Neues gewagt – Altes bewahrt
Architekt Werner Ruhnau führt durch „sein“ Theater

Münster -

Es sticht förmlich heraus, dieses Gebäude in Münsters Innenstadt. Mit seinen schwebenden Außentreppen, dem verglasten Bühnenturm und der Ruine im Innenhof zieht das Theater an der Neubrückenstraße seit Jahrzehnten viele Blicke auf sich. Wie das markante Gebäude in den 1950er-Jahren entstanden ist, konnten interessierte Bürger am Samstagnachmittag erfahren – vom Architekten Werner Ruhnau persönlich.

Montag, 10.02.2014, 21:02 Uhr

Mit der Eröffnung des neuen Stadttheaters am 4. Februar 1956 wurde in Münster Architekturgeschichte geschrieben. Zu seinen Architekten zählte der heute 92-Jährige Werner Ruhnau (kl. Bild mit seiner Frau Anita).
Zu den Stadttehater-Architekten zählte der heute 92-Jährige Werner Ruhnau (kl. Bild mit seiner Frau Anita). Foto: fs

Werner Ruhnau , mittlerweile 92 Jahre alt und ausgezeichnet mit dem Bundesverdienstkreuz für seine Leistungen zur Theaterarchitektur, stellte die Entstehung seines Bauwerkes in einem Vortrag mit anschließender Führung durch die Räumlichkeiten vor. Rüstig und schlagfertig würzte der in Essen lebende Ruhnau seine Erläuterungen mit Witz und scharfsinnigem Humor. Die Aufmerksamkeit der zahlreichen Besucher war ihm von Anfang an sicher.

Begonnen hat die Geschichte des Stadttheaters in der Nachkriegszeit. Nachdem das ehemalige Lortzing-Theater in der Neubrückenstraße bei einem Bombenangriff 1941 zerstört worden war, wurde zunächst das Foyer der Stadthalle als provisorische Bühne genutzt. Überraschend für das eher konservative Münster entschied man sich damals dagegen, das ehemalige Gebäude originalgetreu wiederaufzubauen. Stattdessen kam es 1952 zu einer Ausschreibung für den Neubau. Ruhnau, der sich bereits während seiner Studienzeit für den Bauhausstil begeistert hatte, wurde für sechs Wochen von seiner damaligen Arbeit für die Landwirtschaftskammer Münster freigestellt, um seinen modernen Entwurf für den Wettbewerb anzufertigen – „zunächst nur aus Jux“.

Dass er nicht nur den Wettbewerb gewann, sondern anschließend auch den Auftrag bekam, damit hätte er niemals gerechnet. Umso größer war die Freude. Mit Max von Hausen , Harald Deilmann und Ortwin Rave holte sich Ruhnau drei weitere Architekten ins Boot, „und da haben wir dann das Ding gebaut“.

Zunächst unter schwierigen Bedingungen, Ruhnau wohnte zeitweise im Baubüro. Der Grund: Mangelnder Wohnraum in ganz Münster in der Nachkriegszeit. Die Kirchendächer wurden als erstes repariert, dafür wohnten die Menschen in Kellerlöchern: „Ich dachte, die Münsteraner haben nicht alle Tassen im Schrank“, kommentiert der protestantische gebürtige Ostpreuße Ruhnau unverblümt. Innerhalb von drei Jahren entstand dann der erste Theaterneubau Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg, das Stadttheater Münster.

In der Architektur machte es sich als „Donnerschlag“ schnell einen Namen. Ruhnau wagte, was sich vor ihm wenige getraut hatten, orientierte sich an der römischen Bauweise, kombinierte Kunst und Architektur. Teile der Ruine des ehemaligen Lortzing-Theaters ließ er im Innenhof als Kontrast stehen und baute das moderne Gebäude drum herum. Auch mit dem avantgardistischen Lampenhimmel setzte Ruhnau neue Akzente.

Mit großem Interesse lauschten die Besucher dem Vortrag des charismatischen Architekten, der von seiner Frau und seinem ältesten Sohn begleitet wurde.

Wer den Termin verpasst hat: Anfang Mai nachholen ist eine weitere Führung mit Prof. Ruhnau geplant, hieß es am Samstag.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/2214325?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F2572714%2F2572730%2F
Nachrichten-Ticker