Wohnungsgenossenschaften möchten expandieren, können aber nicht
Teurer Boden und viel Bürokratie

Münster -

Hohe Grundstückspreise machen es den Wohnungsgenossenschaften schwer, neue Häuser mit Mietwohnungen zu errichten. Bei Grundstücksvergaben können sie nicht mithalten.

Freitag, 07.03.2014, 21:03 Uhr

Der Bauverein Ketteler (Verwaltungsgebäude rechts im Bild) wartet noch immer darauf, das Grundstück im Vordergrund bebauen zu dürfen. Auch hohe Grundstückspreise erschweren bestehende Expansionspläne.
Der Bauverein Ketteler (Verwaltungsgebäude rechts im Bild) wartet noch immer darauf, das Grundstück im Vordergrund bebauen zu dürfen. Auch hohe Grundstückspreise erschweren bestehende Expansionspläne. Foto: Oliver Werner

Eigentlich müsste Bernd Sturm , Geschäftsführer des Wohnungsvereines von 1893, jubeln. Aktuell stehen 2167 Menschen auf der Liste, die Mitglied in der von ihm geleiteten Wohnungsgenossenschaft mit Sitz an der Schnorrenburg werden wollen.

Der Grund: Die Nettokaltmiete liegt im Durchschnitt unter fünf Euro je Quadratmeter, selbst Neubauwohnungen gibt es für unter acht Euro. Das Dumme ist nur: Sturm hat keine Neubauwohnungen im Angebot.

Aufgrund persönlicher Kontakte gelang es der Genossenschaft vor einigen Jahren, zu akzeptablen Konditionen am Wismarweg ein Grundstück zu erwerben und zu bebauen. Aber ansonsten „tut sich da nichts“.

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Gern hätte der Wohnungsverein das alte Gelände des Franziskanerklosters am Hörsterplatz gekauft. Keine Chance! Oder das alte Gelände der Firma Winkhaus am Bohlweg. Keine Chance! Oder ein Grundstück am Hohen Heckenweg in Coerde . Keine Chance! „Wir bauen keine Wohnungen, die anschließend für elf oder 13 Euro vermietet werden“, ist Bernd Sturm auf preiswerte Grundstücke angewiesen. Aber die gibt es nicht.

Ähnlich deprimierende Erfahrungen hat Sturms Kollegin Elke Dickmann vom Bauverein Ketteler gemacht. Die Genossenschaft mit Sitz am Kappenberger Damm bietet ihren Mitgliedern Wohnungen für eine durchschnittliche Kaltmiete von fünf bis sechs Euro an. Beide Genossenschaften zusammen haben 2700 Wohnungen im Bestand.

„Passende Grundstücke für 300 Euro je Quadratmeter findet man nicht“, benennt Dickmann den Grund, weswegen der Wohnungsbau für Einkommensschwache nahezu komplett zum Erliegen gekommen ist.

Selbst die alten Soldatenwohnungen, die nach dem Abzug der britischen Streitkräfte von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben an den Markt gebracht werden, sind für Sturm und Dickmann unerschwinglich.

Wenn Elke Dickmann aus dem Fenster ihres Arbeitszimmers schaut, kann sie die Misere des münsterischen Wohnungsmarktes sogar mit Händen greifen. Direkt neben der Geschäftsstelle befindet sich ein ungenutztes Grundstück des Bauvereines Ketteler. Für ihre Mitglieder möchte die Genossenschaft hier einen Neubau errichten. Das frühere Gebäude an dieser Stelle war so marode, „dass eine Sanierung teurer gewesen wäre als der geplante Neubau“, so Dickmann.

Doch dann schlug die Bürokratie zu: Behördliche, politische und juristische Auseinandersetzungen um Bestandsschutz, Abrissgenehmigung und Baupläne sorgten dafür, dass es seit über drei Jahren am Kappenberger Damm heißt: „Außer Spesen nichts gewesen.“

Wie können die Wohnungsgenossenschaften wieder mehr Wohnungen bauen? Der Wunschzettel von Sturm und Dickmann ist lang: Weniger städtebauliche Träumerei und mehr Pragmatismus, weniger Vorgaben und mehr Unterstützung! Alles steht und fällt aber mit den Grundstückspreisen. In diesem Punkt ermuntert Sturm die Parteien ausdrücklich bei der Forderung nach Quoten für den sozialen Wohnungsbau: „Das drückt die Preise.“

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