Blutspende
Blutkonserven sind kein Allheilmittel

Münster -

Transfusionen können für Patienten eine große Hilfe sein. Aber Studien zeigen auch: Das Immunsystem des Empfängers reagiert darauf. Unter anderem deswegen sind die Ärzte am UKM mit Blutkonserven sparsam.

Samstag, 31.05.2014, 15:05 Uhr

Im Operationssaal 11 im Zentralgebäude des Universitätsklinikums Münster (UKM) steht eine Herz-Operation auf dem Plan. Der Brustkorb des Patienten ist geöffnet, sieben Ärzte und Schwestern sind konzentriert bei der Arbeit. An einem Ständer hängt eine Blutkonserve . Tropfen für Tropfen fließt die rote Flüssigkeit durch einen Schlauch zum Patienten. Es ist seine fünfte Bluttransfusion seit Beginn der Operation.

Bluttransfusionen retten Leben. Doch ähnlich wie ein Medikament haben auch Bluttransfusionen Nebenwirkungen. „Es gibt seit den 90er Jahren eine Reihe von Studien, die gezeigt haben, dass viel Transfundieren nicht viel hilft“, sagt Georg Geißler , Arzt am Institut für Transfusionsmedizin des UKM. Die Forscher hätten ein erhöhtes Sterberisiko, ein höheres Risiko für Folgeerkrankungen und einen längeren Aufenthalt im Krankenhaus nach einer Transfusion beobachtet.

„Wenn man eine Blutkonserve gezielt einsetzt, ist diese für den Patienten gewinnbringend“, sagt UKM-Anästhesistin Andrea Steinbicker . „Aber man sollte nicht einfach so Blutkonserven geben, denn das Immunsystem des Empfängers reagiert darauf.“

Während der Operation versuchen die Ärzte, den Blutverlust so gering wie möglich zu halten. Während des Eingriffs schneidet der Arzt mit dem Skalpell möglichst Blut sparend oder legt – wenn möglich – eine Blutsperre an, um die Blutzufuhr zum operierten Körperteil zu verringern. Das Blut, das der Patient dennoch verliert, wird gesammelt, gefiltert und ihm zurückgegeben.

Außerdem muss die Gabe jeder Blutkonserve schriftlich begründet werden. „Das erhöht zwar den bürokratischen Aufwand, aber es verhindert, dass eine Transfusion leichtfertig gegeben wird“, sagt Steinbicker. Nach der Operation werden Körpertemperatur und Sauerstoffgehalt des Blutes genau überwacht – auch das reduziert den Bedarf an Blutkonserven.

Keine der Maßnahmen ist für sich genommen neu. Doch der Einbau in den Klinikalltag ist eine organisatorische Mammutaufgabe. Alleine am UKM wird jeden Tag zeitgleich in 36 Operationssälen operiert, 135 Anästhesisten sind im Schichtdienst im Einsatz. Nicht jede Maßnahme des Blut-Managements ist für jeden Patienten geeignet. So ist es nicht bei jeder Operation möglich, dem Körper das verlorene Blut zurückzugeben. „Wenn eine Maßnahme nicht anwendbar ist, können wir aber immer noch die anderen umsetzen“, sagt Steinbicker. Dies sei eine Stärke des Konzepts.

Das Blut-Management wird zunächst an vier Unikliniken getestet. Nach Ende der Testphase soll es auf weitere Krankenhäuser ausgeweitet werden. Das Deutsche Rote Kreuz unterstützt das Programm, warnt aber auch vor zu großen Schwankungen bei der Blut-Nachfrage. „Wenn wir den Bedarf jetzt herunterfahren und die Nachfrage in einigen Jahren wieder steigt, kann das problematisch werden“, sagt der Pressesprecher der DRK-Blutspendedienste in Hagen, Friedrich-Ernst Düppe.

Wenige Schritte von Operationssaal 11 entfernt lagern die Blutkonserven. Sie liegen fein säuberlich aufgereiht in einem Kühlschrank bei vier Grad. Was an diesem Tag nicht gebraucht wurde, wird über Nacht eingelagert. Morgen wird wieder operiert.

Es gibt eine Reihe von Studien, die gezeigt haben, dass viel Transfundieren nicht viel hilft.

Dr. Georg Geißler
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