzten Platz belegt war gestern der Rathausfestsaal beim Seniorentag.
Bis auf den letzten Platz belegt war der Rathausfestsaal beim Seniorentag. Foto: Oliver Werner

Der Rathausfestsaal platzte am Donnerstagnachmittag (31. Oktober) aus allen Nähten. Lebhafte Gespräche schon vor dem offiziellen Start des Seniorentages zeigten deutlich: Das Thema lässt viele auch heute noch nicht los. Unter dem Motto „Wir Kriegskinder – glücklich, überlebt zu haben?“ hatten die kommunale Seniorenvertretung, der Seniorenrat und die Volkshochschule ein Programm geschnürt, das wissenschaftlich fundierte Fakten und Zeitzeugenberichte kombinierte. „Es wird Zeit, dass sich diese stille Generation Gehör verschafft“, unterstrich Bürgermeister Holger Wigger , der an einen der schlimmsten Tage für Münster erinnerte, den 10. November 1943, als Münster in Schutt und Asche gelegt wurde. „Wir hoffen, dass viele diese Erfahrungen an ihre Kinder und Enkel weitergeben und für Frieden und die Begrenzung der Gewalt eintreten“, so Martin Schofer von der Seniorenvertretung.

Dass die Aufbaugeneration, der Deutschland seinen Wohlstand verdankt, dafür mit gesundheitlichen Blessuren bezahlt hat, machte Prof. Dr. Gereon Heuft in seinem mit vielen Statistiken untermauerten Vortrag deutlich. Danach wurde ein Drittel der nicht jüdischen Bevölkerung ebenfalls stark belastet und traumatisiert. Das Risiko, körperlich oder seelisch zu erkranken, sei signifikant erhöht. Bei manchen stelle sich nach offenbar gut gemanagten Jahrzehnten im Alter, wenn plötzlich wieder Hilflosigkeit aufflammt, eine Traumareaktivierung ein.

Wie Zeitzeugen ihr Leben nach dem Krieg gemanagt haben, stellte Dr. Veronika Jüttemann gemeinsam mit Senioren vor, die für das Uni-Projekt „Aufwachsen in Westfalen 1945 - 1965“ geforscht und Zeitzeugen befragt hatten. Den hohen Stellenwert der Sportvereine erläuterte Angela Prinz. „Den Menschen wurde Fairness und Toleranz vermittelt, und sie wurden gestärkt für neue Ziele und Aufgaben.“

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