Schon wieder Plagiat-Verdacht
Flächenbrand bei den Medizinern

Münster -

An der Medizinischen Fakultät der Uni Münster wird offenkundig bei Doktorarbeiten nicht nur punktuell geschummelt. Die Internetplattform Vroniplag listet momentan gleich neun Fälle auf.

Montag, 05.05.2014, 18:05 Uhr

Neun Doktoranden an der Medizinischen Fakultät der Uni Münster sollen in ihren Dissertationen abgeschrieben haben.
Neun Doktoranden an der Medizinischen Fakultät der Uni Münster sollen in ihren Dissertationen abgeschrieben haben. Foto: Oliver Werner

An der medizinischen Fakultät der Universität Münster werden immer mehr Plagiatsverdachtsfälle bekannt. Das Internetforum Vroniplag , das Schummlern bei Doktorarbeiten nachspürt, listet aktuell neun Doktoren der Medizin auf, bei denen abgeschriebene Textstellen in ihren Arbeiten aufgefallen sind. Die Mehrzahl von ihnen habe als Zahnärzte promoviert.

In der vergangenen Woche war, wie berichtet, zunächst nur von einem Fall die Rede gewesen, der von der Fakultät untersucht werden sollte. Nun will das Rektorat der Universität eine Untersuchungskommission mit externen Fachleuten einsetzen, die nicht nur die in die Kritik geratenen Arbeiten überprüft, sondern auch die betroffenen Prüfer, berichtete ein Insider. Er sprach von einem „ Flächenbrand “. An keiner medizinischen Fakultät in Deutschland gibt es laut Vroniplag so viele Plagiatsverdachtsfälle wie in Münster .

Wir sind erschrocken über das Ausmaß der Anschuldigungen.

Prof. Dr. Wilhelm Schmitz, Dekan der Medizinischen Fakultät

Wie die Westfälische Wilhelms-Universität Münster am frühen Montagabend mitteilte, soll die Kommission auch mit externen Experten besetzt werden, um eine mögliche Befangenheit innerhalb der Fakultät auszuschließen. „Wir sind erschrocken über das Ausmaß der Anschuldigungen und werden alles dafür tun, um die Vorwürfe gründlich und schnellstmöglichst zu klären“, betont der Dekan der Medizinischen Fakultät Prof. Dr. Wilhelm Schmitz .

In der Pressemitteilung heißt es weiter, dass Schmitz nach seiner Amtsübernahme eine Änderung der Promotionsordnung in Gang gesetzt habe, um mögliche Plagiate schneller und zuverlässig entdecken zu können. So müssen seit August 2011 alle Promovenden auch eine elektronische Fassung ihrer Dissertation einreichen – alle aktuell unter Verdacht stehenden Arbeiten wurden nach Angaben der Universität vor diesem Datum zur Prüfung abgegeben. Jedes Jahr würden rund 280 Doktorarbeiten an der Medizinischen Fakultät eingereicht. „Wir haben großes Interesse daran, mögliche Plagiate aufzudecken, weil wir die große Mehrheit der ehrlichen Promovenden schützen wollen und weil wir uns in jeder Hinsicht den Regeln guter wissenschaftlicher Praxis verpflichtet fühlen“, unterstreicht der Dekan.

Schmitz wird dem Fachbereichsrat bereits auf dessen nächster Sitzung am 13. Mai die Einsetzung einer Untersuchungskommission empfehlen.

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