Meisterschaft der Denksportler
Ratefüchse quizzen um Pokale

Münster -

Klaus Otto Nagorsnik und Carsten Happe sind selten um eine Antwort verlegen. Beide sind seit Jahrzehnten passionierte Quiz-Spieler und treten bei den Quizmeisterschaften an, die am Wochenende mit rund 60 Teilnehmern in Münster stattfinden. Dort spielen die beiden auch zusammen im Doppel. Mit WN-Redakteurin Sandra Peter sprachen die beiden über die Meisterschaften, die münsterische Quiz-Szene, und über gute und schlechte Fragen.

Samstag, 07.06.2014, 09:00 Uhr

Klaus Otto Nagorsnik (l.) und Carsten Happe kennen auf fast jede Frage eine Antwort. Am Wochenende soll ein weiterer Pokal der Sammlung hinzugefügt werden.
Klaus Otto Nagorsnik (l.) und Carsten Happe kennen auf fast jede Frage eine Antwort. Am Wochenende soll ein weiterer Pokal der Sammlung hinzugefügt werden. Foto: Oliver Werner

Quizzen ist in, allein 17 Millionen Menschen spielen „Quizduell“. Auf welchem Platz stehen Sie?

Carsten Happe : (überlegt kurz) Irgendwo um Platz 5000 herum.

Klaus Otto Nagorsnik: Quizduell spiele ich nicht, ich mag das Multiple-Choice-Format nicht. Und ganz ehrlich: Ich spiele sowieso schon so viel, da muss ich irgendwo eine Grenze ziehen.

Sie quizzen lieber in der Kneipe?

Nagorsnik: Genau, beim Kneipenquiz sind wir beide von Anfang an dabei – seit der Boom vor zehn Jahren begann. Mittlerweile ist das Quizzen ja ein Volkssport.

Warum, glauben Sie, boomt das Quiz?

Happe: Beim Quizduell spielt sicher eine Rolle, dass das Quiz ständig verfügbar ist, und viele haben Spaß am Duell mit Freunden und Unbekannten. Beim Kneipenquiz kommt der gesellige Part dazu. Es macht Spaß, als Team zu spielen und sich gegenseitig anzustacheln.

Nagorsnik: „Wissen“ hat dazu heute sicher eine andere Bedeutung als vor 20 Jahren. Jeder findet seine Bereiche, in denen er fit ist – sei es TV-Serien, Unterhaltung oder eine der eher klassischen Kategorien. So kann jeder am Trend teilhaben.

In welchen Bereichen kennen Sie sich am besten aus?

Happe: Da sind wir beide ziemlich unterschiedlich. Bei mir sind es zum Beispiel Film, TV, Unterhaltung und Musik, bei Klaus Otto Geschichte, Literatur, Religion. Daher hoffe ich, dass wir uns am Wochenende beim Quiz-Doppel gut ergänzen.

Und wo sind Sie nicht so fit?

Nagorsnik: (lacht) Alles was er kann, kann ich nicht.

Happe: Die gemeinsamen Lücken finden wir dann am Wochenende heraus.

Bereiten Sie sich explizit auf die Meisterschaft vor?

Nagorsnik: Nein. Entweder man ist im Training oder nicht. Wer jetzt noch versucht, alles Mögliche auswendig zu lernen, blockiert bloß den Kopf.

Wie wird man denn dann ein besserer Quizspieler?

Nagorsnik: Viel lesen, viele verschiedene Medien nutzen, und mit offenen Augen durch die Welt gehen. Und häufig beim Quiz mitspielen. Dann lernt man, Querverbindungen zu ziehen.

Happe: Nach einiger Zeit merkt man bereits, dass Quizzen das Gehirn trainiert. Es fällt leichter, Antworten herzuleiten, auch wenn man sie nicht sofort weiß.

Sie gehören beide zu den versierten Spielern. Aber macht ein Quiz eigentlich auch Spaß, wenn man fast keine Antwort weiß?

Nagorsnik: Am meisten Spaß macht es natürlich, wenn man viel weiß. Jede nicht gegebene oder falsche Antwort ist eine kleine Niederlage. Aber wirklich toll ist, wenn man merkt, wie man sich mit der Zeit verbessert.

Happe: Frustrierend sind bloß die Fragen, bei denen man überhaupt keine Möglichkeit hat, durch Überlegen auf die Antwort zu kommen. Schlecht gestellte Fragen also.

Wann sind Fragen denn schlecht?

Nagorsnik: Wenn sie zu leicht sind oder nur von absoluten Spezialisten beantwortet werden können. Beides ist nicht gut. Und wenn sie sich nicht eindeutig beantworten lassen. Gute Fragen haben Pfiff: Man kann aus verschiedenen Richtungen auf die Antwort kommen.

Wie viele Fragen werden Sie nach dem Wochenende innerhalb von zwei Tagen beantwortet haben?

Nagorsnik: 80 Fragen im Doppel, 240 Fragen bei der Weltmeisterschaft, 120 Fragen bei der Deutschen Meisterschaft. Für die 240 Fragen hat man insgesamt zwei mal eine Stunde Zeit, macht 30 Sekunden pro Frage. Danach muss man erst einmal durchatmen.

Sind Sie schon einmal an einer Frage verzweifelt?

Happe: Ich verzweifle nur, wenn ich weiß: „Ich weiß es, aber ich komme nicht drauf.“ Wenn ich von vorneherein keine Ahnung habe, gehe ich lieber schnell zur nächsten Frage über.

Wie schneiden die besten Teilnehmer ab?

Nagorsnik: 172 von 210 möglichen Punkten hatte der Sieger bei der letzten WM, 137 Punkte der beste Deutsche.

Und was haben Sie sich für sich selbst vorgenommen?

Happe: Kein bestimmtes Ziel. Schließlich sind die Bedingungen, sprich die Fragen, jedes Mal anders.

Nagorsnik: Über einen weiteren Pokal würde ich mich schon freuen. Top 3 bei der Deutschen Meisterschaft und Top 100 bei der WM, das wäre super.

Wer ist bei den Quizmeisterschaften alles am Start?

Nagorsnik: Eine bunte Mischung. Da sind Handwerker dabei, Wissenschaftler, Studenten, Hausfrauen. Der Altersschnitt ist etwas höher als beim Kneipenquiz.

Wie ist es um die Quiz-Kultur in Münster bestellt?

Nagorsnik: Wir haben den Vorteil, dass sich vier Kneipenquiz zu einer Liga zusammengeschlossen haben. Das sorgt für Kontinuität.

Happe: Und die Teilnehmerzahlen beim Kneipenquiz steigen stetig. Nachwuchsprobleme haben wir keine.

Nagorsnik: Im Gegenteil.

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