Misstrauen abbauen, Wahrnehmung normalisieren
Tagung betrachtet Perspektiven der Islamischen Theologie

Münster -

Islam in Deutschland – der sei „ein Prozess, der ständig in Bewegung ist“. So erklärten es am Freitag und Samstag Teilnehmer der Jahrestagung des Zentrums für Islamische Theologie. Ein Blick auf „historische, theologische und gesellschaftliche Perspektiven“ der Religion in Deutschland sollte unternommen werden, aus wissenschaftlicher Sicht.

Samstag, 01.02.2014, 16:02 Uhr

Zur Wahrnehmung des Islam in der Öffentlichkeit referierten Dr. Farid Hafez (l.) und Dr. Tim Karis. Moderiert wurde das Thema von Dr. Dina El Omari.
Zur Wahrnehmung des Islam in der Öffentlichkeit referierten Dr. Farid Hafez (l.) und Dr. Tim Karis. Moderiert wurde das Thema von Dr. Dina El Omari. Foto: klm

„Irgendwann wird man sagen, dass die islamische Theologie angefangen hat durch Studenten, Dozenten und Mitarbeiter der Unis“, die die Geschichte des Islam im Land weitergeführt hätten, erklärte Zentrums-Leiter Prof. Dr. Mouhanad Khorchide . In Vortrags- und Diskussionsrunden befassten sich etwa 70 Studierende, Dozenten und Jung-Wissenschaftler mit Fragen von Politik, Recht und Gesellschaft und der eigenen „muslimischen Identität“.

Für den schulischen Bereich ging es in der Sparkassen-Akademie am Bröderichweg um Konzepte für die Religionspädagogik. Erfahrungen stellten zum Beispiel der Generalsekretär der islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich und der Rektor der Uni Basel vor.

In Deutschland fehlen laut Khorchide noch „genügend Lehrkräfte und Strukturen, um islamischen Religionsunterricht flächendeckend einzuführen“. Manches müsse der katholischen und evangelischen Religionsdidaktik entlehnt werden.

Um die religiöse Identität in einer „westlichen Gesellschaft“ zu leben, erklärte Dr. Farid Hafez . Lehrbeauftragter der Universitäten Wien und Klagenfurt, sollten misstrauische Haltungen gegenüber dem Islam in Deutschland abgebaut werden. „Durch eine gesamt-gesellschaftliche Auseinandersetzung“, so Hafez, bei der auch Entscheidungsträger in Politik und Gesellschaft gefragt seien. Der Islam solle in der Wahrnehmung „normalisiert“ werden, statt ihn als „anders“ zu sehen. Hafez: „Es geht um Bildung in der Literatur, der Geografie, der Wirtschaftskunde.“ Dort, wo Bilder vom Islam entstünden. „Und wo alles schon beginnt – in Kinderbüchern.“

Dr. Michael Kiefer vom Institut für Islamische Theologie Osnabrück lobte die „vielen Perspektiven“, aus denen heraus Themen diskutiert worden seien, „ohne feste Antworten zu geben. Zu Dingen, die uns trennen, aber über die man reden kann.“

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