Trauer um Biophysiker Franz Hillenkamp
Er verpasste den Nobelpreis

Münster -

Der Biophysiker Prof. Franz Hillenkamp ist tot. Am 22. August ist der Wissenschaftler in Münster im Alter von 78 Jahren gestorben. Bekannt wurde er auch, weil ein anderer den Nobelpreis bekam, den er verdient gehabt hätte.

Dienstag, 26.08.2014, 20:08 Uhr

Prof. Dr. Franz Hillenkamp entwickelte am Institut für medizinische Biophysik der Uni Münster ein in den Naturwissenschaften grundlegendes Verfahren, um das Gewicht großer Moleküle zu bestimmen.
Prof. Dr. Franz Hillenkamp entwickelte am Institut für medizinische Biophysik der Uni Münster ein in den Naturwissenschaften grundlegendes Verfahren, um das Gewicht großer Moleküle zu bestimmen. Foto: T. Wesselmann

Moleküle zu wiegen – das war lange eine unvorstellbare technische Leistung. Der Biophysiker Prof. Franz Hillenkamp von der Universität Münster hat mit der Entwicklung eines Messverfahrens möglich gemacht, was heute Grundlage für viele naturwissenschaftliche Forschungen ist.

Dass im Jahr 2002 für diese Erfindung ein anderer Forscher den Nobelpreis zugesprochen bekam, sorgte seinerzeit in der Fachwelt für große Aufregung. Franz Hillenkamp blieb gelassen – und forschte weiter, auch in seinem Ruhestand. Bis vor einiger Zeit kam er noch regelmäßig in sein Institut für Biophysik der Universität Münster. Am 22. August ist der Wissenschaftler in Münster im Alter von 78 Jahren gestorben.

Die Geschichte des verpassten Chemie-Nobelpreises bleibt mit Franz Hillenkamp verbunden. Der Professor, der von 1986 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2001 und darüber hinaus am Institut für Biophysik der Medizinischen Fakultät lehrte und forschte, entwickelte mit einer Arbeitsgruppe an seinem Institut ein Verfahren, das es ermöglichte, das Gewicht großer Moleküle in Zellen des Organismus zu bestimmen. 1988 machte Hillenkamp das Verfahren publik. Es heißt „ Matrix-unterstützte Laser-Desorptions/Ionisations-Massensprektrometrie “, oder kurz „MALDI-MS“.

Nobelpreis verpasst

Diese Methode setzte sich in der Praxis in Medizin, Biologie und chemischen Analysen durch – nicht die mit dem Nobelpreis ausgezeichnete des Japaners Kiochi Tanaka . Der von Hillenkamps Team konstruierte Detektor misst die Flugzeit der aus ihrer Umgebung herausgelösten Moleküle im Massenspektrometer. Daraus lässt sich ihre Masse ableiten.

Der in Essen geborene Hillenkamp hatte vor seinem Wechsel an die Uni Münster an zahlreichen internationalen Universitäten gearbeitet. In Münster blieb er seinem Forschungsthema treu. „Er forschte auch nach seiner Emeritierung mit großer Leidenschaft“, sagt Dr. Thomas Bauer, Sprecher der medizinischen Fakultät. Wenn Hillenkamp auf den verpassten Nobelpreis angesprochen wurde, reagierte er keineswegs verbittert – und berichtete mitunter von einem amerikanischen Kollegen, der ihm seinerzeit tröstend geschrieben habe: „Es ist besser, eine Auszeichnung zu verdienen, sie aber nicht zu bekommen, als umgekehrt.“

Anzeige
Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/2698539?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F2572714%2F4847851%2F
Bagger schaffen Platz für neue Hotels
Der Abrissbagger beißt sich vom Innenhof aus durch das frühere Verwaltungsgebäude an der Herwarthstraße.
Nachrichten-Ticker