Interview mit Bosse
Manchmal vermisst er die Jugend

Münster -

Ehrliche Musik, authentischer Typ – das ist das Erfolgsmodell von Bosse. Am kommenden Dienstag (18. Februar) ist er um 20 Uhr im Skaters Palace zu Gast. Live-Mitarbeiterin Franziska Kues hat mit dem Braunschweiger gesprochen.

Donnerstag, 13.02.2014, 07:02 Uhr

Ehrliche Musik eines authentischen Typen – das ist Bosse. Am Dienstag (18. Februar) präsentiert er um 20 Uhr sein Erfolgsalbum „Kraniche“ im Skaters Palace. Live-Mitarbeiterin Franziska Kues hat mit dem Braunschweiger gesprochen.

Dein Album „Kraniche“ ist bis auf Platz 4 der Charts durchgestartet. Verrate uns das Erfolgsrezept.

Bosse: Es ist natürlich so, dass wir uns in den letzten Jahren eine ordentliche Fan Basis aufgebaut haben. Teilweise kaufen die Fans dann auch mal blind unsere Alben. Darauf sollte man sich aber auf keinen Fall ausruhen. Von einem so großen Einschlag bin ich am Anfang aber auch nicht ausgegangen. Ich glaube, unser Erfolg hat auch damit zu tun, dass wir schon so viele Jahre am Start sind und keinen Mist abliefern.

Warum ist es nicht Platz 1 geworden?

Bosse: In der gleichen Woche haben wir mit Bon Jovi , David Bowie und Hurts veröffentlicht. Das waren dann auch die drei Kandidaten, die die drei Plätze vor uns belegt haben. In jeder anderen Woche wären wir, dass sagt zumindest unsere Plattenfirma, auf Platz 1 eingestiegen.

Gibt es einen Trend zurück zur deutschsprachigen Musik? Die war doch eine Zeit mal relativ out.

Bosse: Für mich war deutsche Musik nie richtig out. Es gab viele Bands wie Matsen und Tomte, die bereits sehr erfolgreich waren, als ich mit der Musik angefangen habe. Ich habe zwar schon das Gefühl, dass deutschsprachige Musik mittlerweile auch stärker im Mainstream angekommen ist. Auf der anderen Seite glaube ich aber auch, dass dort viel Mist passiert. Aber die guten Leute, die bleiben.

Du hast mittlerweile eine Tochter und bist verheiratet. Als du mit der Musikkarriere gestartet bist, warst du 17 Jahre alt. Spiegeln sich die unterschiedlichen Lebensphasen in deiner Musik wider?

Bosse: Sicherlich. Aber es ist nicht so, als würde ich bewusst darauf achten, altersgerecht zu schreiben. Ich glaube, das passiert dann ganz von alleine. Die Dinge, die ich damals mit 23 Jahren gefühlt habe, fühle ich heute mit Sicherheit anders.

Sehnst du dich nach deiner Jugend?

Bosse: Manchmal sehnt man sich danach zurück, so frei und verrückt durch Berlin zu laufen wie damals. Und nach den Billy-Regalen in der Wohngemeinschaft. Ich habe unglaublich lange gebraucht, um mich selbst zu finden, mich gut zu finden und mich nicht ständig nach irgendwas zu sehnen. Irgendwann beginnst du ein eigenes Gefühl zu entwickeln, mit dem du dich wohlfühlst.

Teile des neuen Albums sind in Istanbul entstanden. Wie kam es dazu?

Bosse: Meine Frau ist Halbtürkin und Schauspielerin in der Türkei. Sie hat dort ihren neuen Film vermarktet, ich hatte Zeit, meine Tochter war noch im Kindergarten, und dann sind wir einfach für ein halbes Jahr rüber gegangen.

Du hast mit 17 die Schule geschmissen, um Musiker zu werden. Was würdest du deiner Tochter sagen, wenn sie diese Idee hätte?

Bosse: Dann würde ich das gleiche tun wie meine Eltern damals. Es irgendwie unterstützen. Ich steh schon auf Schule, ich finde es wichtig, dass Kinder Ziele vor Augen haben und auch Sachen durchziehen, die sie jetzt nicht so gut finden. Aber wenn meine Tochter das wirklich wollen würde, wäre es für mich okay. Das ist auch der Auftrag von Eltern: die eigenen Kinder gehen lassen.

In der Presse wurdest du mal als „Weinbergschnecke der Musikindustrie“ betitelt. Was hat es damit auf sich?

Bosse: Die Weinbergschnecke der Musikindustrie kriecht langsam den Berg hinauf, aber sie hört nie auf. Sie wird ständig überholt, aber sie ist niemals rückläufig.

Findest du, dass die Musikindustrie zu schnelllebig ist?

Bosse: Eigentlich nicht. Ich finde nur, dass sie dadurch schnelllebig wird, dass Leute zu schnell sehr viel Geld verdienen wollen, zu schnell erfolgreich werden und zu schnell geballte Aufmerksamkeit bekommen, der sie dann nicht standhalten können. Das ist es, was unsere Branche kurzlebig macht.

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