Förderschulen
Migrantenkinder im Nachteil

Münster -

In Münster besuchen Kinder aus ausländischen Familien viel häufiger Förderschulen als in den meisten anderen Städten und Gemeinden in Nordrhein-Westfalen.

Donnerstag, 23.01.2014, 07:01 Uhr

Kinder aus ausländischen Familien besuchen in Münster viel häufiger als in anderen Städten und Kreisen Förderschulen.
Kinder aus ausländischen Familien besuchen in Münster viel häufiger als in anderen Städten und Kreisen Förderschulen. Foto: r

In Münster besuchen Kinder aus ausländischen Familien viel häufiger Förderschulen als in den meisten anderen Städten und Kreisen in Nordrhein-Westfalen . Der Bildungsforscher und Soziologe Thomas Kemper vom Deutschen Institut für internationale pädagogische Forschung in Frankfurt am Main, hat die Daten aller kreisfreier Städte und Kreise in NRW verglichen. Am heutigen Donnerstag (23. Januar) stellt Kemper sie bei einer öffentlichen Vorlesung an der Fachhochschule im Hörsaal HS3 in der Robert-Koch-Straße 30 um 18 Uhr vor.

Im Schuljahr 2012/2013 besuchten in Münster 2,4 mal so viele ausländische Kinder Förderschulen wie deutsche. „Im NRW-Durchschnitt liegt dieser Faktor bei 1,7“, sagt Kemper. Nach seiner Analyse bedeutet dies eine deutliche „Bildungsbenachteiligung“ von nicht deutschen Kindern im Schulsystem, interpretiert der Sozialwissenschaftler. In anderen Städten, auch solche mit vergleichbarer Bevölkerungsstruktur, wie etwa in Bonn, sei „das Missverhältnis deutlich geringer“. In Düsseldorf (Faktor 1,1) besuchen ausländische Kinder nicht entschieden häufiger Förderschulen als deutsche. Noch ungünstigere Daten als in Münster fand der Wissenschaftler für die benachbarten Kreise Coesfeld (Faktor 3,1) und Steinfurt (Faktor 3,5).

Besonders auffällige Zahlen stellte Kemper fest, als er bestimmte Herkunfts-Nationalitäten betrachtete. Von den in Münster lebenden Kindern und Jugendlichen aus Serbien, Albanien und dem Libanon besuchen knapp die Hälfte eine Förderschule, im Schuljahr 2005/06 waren es sogar zwei Drittel. In Bonn, so Kemper, sind aus diesen Nationalitäten lediglich zehn Prozent an den Förderschulen. Kemper hat die Ursachen dafür nicht analysiert, zieht auch keine Rückschlüsse auf das Schulangebot in Münster.

Es gibt nach seiner Studien aber auch Migrantenfamilien aus Ländern, deren Kinder im deutschen Bildungssystem besonders erfolgreich sind, Kinder aus ukrainischen und iranischen Familien besuchen nach Kempers Untersuchungen häufiger das Gymnasium als deutsche.

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