Münsteranerin Sylvia Zayer behandelt Taifun-Opfer
Philippinos leiden fast alle unter Hunger und Husten

Münster -

Täglich versorgt sie 80 bis 120 Patienten mit primitivsten Mitteln: Die münsterische Ärztin hält sich derzeit in den philippinischen Katastrophengebieten auf. Für unsere Zeitung schildert sie ihre Eindrücke.

Montag, 30.12.2013, 07:12 Uhr

„Das kleine Mädchen beachtet mich kaum, ihre Gewicht-zu-Alter-Kurve zeigt ein deutliches, wenn auch noch nicht bedrohliches Untergewicht. Sorgen macht mir eher, dass die Kleine in den letzten sechs Wochen kein Gewicht mehr zugenommen hat.“

Mit diesen Worten beginnt die Münsteranerin Dr. Sylvia Zayer ihren Bericht über einen aktuellen Hilfseinsatz auf Mindoro , einer philippinischen Insel, die von einem schweren Taifun im November getroffen wurde. Bis zum 11. Januar arbeitet die Ärztin aus dem Universitäts-Klinikum Münster noch in dem Katastrophengebiet .

Auf Anfrage unserer Zeitung beschreibt sie ihre Arbeit, hier die Schilderung über das kleine Mädchen: „Mit Hilfe meiner Übersetzerin erfahre ich, dass einige aus der Familie immer wieder Durchfall haben, dass das Mädchen jedoch meistens am stärksten betroffen ist. Wegen der großen Hitze bekommt die Mutter eine Elektrolytlösung mit nach Hause sowie Zinktabletten, die Durchfallerkrankungen verkürzen können.“

Im vorliegenden Fall habe sie „noch den Impfstatus und den Zeitpunkt der letzten Entwurmung“ ermittelt und einen weiteren Termin vereinbart. „Dann fordere ich den nächsten auf einzutreten.“

An jedem Morgen macht sich Dr. Zayer mit Übersetzerin, Fahrer und einer Apothekenkraft auf den Weg. An manchen Tagen beträgt die Fahrtzeit zum Einsatzort über eine Stunde. „Durch teilweise sehr unwegsames Gelände, durch Flussläufe und Geröllpisten führt unser Weg. Einige der Brücken konnten bisher nur notdürftig repariert werden, und mehr als einmal hatte ich Zweifel, ob sie das Gewicht des vollgeladenen Autos tragen würden.“

Ziele sind immer neue Orte „der Mangyans, der indigenen Bevölkerung auf Mindoro“. Täglich sieht die Münsteranerin zwischen 80 und 120 Patienten. „Meistens sind es Babys, Kinder und Jugendliche, begleitet durch ihre Mütter. Manchmal kommt auch gleich die ganze Familie, um sich einmal untersuchen zu lassen.“

Aufgrund der dichten Vegetation in den Bergregionen von Mindoro sind die Hütten bei dem Taifun weitgehend intakt geblieben. Große Schäden haben jedoch in einigen Teilen die Bananenpflanzungen erlitten. Schäden, die auf den ersten Blick nicht ins Auge springen, die aber die Lebensgrundlage vieler Familien darstellen, wie die Ärztin berichtet. Daher habe sie aus Spendengeldern Hilfspakete zusammengestellt und an die Bedürftigsten der Dörfer verteilt. Organisiert wird der Einsatz vor der Organisation „German Doctors“.

Sylvia Zayer weiter: „Neben Unter- und Mangelernährungen, die häufig durch schwere Wurminfektionen und Durchfallepisoden verschlimmert wurden, gehören alle Arten von Hauterkrankungen und Wunden zum täglichen Bild.“ Fast jeder Patient leidet unter Husten. Die Münsteranerin steht vor der Aufgabe, ungefährliche Erkältungen von potenziell lebensbedrohlichen Krankheitsbildern wie einer Lungenentzündung oder Tuberkulose zu unterscheiden.

Die Rahmenbedingungen ihrer Arbeit sind bescheiden: „Da die diagnostischen Möglichkeiten sich vor Ort auf meine Untersuchung, mein Stethoskop, Otoskop und mein Lämpchen beschränken, habe ich auch immer wieder Fälle, bei denen eine gewisse Unsicherheit bleibt.“ Zum Glück habe sie die Möglichkeit, bei schweren Erkrankungen die Patienten auch in ein Krankenhaus einzuweisen.

Bei allem Leid berichtet die Ärztin auch über positive Erlebnisse: „Der tolle Zusammenhalt im Team und die Dankbarkeit der Menschen haben mir immer wieder über die Anstrengungen hinweggeholfen. Und besonders schön ist es dann, wenn sich ein Patient bei der Wiedervorstellung in besserem Zustand präsentiert.“

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