Wieder Plagiatsvorwürfe bei Medizinern in Münster
Doktorand soll großflächig abgeschrieben haben

Münster -

Für die Medizinische Fakultät der Universität Münster ist es ein unschönes Déjà-vu-Erlebnis: Zwei Doktoranden haben allem Anschein nach bei einem Prüfer eine weitgehend identische Arbeit eingereicht.

Dienstag, 29.04.2014, 18:04 Uhr

Der Doktorhut von zwei an der Uni Münster promovierten Mediziner wackelt. Sie sollen abgeschrieben haben. 
Der Doktorhut von zwei an der Uni Münster promovierten Mediziner wackelt. Sie sollen abgeschrieben haben.  Foto: dpa

Für die Medizinische Fakultät der Universität Münster ist es ein unschönes Déjà-vu-Erlebnis: Zwei Doktoranden haben allem Anschein nach bei einem Prüfer eine weitgehend identische Arbeit eingereicht. Nach im Plagiats-Forum Vroni-Plag dokumentierten Recherchen hat einer der beiden Mediziner auf allen 61 Seiten seiner Dissertation von einer anderen Arbeit abgeschrieben. Letztere, die ein halbes Jahr zuvor bei ein und demselben Gutachter eingereicht worden war, enttarnten die Rechercheure bei Vroni-Plag ebenfalls als Plagiat. Hier wurde auf 51 von 54 Seiten abgeschrieben.

„Die Gremien der Fakultät werden sich mit dem Fall befassen“, sagte Thomas Bauer , Sprecher der Medizinischen Fakultät. Er rechnet damit, dass innerhalb der nächsten drei Monate eine Entscheidung fällt, ob die beiden Doktoranden ihren Titel verlieren und ob der Gutachter mit einer Sanktion belegt wird. Ein ganz ähnlicher Fall hatte an der Fakultät vor rund drei Jahren für Gesprächsstoff gesorgt. Damals fiel auf, dass ein Doktorand im Fach Urologie eine schon früher eingereichte Arbeit nur geringfügig verändert bei einem Gutachter abgegeben hatte, der bereits die erste Arbeit betreut hatte. Die Ähnlichkeit war dem Professor seinerzeit nicht aufgefallen. Er durfte vorübergehend keine Doktorarbeiten mehr betreuen. Der Doktorand, der abgeschrieben hatte, verlor seinen Titel.

Bei den beiden jetzt bekannt gewordenen Fällen handelt es sich um Dissertationen angehender Augenärzte. Die beiden nun auffälligen Dissertationen stammen bereits aus dem Jahr 2009. Erst danach wurde an der Fakultät die Praxis eingeführt, alle Dissertationen mit einer Plagiatssoftware zu prüfen. Außerdem müssen Gutachter und Doktorand eine Betreuungsvereinbarung schließen. Rund 280 Medizinstudenten verfassen jährlich an der Uni Münster ihre Dissertation. Prüfungsberechtigt sind rund 110 Professoren.

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