Münsters Schwimmbäder
Viele Besucher, aber wenige Einnahmen

Münster -

Ein Gutachten hat die münsterischen Schwimmbäder unter die Lupe genommen. Das Resultat: Es gibt viel zu verbessern, vor allem bei den Hallenbädern.

Dienstag, 11.02.2014, 07:02 Uhr

Abgetaucht: Diese vier Jungs haben sichtlich Spaß. Am städtischen Bäderbetrieb gibt es aber viel zu verbessern, meinen von der Verwaltung beauftragte Gutachter. Die Werte für die einzelnen Hallenbäder beziehen sich auf das Jahr 2012. 
Abgetaucht: Diese vier Jungs haben sichtlich Spaß. Am städtischen Bäderbetrieb gibt es aber viel zu verbessern, meinen von der Verwaltung beauftragte Gutachter. Die Werte für die einzelnen Hallenbäder beziehen sich auf das Jahr 2012.  Foto: Matthias Ahlke

Mittwochmorgen 8 Uhr, Hallenbad Mitte. Auf der abgetrennten Bahn ganz links im Becken, für die etwas sportlicheren Schwimmer, sorgen zehn kraulende Frühsportler für beträchtlichen Wellengang. Im größeren Teil des Beckens versuchen derweil 31 Schwimmer, ohne Zusammenstöße ihre Bahnen zu ziehen – kein Zweifel: Das Bad ist gut besucht. Zwei junge Männer, die regelmäßig mittwochs um diesen Zeit da sind, wissen auch warum: „Die Öffnungszeiten sind zu knapp.“ In der Tat ist das zentrale Bad Mitte am Morgen für die Öffentlichkeit nur an zwei Werktagen zugänglich.

Für Schulen, Vereine, die Bundeswehr oder die Universität sind in den sechs Hallenbädern mitunter ganze Tage reserviert – in Roxel und Wolbeck gibt es außerhalb des Wochenendes für die Öffentlichkeit kaum noch die Möglichkeit, das Bad zu nutzen.

Münsters Hallenbäder dienen dem Sport

„Kommunale Daseinsvorsorge“ steht als Motto über diesem Nutzungskonzept – und so hat der Rat bei der großen Bäderdebatte 2005 entschieden: Die öffentlichen Bäder in Münster sollen vorwiegend dem Sport dienen – auf den Betrieb eines expliziten Wellness- und Spaßbades hat die Stadt bewusst verzichtet.

Und Ihre Meinung?

Lassen die münsterischen Bäder wirklich so viele Wünsche offen, wie Gutachter jetzt feststellten – oder sind Sie vielleicht gar nicht so unzufrieden mit dem Bäderangebot? Die WN-Redaktion möchte gern Ihre Meinung zum Thema Schwimmbäder in Münster kennenlernen. Rufen sie uns am Dienstag (11. Februar) zwischen 16 und 17 Uhr an. WN-Redakteurin Karin Völker ist erreichbar unter der Rufnummer 0251 / 690-777 und per E-Mail unter ­karin.voelker@wn.de.

...

Um 50 Prozent sollten nach den Plänen der Verwaltung die Zuschüsse gesenkt werden können, nachdem vier Bäder geschlossen und die verbleibenden saniert wurden. Eine Hoffnung, die sich nicht erfüllt, hat die „Conpro Kommunalberatung“ im Auftrag der Stadt Münster bereits im vergangenen Herbst festgestellt. Im Gegenteil: Münsters Hallenbäder haben, verglichen mit anderen kommunalen Bädern in Deutschland, einen extrem hohen Zuschussbedarf. Und das, obwohl sie – ebenfalls im Bundesvergleich – überdurchschnittlich gut besucht sind.

 

Der Kostendeckungsgrad erreichte 2012 in den größeren Hallenbädern Mitte (25 Prozent), Ost (29 Prozent) und Kinderhaus (24 Prozent) nicht annähernd den bundesweiten Durchschnittswert von 39 Prozent. In den kleinen Bädern Roxel und Wolbeck werden nur sieben und acht Prozent Kostendeckung erreicht, der Zuschuss pro Besucher liegt bei knapp sechs Euro. 2013 waren die Besucherzahlen ähnlich, am Kostendeckungsgrad dürfte sich nicht viel geändert haben.

Am Personal kann nicht mehr gekürzt werden

Im städtischen Sportamt ist bekannt, wie diese Zahlen zustande kommen. Schulen und Vereine nutzen die Bäder grundsätzlich gratis. So kommen zwar hohe Besucherzahlen, aber geringe Erlöse zustande. Mit einer weiteren Personalreduzierung sei die Finanzsituation nicht zu verbessern, stellten die Gutachter fest: Der Personaleinsatz in den Bädern sei „weitgehend ausgereizt, weitere Kürzungen in einem größeren Umfang würden zu einer nicht vertretbaren Minderung der Sicherung und Servicequalität führen“.

Positiv wird die Betonung verschiedener Profile für die einzelnen Bäder beurteilt. Dies sei allerdings nicht mit der erforderlichen Konsequenz geschehen, mäkeln die Experten und empfehlen, „darüber zu diskutieren, Profitcenter wie eine Sauna zu betreiben“. Dafür spricht die Bilanz im Ostbad, wo die Stadt ein Solebad mit Dampfsauna betreibt, für das Besucher einen Extra-Obolus zahlen müssen: Die Kostendeckung im Ostbad ist am Höchsten von allen Hallenbädern, obgleich der Betrieb hier eher kostspielig sein dürfte.

Geringer Service, schlechte Aufenthaltsqualität

Bei der Gegenüberstellung der Stärken und Schwächen überwiegen eindeutig die Defizite: Geringe Serviceorientierung, beispielsweise durch die Automatenkassen, wird hier ebenso angeführt wie eine allgemein geringe Aufenthaltsqualität, die wiederum zu reduzierter Aufenthaltsdauer führe.

Die Gutachter raten dazu, von Schulen und Vereinen eine Gebühr für die Nutzung der Bäder zu verlangen. Und den größten Optimierungsbedarf sehen die Autoren im überfüllten Hallenbad Mitte: „Das Bad ist zu selten für alle offen.“

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/2217232?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F2572714%2F2572730%2F
Nachrichten-Ticker