Neue Ausstellung im Stadtmuseum
Alltag an der Heimatfront

Münster -

Obwohl der Erste Weltkrieg nicht in Münster stattfand, litt die Bevölkerung an der Heimatfront unter den Folgen. Eine neue Ausstellung im Stadtmuseum zeigt, wie die Menschen betroffen waren.

Sonntag, 10.08.2014, 15:08 Uhr

Eröffneten die Ausstellung (v.l.): Barbara Rommé und Bernd Thier (beide Stadtmuseum) mit Ulrike Gilhaus (LWL) und Ausstellungskuratorin Silke Eilers.
Eröffneten die Ausstellung (v.l.): Barbara Rommé und Bernd Thier (beide Stadtmuseum) mit Ulrike Gilhaus (LWL) und Ausstellungskuratorin Silke Eilers. Foto: kal

Der Erste Weltkrieg spielte sich weit entfernt von Münster ab – es gab weder Kämpfe am Boden noch Angriffe aus der Luft. Und dennoch blieb die Bevölkerung nicht von den Auswirkungen des Gemetzels, das am Ende weltweit rund zehn Millionen Opfer forderte, verschont. Zwischen 1914 und 1918 gab es auch in Münster Hunger und Elend, bis tief in die Familien veränderte der Krieg den Alltag.

Die vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe erarbeitete Ausstellung „An der Heimatfront “, die jetzt im Stadtmuseum zu sehen ist, zeigt, wie die Menschen in Westfalen den Ersten Weltkrieg erlebten.

Noch immer dominiert der Zweite Weltkrieg die deutsche Erinnerungskultur – „zu Unrecht“, wie Ausstellungskuratorin Dr. Silke Eilers meint. „Der Erste Weltkrieg war eine Katastrophe, die in den Faschismus und das Dritte Reiche mündete und dessen Auswirkungen bis heute zu spüren sind.“ Zwei Jahre hat sie mit ihren Mitarbeitern recherchiert, um den Ersten Weltkrieg aus der Perspektive der Region zu beleuchten. Nicht nur Museen steuerten Exponate bei, sondern auch Privatpersonen.

So wird erstmalig das Tagebuch einer 14-Jährigen präsentiert, die ihre Eindrücke vom Krieg schildert. Ein Bollerwagen, mit dem hungernde Menschen aufs Land zogen, um Lebensmittel zu besorgen, ist ebenso zu sehen wie Geschirr mit Bildern von Generälen und Kinderspielzeug, mit dem die Kleinen „Kriegslazarett“ spielen konnten.

Dr. Bernd Thier vom Stadtmuseum hat zur Ausstellung eine Dokumentation der münsterischen Kriegsgefangenenlager beigesteuert. Rund 90 000 Menschen aus teilweise weit entfernten, exotischen Ländern waren ab 1914 in drei Lagern bei Haus Spital, in Berg Fidel sowie an der Grevener Straße untergebracht. Zum Vergleich: Münster hatte damals gerade mal 100 000 Einwohner.

Anders, als man annehmen könnte, war ihre Situation überwiegend erträglich: Sie wurden für ihre Arbeit bezahlt, bekamen Essen und Gesundheitsversorgung. Die Fotografien, die den Alltag dokumentieren, hat das Stadtmuseum erst vor Kurzem erworben.

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Die Ausstellung „An der Heimatfront“ ist bis zum 5. Oktober im Stadtmuseum zu sehen – dienstags bis freitags von 10 bis 18 und an Wochenenden und Feiertagen von 11 bis 18 Uhr, der Eintritt ist frei. Es gibt einen Katalog und eine Begleit-DVD zur Schau.

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