Dauerbrenner auf Münsters Verkehrsschildern
Alle Wege dieser Welt führen nach Bielefeld

Münster -

Wer achtet in Zeiten von Navigationsgeräten noch auf Hinweisschilder? WN-Redakteur Klaus Baumeister hat sich einmal den Spaß gemacht und die gelben Schilder in Münster näher inspiziert. Er kam zu einem erstaunlichen Ergebnis...

Sonntag, 19.01.2014, 12:00 Uhr aktualisiert: 19.01.2014, 14:28 Uhr
Ein Hinweis für alle, die den Wegweisern einmal (bis zum Ziel) folgen möchten: Dieses Foto zeigt Rathaus (l.) und Theater in Bielefeld.
Ein Hinweis für alle, die den Wegweisern einmal (bis zum Ziel) folgen möchten: Dieses Foto zeigt Rathaus (l.) und Theater in Bielefeld. Foto: Bielefeld Marketing

Es gibt Menschen, die meinen, Bielefeld existiere gar nicht. Derlei Verschwörungstheoretiker können keine Münsteraner sein, denn die Ortsbezeichnung „Bielefeld“ auf den gelben Hinweisschildern im Stadtgebiet ist inflationär.

Nimmt man die Präsenz auswärtiger Ortsbezeichnungen als Maßstab für eine emotionale Verbundenheit, so sind klare Abstufungen erkennbar: Die Menschen aus Werne, Hamm und Coesfeld werden in Münster geduldet, Osnabrücker, Gronauer und Ibbenbürener verehrt. Nichts indes geht über die Liebe zu Bielefeld.

Fast scheint es, als würden die örtlichen Verkehrsplaner und Politiker an einer Wiedergutmachung arbeiten. Da sie vor knapp 40 Jahren die Autobahnverbindung zwischen Münster und Bielefeld verbaselt haben, schicken sie Autofahrer aus jedem Winkel der Stadt nach Bielefeld.

Hier eine Kostprobe: Ganz gleich, ob man sich dem münsterischen Verkehrsknotenpunkt schlechthin – und zwar dem Lugerikreisel – über die Moltkestraße oder über die Hammer Straße nähert, stets erfolgt der Hinweis, dass man die Ausfahrt Hafenstraße nehmen muss, um nach Bielefeld zu kommen.

Print-Version der Bielefeld-Seite in den WN vom 18. Januar.

Print-Version der Bielefeld-Seite in den WN vom 18. Januar.

Nun könnte man vermuten, dass Ignoranten, die beispielsweise die Ausfahrt Schorlemerstraße nehmen, fortan auf Bielefeld-Hinweise verzichten müssen. Aber Pustekuchen: Wer weiter in Richtung Hauptbahnhof fährt, findet am Parkhaus Engelenschanze das nächste Schild: rechts ab nach Bielefeld. Was aber passiert nun, wenn man auch dieses ignoriert und geradeaus weiterfährt? Kein Problem: Bielefeld an der Von-Steuben-Straße, Bielefeld an der Bahnhofstraße, Bielefeld an der Eisenbahnstraße – Bielefeld überall.

Mitunter folgt die münsterische Bielefeld-Systematik einer etwas eigentümlichen Logik. Wer auf dem nördlichen Teil des Rings fährt, den wollen die Verkehrsplaner über die Gartenstraße nach Bielefeld schicken. Wer sich auf der Grevener Straße befindet, den schicken sie auf den Ring. Und wer am Neutor nach Bielefeld Ausschau hält, den führt der Weg stumpf durch die City. Stop-and-go auf der stark frequentierten Achse von der Münzstraße bis zur Mauritzstraße muss halt sein – denn es geht nach Bielefeld.

Alle Wege führen nach Bielefeld

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  • Wichtig am Kreisel ist allein die Ausfahrt Bielefeld, gesehen an der Moltkestraße in Höhe der Einfahrt zum Ludgeriplatz.

    Foto: Klaus Baumeister
  • Foto: Klaus Baumeister
  • Rechts- oder Linksabbieger landen im Nirwana. Wichtig ist nur die Route nach Bielefeld, gesehen am Stadtgraben.

    Foto: Klaus Baumeister
  • Keine Angst vor Münsters Zentrum, denn der Weg führt weiter nach Bielefeld, gesehen am Neutor.

    Foto: Klaus Baumeister
  • Kinderhaus liegt dort, wo es nach Bielefeld geht, gesehen an der Steinfurter Straße (stadtauswärts).

    Foto: Klaus Baumeister
  • Bitte nicht ins Zentrum fahren, denn links ab geht es nach Bielefeld, gesehen auf der Grevener Straße (stadteinwärts).

    Foto: Klaus Baumeister
  • Was bedeutet schon der Zoo, wenn man auch nach Bielefeld fahren kann, gesehen am Ring in Höhe der Gartenstraße.

    Foto: Klaus Baumeister
  • Ausnahmsweise ist die Autobahn mal dort, wo auch Bielefeld ist, gesehen an der Ecke Piusallee/Ring.

    Foto: Klaus Baumeister
  • Selbst kleine Straßen wie der Bohlweg benötigen unbedingt einen Bielefeld-Wegweiser.

    Foto: Klaus Baumeister
  • Nicht vergessen, rechts geht es nach Bielefeld, gesehen an der Eisenbahnstraße nahe der Erlöserkirche.

    Foto: Klaus Baumeister
  • Auch an der Einfahrt zum Parkhaus Engelenschanze (r.) darf der Hinweis auf Bielefeld nicht fehlen.

    Foto: Klaus Baumeister
  • Wer will schon zur Autobahn, wenn man auch nach Bielefeld fahren kann, gesehen an der Bahnhofstraße.

    Foto: Klaus Baumeister

Nach Angaben von Norbert Vechtel vom Ordnungsamt gibt es für jeden Bielefeld-Hinweis auf münsterischen Schildern eine Begründung – basierend auf jahrzehntelangen Erfahrungen bei der regionalen Wegeführung.

Da derlei Erklärungen sehr kompliziert sind, hier einige naheliegenden Antworten: Bielefeld beherrscht deshalb den münsterischen Straßenraum, weil sich Preußen-Fans mal wieder ein Auswärtsspiel beim Zweitligisten Arminia Bielefeld wünschen. Oder weil Kultur-Fans 2014 den Veranstaltungsreigen „800 Jahre Stadt Bielefeld“ nicht verpassen möchten.

Oder weil es völlig egal ist, was auf den Schildern steht: Bielefeld gibt’s eh nicht.

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