Zoo stellt verbessertes Sicherheitssystem vor
Tiger im Hochsicherheitstrakt

Münster -

Nach der tödlichen Attacke auf einen Tierpfleger im vergangenen Jahr hat der Allwetter Zoo Münster eine neue Sicherheitstechnik installiert.

Freitag, 09.05.2014, 10:05 Uhr

Von den bunten Knöpfen, die in der neuen Sicherheitsschleuse zwischen Käfig und Außengehege aufleuchten, bekommen Rasputin und Nely nichts mit. „Obwohl beide durchaus neugierig sind“, sagt Revierleiterin Carin Fels .

Die beiden Tiger leben seit einigen Tagen in einem Hochsicherheitstrakt innerhalb des Allwetterzoos. Dort wurde am Montagnachmittag – ein halbes Jahr nach dem tödlichen Arbeitsunfall – die 80 000 Euro teure Sicherheitstechnik für das Tiger-Gehege vorgestellt. Die elektrohydraulische Sicherungsanlage zwingt den Tierpfleger zu einem systematischen Vorgehen, bevor er den Käfig oder das Außengehege reinigen kann. „Das System wird Beispiel für andere Bereiche im Zoo und auch für andere zoologische Gärten sein“, sagt Direktor Jörg Adler. „Stolz darauf sind wir angesichts der Vorgeschichte sicherlich nicht.“­

Ein Tierpfleger war im September vergangenen Jahres durch eine tödliche Tiger-Attacke ums Leben gekommen. Der 57-jährige Mann hatte vergessen, eine Schiebertür zu schließen, als er das Außengelände betrat und dort dann auf die Großkatze traf. Nach diesem Unfall entwickelten der Zoo, die Bezirksregierung als Aufsichtsbehörde und die Berufsgenossenschaft das optimierte Sicherheitssystem, das in diesem Jahr noch am Löwen-Gehege und später bei Bären und Menschenaffen eingebaut werden soll.

Und so funktioniert‘s: Nachdem die Tiere in die Innengehege gelockt wurden, wird mit dem Revierschlüssel aus einem Kasten in der Küche der Tigeranlage auch der Schlüssel für die Betätigung der Sicherheitsanlage entnommen. In der Schleuse neben dem Käfig und vor der Tür, die in das Außengehege führt, befindet sich jeweils ein Sicherheitsriegel. Er lässt sich nur öffnen, wenn alle anderen Schieber geschlossen sind. Durch dieses Schließen wird in einem Zylinder Druck aufgebaut. Ausreichender Druck erzeugt einen Impuls, der den Verriegelungszustand optisch anzeigt: Grün bedeutet Freigabe. Sind die Anzeigen für beide Schieber grün, kann die Tür nach draußen mit einem Schlüssel entriegelt werden. Zusätzlich muss sich der Tierpfleger über einen Monitor versichern, dass beide Tiger tatsächlich in den Käfigen und die Schieber geschlossen sind. „Trotz aller Technik steht am Ende eines jeden Sicherheitssystems der Mensch mit seiner Entscheidung“, weiß Adler. 

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