Auf leisen Sohlen in den Ruhestand: Heidi Sievert wird 70
Die Ballettschuhe hängen am Nagel

Münster -

Ihren Ruhestand hat Heidi Sievert gut vorbereitet. Mit 70, sagt die Leiterin der Ballettschule Sievert, muss Schluss sein. Pfingsten verabschiedet sich Heidi Sievert bei der Schulveranstaltung im Theater. Die Schule weiß sie bei zwei ihrer ehemaligen Schülerinnen in guten Händen.

Samstag, 10.05.2014, 08:05 Uhr

Stolz auf ihre Schülerinnen Isabel Bernhard (r.), Lena Schattenberg und Charlotte Petersen (l.) ist Heidi Sievert (2.v.l.), die sich Pfingsten aus dem aktiven Schulleben zurückzieht.
Stolz auf ihre Schülerinnen Isabel Bernhard (r.), Lena Schattenberg und Charlotte Petersen (l.) ist Heidi Sievert (2.v.l.), die sich Pfingsten aus dem aktiven Schulleben zurückzieht. Foto: gh

Heidi Sievert hängt ihre Ballettschuhe an den berühmten Nagel. Pfingsten verabschiedet sich die Gründerin der Ballettschule mit dem Programm „Es rumort in der Kiste“ im Theater Münster von der Bühne. Heidi Sievert möchte kürzer treten. Mit 70, sagt sie, ist Schluss, „sonst wird es irgendwann albern“. Die Schule aber ist fit für die nächste Leitungsgeneration, die mit Svenja Gasche und Petra Wiegert schon vor sieben Jahren eingestiegen ist.

Heidi Sievert hat in ihrem Leben viel erreicht, Hunderte von Schülern unterrichtet und dabei viele Talente entdeckt. Wie das von Isabel Bernhard, die gerade in Arnheim Tanzpädagogik studiert. Die 23-Jährige kehrt im Sommer als Lehrerin an die Sievert-Ballettschule nach Münster zurück. Lena Schattenberg und Charlotte Petersen, ebenfalls zwei Talente aus dem Haus Sievert, studieren an der Kunsthochschule in Amsterdam modernen Theatertanz. Beide sind 22 Jahre alt und starten im August am Staatstheater Mainz. „Für zwei Stücke sind wir fest eingeplant“, freuen sich die jungen Tänzerinnen. Heidi Sievert hat mit ihnen gefiebert, dass sie das Vortanzen schaffen.

Tanzen ist ein Hobby, das man ernst nehmen muss.

Heidi Sievert

Heidi Sievert erinnert sich an ihre eigenen Anfangsschritte. Die tänzerischen Gene der Eltern müssen es gewesen sein, die sie leichten Fußes die Karriereleiter aufsteigen ließ. Bis in den Spitzentanz als Solistin bei den Städtischen Bühnen in Münster.

Ende Mai feiert die zierliche Frau mit den kurzen Haaren jetzt runden Geburtstag. Aus der Traum von Pirouetten und von eigenen Choreografien? Heidi Sievert denkt nicht an einen Ruhestand auf dem Sofa. Die 69-Jährige wurde vor zwei Jahren in den Vorstand des Berufsverbandes für Tanzpädagogik in Essen gewählt. Das Überleben privater Ballettschulen liege ihr am Herzen, sagt die Münsteranerin, die ihre geballte Energie in diese Arbeit stecken möchte.

Die tänzerische Energie wurde ihr in die Wiege gelegt. Ihre Eltern führten die Helken-Schule in Frankfurt am Main. Früh erlernte Heidi Sievert nicht nur den Tanz, sondern spürte auch die Berufung, die Freude am Tanz zu vermitteln. „Morgens wachte ich mit Ballettmusik auf, und abends schlief ich damit wieder ein“, erinnert sie sich.

Tanzen ist eine Kunstform, gut für Körper und Geist.

Heidi Sievert

Die junge Tänzerin ging nach dem Abitur zum Studium an die Royal Ballet School nach London. Es folgte ein Studienaufenthalt in New York, dann startete sie ihre Karriere als Solotänzerin am Theater Münster.

Heidi Sievert lernte ihren späteren Ehemann, den Architekten Hermann Sievert kennen, der ihr 1972 im eigenen Haus Platz für die Schule einräumte. Architektur und Tanz, blickt Heidi Sievert zurück, passen gut zusammen: „Beides ist räumlich.“

Die Schule wuchs. Bis zum Jahr 2007 führte Heidi Sievert ihre Schule alleine, dann kamen Svenja Gasche und Petra Wiegert. Beide haben bei Heidi Sievert gelernt und sind Absolventinnen der Rotterdamer Dansacademie.

Und Heidi Sievert? Sie fühlt sich nach so vielen Jahren als Münsteranerin. Nur Fahrrad fahre sie nicht, das Klima auf der Straße ist ihr zu rau. Sie behauptet auch, kein sportlicher Mensch zu sein. Tanzen, sagt die 69-Jährige, ist eine Kunstform, gut für Körper und Geist. Sie könne sich rückblickend aber auch nichts Schöneres vorstellen. „Tanzen ist ein Hobby, das man ernst nehmen muss“, sagt Heidi Sievert, die sich irgendwann für das klassische Ballett entschieden hat.

Tanzen hängt auch mit körperlicher Begabung zusammen, sagt die Schulleiterin, die immer schon gerne Lehrerin werden wollte. „Weil ich gerne am Menschen herumpiekse“, sagt sie augenzwinkernd. Was aber nur Ansporn zu Disziplin sein soll. „Und die hält einen fit“, sagt sie.

Etwas traurig ist Heidi Sievert, dass die Abschlussvorstellung im Theater so schnell ausverkauft war. Vielleicht, so hofft sie, bekommt sie mit den Nachwuchstänzern noch eine zweite Vorstellungschance.

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