Jordanier ohne Ausweis
Der verschwundene Pass

Münster -

Als die Staatsanwaltschaft 2013 gegen ihn ermittelte, wurde sein Pass eingezogen. Dann ging der Ausweis des jungen Jordaniers dort verloren. Ein neues Dokument kann in Jordanien aber nur beantragen, wer in der Zeitung des Verlust des alten anzeigt – da hilft auch eine Bescheinigung der Staatsanwaltschaft nichts.

Samstag, 21.06.2014, 06:06 Uhr

Der Reisepass des Jordaniers verschwand im Gebäude der Staatsanwaltschaft. Ohne Zeitungstext gibt es keinen neuen, sagt die Botschaft.
Der Reisepass des Jordaniers verschwand im Gebäude der Staatsanwaltschaft. Ohne Zeitungstext gibt es keinen neuen, sagt die Botschaft. Foto: Oliver Werner

Dieser Artikel ist eine Art Vermisstenanzeige. Der Vermisste ist ein jordanischer Reisepass. Es ist immer unangenehm, seinen Pass zu verlieren. Jordanische Staatsbürger müssen aber besondere Anstrengungen unternehmen, um ein neues Dokument zu erhalten.

Der vermisste Reisepass – in dieser Geschichte gehörte er dem in Münster lebenden Mohammed Al-Asmar . Im Lehen des jungen Jordaniers ist nicht alles glatt gelaufen. Al-Asmar geriet im vergangenen Jahr mit dem Gesetz in Konflikt. Im Zuge eines Strafverfahrens hatte die Staatsanwaltschaft Münster seinen Pass eingezogen. „Ein nicht unübliches Verfahren“, wie Oberstaatsanwalt Heribert Beck erklärt. Als Al-Asmar nach dem Gerichtsverfahren seinen Pass zurück bekommen sollte, war das Dokument aber verschwunden. Auch das komme gelegentlich vor, sagt Beck, ohne sich an den konkreten Fall zu erinnern. Bei der Fülle an Dokumenten und Beweisstücken, die die Staatsanwaltschaft verwahre, gingen „bisweilen Dinge verloren. Wir bescheinigen dann, dass ein Dokument bei uns verloren gegangen ist“, so Beck. Das reiche, um ein neues Dokument bei den entsprechenden Behörden zu beantragen.

Bei der Fülle an Dokumenten gehen bisweilen Dinge verloren.

Sprecher der Staatsanwaltschaft

Das gilt aber nicht für einen jordanischen Pass. Bescheinigungen von Staatsanwaltschaft und Polizei genügen hier nicht. Mohammed Al-Asmar erfuhr in der jordanischen Botschaft, er müsse eine Zeitungsanzeige aufgeben oder es müsse etwas von dem verlorenen Pass in der Zeitung stehen. In dieser Angelegenheit wandte sich die Schwester des Reisepasslosen Mohammed an die WN-Redaktion – und erntete mit ihrer Geschichte erst einmal ungläubiges Stirnrunzeln. Eine Zeitungsnotiz soll mehr zählen als eine beglaubigte Bescheinigung einer staatlichen Justizbehörde?

Anruf bei der jordanischen Botschaft in Berlin: „Merhaba, hallo“, – eine freundliche Mitarbeiterin hört sich den Sachverhalt an und unterbricht. Ja natürlich müsse ein verlorener Pass erst in der Zeitung stehen, bevor ein neuer beantragt werden könne, sagt sie – als sei das die selbstverständlichste Angelegenheit der Welt. „Das ist bei uns Gesetz.“ Und weil am anderen Ende der Leitung überraschtes Schweigen herrscht, fügt sie noch hinzu: „Bevor wir einen neuen Pas ausstellen, muss doch erst nachgefragt werden, ob jemand den alten gefinden hat.“ Aha. Und weil die Botschaftsangestellte offenbar immer noch leichte Skepsis der Anruferin verspürt, setzt sie hinterher: „Auch bei ihnen in Deutschland gibt es seltsame Gesetze.“ Das stimmt natürlich, wo sie recht hat, hat sie recht. Dann sagt die Frau noch, ein Artikel über den verlorenen Pass reiche wohl aus, um einen neuen zu beantragen.

Ganz nebenbei freut sich die Redaktion, dass es Länder gibt, in denen Zeitungen so wichtige Aufgaben haben.

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