Münster-Marketings neuer Stadtführer
Kein „schulterfreier Flyer“ für arabische Touristen

Münster -

Weil die Fotos Frauen mit nackter Schulter zeigen, hat die Stadt sie bei einer neuen Tourismus-Broschüre in arabischer Sprache einfach ausgetauscht.

Samstag, 22.03.2014, 08:03 Uhr

Wie sich die Bilder unterscheiden: Die obere Reihe zeigt die Münster-Ansichten in den meisten Stadtführern, darunter die dafür ausgetauschten Fotos im arabischen Faltblatt.
Wie sich die Bilder unterscheiden: Die obere Reihe zeigt die Münster-Ansichten in den meisten Stadtführern, darunter die dafür ausgetauschten Fotos im arabischen Faltblatt. Foto: Münster-Marketing

Ob der Scheich aus Tausendundeiner Nacht nach Münster kommt, steht in den Sternen: Sollte er aber die Domstadt besuchen, darf er sich neuerdings genauso wie Gäste aus Nordafrika und von der Arabischen Halbinsel über einen Stadtführer in arabischer Sprache freuen.

Das Faltblatt hat die städtische Tourismus-Agentur Münster-Marketing unlängst auf den Markt gebracht – allerdings mit einigen anderen Bildern als etwa beim russischen, spanischen oder japanischen Faltblatt: Das händchenhaltende Pärchen an den Aasee-Kugeln, die Balletttänzerin im Theater und die Frau mit Spaghettiträger-Top sind eigens ausgetauscht worden. Vorsichtshalber, um Gäste aus dem arabischen Raum nicht vor den Kopf zu stoßen, heißt es.

„Wir kennen die Sensibilität des Themas“, begründet Bernadette Spinnen , Leiterin von Münster-Marketing, diesen Schritt. „Wenn man mit Touristen arbeitet, weiß man, dass die Gepflogenheiten verschieden sind.“ Deshalb habe man sich bei der Bilderauswahl für den neuen Flyer in arabischer Sprache mit dem Zentrum für Islamische Theologie der Universität abgestimmt.

„Schließlich wollten wir nichts Kontraproduktives in die Welt setzen“, so Spinnen. Statt unbekleideter Schultern sehen arabische Augen deshalb in ihrem Münster-Stadtführer eine Außenansicht des Theaters sowie ein züchtig gekleidetes Paar im gesetzten Alter, das sich in der Touristen-Information eine Broschüre ansieht. Und die Aasee-Szenerie zeigt junge Leute an den Kugeln. Die übrigen Bilder sind identisch mit denen in den anderssprachigen Stadtführern.

Gleichwohl sieht Sarah Hartmann, Koordinatorin im Islam-Zentrum, die Schwierigkeit mit bestimmten Motiven nicht auf den Islam beschränkt: „Wie in allen anderen Religionen auch, gibt es manche Menschen, die sich daran stören könnten.“

Den Anstoß, den Münster-Führer, den es bislang in sieben Sprachen gab, auch in Arabisch herauszubringen, kam übrigens von der Universität, wie Bernadette Spinnen erzählt. Und Sarah Hartmann sagt: „Schön, dass wir unseren Gästen so Münster vorstellen können.“

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