Islamverbände fordern Abberufung
Zu liberales Islamverständnis - Khorchide soll gehen

Münster -

Der innermuslimische Streit um die theologische Richtung von Mouhanad Khorchide, dem Leiter des Zentrums für islamische Theologie an der Universität spitzt sich zu. Der Koordinationsrat der Muslime hat am Dienstag offen die Abberufung des Professors gefordert. Das Verhältnis sei zerrüttet. 

Dienstag, 17.12.2013, 19:12 Uhr

Islamverbände fordern Abberufung : Zu liberales Islamverständnis - Khorchide soll gehen
Geht es nach den Islamverbänden im Koordinationsrat der Muslime (KRM), soll ZIT-Leiter Mouhanad Khorchide abberufen werden. Foto: kv

Neue Eskalationsstufe im innermuslimischen Streit um das Zentrum für islamische Theologie an der Universität Münster . Die Islamverbände im Koordinationsrat der Muslime (KRM) fordern jetzt offen die Abberufung von Prof. Mouhanad Khorchide als Leiter des Zentrums. Khorchide habe die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Islamverbänden „nachhaltig zerrüttet und irreparabel beschädigt“, heißt es in einer am Dienstag veröffentlichten Stellungnahme des KRM.

Eine weitere konstruktive Zusammenarbeit mit ihm sei daher nicht möglich, erklärte der KRM, dem die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (DITIB), der Zentralrat der Muslime, der Islamrat und der Verband der Islamischen Kulturzentren im Koordinierungsrat angehören. Vorangegangen war ein Meinungsaustausch, zu dem der KRM eingeladen hatte. An dem Treffen nahm auch Khorchide teil. Khorchides Theologie gehe „weder mit dem dahinter stehenden wissenschaftlichen Anspruch noch mit Khorchides Selbstverpflichtung zur bekenntnisgebunden Islamtheologie konform“, heißt es in dem rund 70-seitigen KRM-Gutachten.

Das Gutachten, das sich mit Khorchides 2012 erschienenem Buch „Islam ist Barmherzigkeit“ beschäftigt, kommt zu dem Schluss, dass der Theologe methodische Fehler begehe und eine „ideologisch begründete Selektion“ islamischer Quellen betreibe. Einer angeblichen „Theologie des Gehorsams und der Angst“ setze er seine „Theologie der Barmherzigkeit“ entgegen. Dabei vertrete der Theologe eine einseitige und „dem Zeitgeist entgegenkommende Lesart der Heiligen Schriften“.

Jeder der vier im KRM vertretenen Verbände hatte einen Gutachter benannt, darunter drei Theologen und einen Politologen. Der Berufung Khorchides zum Leiter des ZIT, dessen Lehrbetrieb seit dem Wintersemester 2012 läuft, hatten sie zunächst zugestimmt.„Wir nehmen die Stellungnahme zur Kenntnis“, kommentierte Universitätssprecher Norbert Robers die neue Entwicklung. Die Uni setze aber darauf, dass der theologische Beirat des Zentrums nun schnell gegründet werde. Denn nur dieses Gremium könne inhaltliche und personelle Entscheidungen am Zentrum für islamische Theologie treffen.Bundespräsident Joachim Gauck hatte bei seinem Besuch der Universität Münster Ende November noch dazu aufgerufen, die Konflikte um das ZIT in Ruhe zu lösen. Der Islam kenne nicht „die eine religiöse Autorität“. Es sei gut, wenn die Universitäten die pluralistische Tradition des Islam in wissenschaftlicher Freiheit ohne politischen oder fundamentalistischen Druck weiter entwickeln könnten.

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