Selim K. galt als unauffälliger Schüler
Der Dschihadist aus Münster

Münster -

Bevor er zum radikalen Islamisten wurde, war der aus Münster stammende Dschihadist Selim K. ein unauffälliger Schüler. Das berichten die Lehrer seiner Hauptschule und des Ketteler-Berufskollegs. Derzeit hält sich K. offenbar in Syrien oder im Irak auf, um an der Seite der radikalen Gruppe Isis zu kämpfen.

Freitag, 04.07.2014, 15:07 Uhr

Ein ganz normaler Schüler soll er gewesen sein, versichern seine Lehrer. „Selim war vollkommen unauffällig“, sagt der Leiter des Ketteler-Berufskollegs, Matthias C. Berger. „Ein unbeschriebenes Blatt, er schaffte den Abschluss ohne Probleme“, erinnert sich die Leiterin der münsterischen Hauptschule, auf die Selim bis 2007 ging.

Heute ist Selim K. 25 Jahre alt – und nennt sich Abu Hudhayfah Al Almani. Zurzeit scheint er sich irgendwo im Irak oder in Syrien aufzuhalten, auf seiner Facebook-Seite posiert er mit einer Schnellfeuerwaffe. Als Berufsbezeichnung hat er „Mujahid“ angegeben, Kämpfer im Heiligen Krieg. Und als „Arbeitgeber“ den „Islamischen Staat im Irak und an der Levante“, kurz Isis. Jene Organisation, die seit Monaten im Nahen und Mittleren Osten Angst und Schrecken verbreitet.

Selim K. ist einer von mindestens 320 Männern, die Deutschland in den letzten Monaten in Richtung Syrien und Irak verlassen haben, um für die Errichtung eines islamischen Kalifats zu kämpfen. Zu Hause in Deutschland hat die Staatsanwaltschaft Dortmund ein Verfahren gegen ihn eingeleitet, der Vorwurf lautet „Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat“.

Von Selims Facebook-Seite sind es nur wenige Klicks bis zu solchen brutalen Gewalttaten. Er gehört einer Gruppe der radikalen Muslimbruderschaft an, hat Freunde, die Fotos von Hinrichtungen und Leichen posten. Und er ist mit Burak Y. verlinkt, einem Mann aus Lengerich, gegen den die Staatsanwaltschaft ebenfalls Ermittlungen eingeleitet hat. Auch er soll sich im Irak oder in Syrien aufhalten, auch er posiert auf seiner Facebook-Seite mit Schnellfeuerwaffe, hinter ihm stehen Dutzende vermummte Gotteskrieger. Auf einem Foto reckt Y. lachend eine Waffe in die Höhe, darunter sein Kommentar: „Wo sind die Kuffar?“ Wo sind die „Ungläubigen“?

Derweil bittet Selim K. auf Facebook seine „Brüder in Deutschland“ um Unterstützung in seinem Kampf. Warum sich der junge Mann aus Münster, der in einer Pflegefamilie aufgewachsen und später bei einem Tischler gearbeitet haben soll, entschied, in den Heiligen Krieg zu ziehen – darüber kann man nur spekulieren.

Allein aus NRW sind inzwischen 120 Männer wie Selim K. in den Irak und nach Syrien ausgereist. Innenminister Ralf Jäger bereitet diese Entwicklung „große Sorgen“. „Wir müssen davon ausgehen, dass sie bei ihrer Rückkehr ideologisch weiter radikalisiert und in der dschihadistischen Grundhaltung gefestigt sind. Durch die Teilnahme an Kampfhandlungen sind sie verroht und unberechenbar.“ Zudem seien sie im Umgang mit Waffen und Sprengstoff geschult. In ihrer Szene genießen sie hingegen nach ihrer Rückkehr „großes Ansehen“.

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