Historischer Holzfußboden liefert den Beweis
„Schlaun baute das Mauritzer Pfarrhaus“

Münster -

Im Mauritzer Pfarrhaus ist überraschend der Holzfußboden von 1758 zum Vorschein gekommen. Die Denkmalpfleger haben nun keine Zweifel mehr, dass der Architekt des Hauses Johann Conrad Schlaun heißt.

Donnerstag, 04.09.2014, 17:09 Uhr

Im historischen Treppenhaus mit 256 Jahre altem Holzboden (von oben links im Uhrzeigersinn): Restauratorin Marion Marx, Denkmalpflegerin Mechthild Mennebröcker, Architekt Norbert Brandt, Pfarrer Martin Sinnhuber, Architekt Wolfgang Ubbenhorst sowie Bauleiter Bernd Löckemer.
Im historischen Treppenhaus mit 256 Jahre altem Holzboden (von oben links im Uhrzeigersinn): Restauratorin Marion Marx, Denkmalpflegerin Mechthild Mennebröcker, Architekt Norbert Brandt, Pfarrer Martin Sinnhuber, Architekt Wolfgang Ubbenhorst sowie Bauleiter Bernd Löckemer. Foto: kal

Bislang wurde das Pfarrhaus Sankt Mauritz dem Barock-Architekten Johann Conrad Schlaun lediglich zugeschrieben – Beweise , dass er es tatsächlich entworfen hat, gab es nicht. Nach überraschenden Entdeckungen bei der seit einem Jahr andauernden Sanierung hat Denkmalpflegerin Mechthild Mennebröcker nun keine Zweifel mehr: „Jetzt steht es eindeutig fest, dass das Gebäude von Schlaun ist.“

In den vergangenen Monaten war unter Sperrholzplatten und Teppichböden der Original-Holzfußboden aus dem Jahr 1758 zum Vorschein gekommen. „Er ist exakt so verbaut worden wie der Fußboden von Haus Rüschhaus“, betont Mennebröcker – einem Gebäude also, das zweifelsfrei von Schlaun entworfen worden war.

Die Denkmalpflegerin ist regelrecht begeistert darüber, dass der 256 Jahre alte Boden nicht nur in Teilen, sondern komplett erhalten ist – und das auch noch in hervorragendem Zustand. Nach und nach sind die Böden in den vergangenen Wochen von den Spuren der Moderne befreit worden, das nackte Holz wird nun mit mehreren Ölschichten versehen und damit für die Zukunft konserviert. Im Erdgeschoss, das künftig von der Öffentlichkeit genutzt und daher stark frequentiert wird, wird der historische Boden wieder unter einer Holzschicht verschwinden. Im ersten Obergeschoss hingegen – in der Wohnung von Pfarrer Martin Sinnhuber und bis zu zwei weiteren Geistlichen – ist keine schützende Schicht geplant. Die Geistlichen werden sich also direkt auf dem Schlaun-Boden bewegen.

1758 war das Pfarrhaus errichtet worden – als eines von fast einem Dutzend Kuriengebäuden, von denen heute noch zwei erhalten sind. 1811 wurden die Gebäude säkularisiert, bevor die Pfarrgemeinde das Haus Mitte der 1840er-Jahre zurückerwarb. „Seit 1859 leben hier durchgängig die Pfarrer von Sankt Mauritz“, betont Martin Sinnhuber.

Nach der Zusammenlegung mehrerer Gemeinden unter dem Dach der „Gemeinde Sankt Mauritz“ fiel die Entscheidung, das Pfarrhaus zu restaurieren und im Erdgeschoss Räume für die Gemeinde und im ersten Geschoss eine Wohnung für die Geistlichen unterzubringen. Ende 2014 sollen sie einziehen, berichtet Martin Sinnhuber. Insgesamt mehr als 900 000 Euro hat die Sanierung gekostet, zwei Drittel des Betrages kommen vom Land NRW, ein Drittel von Bistum und von der Pfarrgemeinde.

J. W. von Oidtman hieß der erste Geistliche, der in dem Schlaun-Bau wohnte. 1765 wurde er Dechant des Stifts St. Mauritz. Er starb am 20. Mai 1789. Das Gebäude, in dem er danach lebte, befindet sich heute unter Denkmalschutz.

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