Neuer Standortvorschlag erst 2015
Kein Gefängnis-Neubau in Handorf

Münster -

In Handorf wird es keinen Gefängnis-Neubau geben, die Bundeswehr will den Truppenübungsplatz nicht freigeben. Die Nachricht aus Düsseldorf entzürnt Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe. Nun fangen die Planungen wieder bei Null an.

Freitag, 12.09.2014, 17:09 Uhr

 
  Foto: Oliver Werner

Als Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe die Nachricht aus Düsseldorf ereilte, war er außer sich vor Wut: „Bund, Land sowie der Bau- und Liegenschaftsbetrieb haben gnadenlos versagt.“ Seit Wochen herrsche ein „endloses Verwirrspiel“ bei der Frage, ob ein Teilbereich des Truppenübungsplatzes in Handorf für den geplanten Neubau eines Gefängnisses nun zur Verfügung stehe oder nicht.

Besagtes Rätselraten hat nun ein Ende. Wie der Düsseldorfer Justizminister Thomas Kutschaty am Freitag in Düsseldorf mitteilte, hat ein Spitzengespräch „seines“ Staatssekretärs Karl-Heinz Krems mit dem Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium, Ralf Braucksiege, nicht den erhofften Erfolg gebracht. Konkret ausgedrückt: Die Bundeswehr will das Areal nicht dem Land NRW überlassen.

Die Bewertungen ließen sich nicht lange auf sich warten. „Das ist eine Planungskatastrophe für die Landesregierung“, so der CDU-Landtagsabgeordnete Thomas Sternberg. „Wir fangen wieder bei Null an“, sagte er im Hinblick darauf, dass der Truppenübungsplatz bereits im Mai 2013 zum Favoriten bei der Standortsuche erklärt worden war.

Der SPD-Landtagsabgeordnete Thomas Marquardt hadert derweil mit dem Vorgehen der Bundesregierung. Das Verteidigungsministerium habe mit seiner Entscheidung „der Stadt Münster und dem Land Nordrhein-Westfalen schweren Schaden zugefügt“. Der frühere Berufsoldat fordert die Bundeswehr ausdrücklich auf, einen Grund für die Absage zu liefern. „Eine militärische Nutzung der Fläche ist für mich nicht erkennbar.“

Seit Jahren wird der Truppenübungsplatz nicht mehr als Truppenübungsplatz genutzt.

Hartnäckig halten sich in Münster Gerüchte, Gegner einer JVA-Ansiedlung in Handorf hätten mit Hilfe politisch einflussreicher Freunde in Berlin direkt auf das Verteidigungsministerium und den Staatssekretär eingewirkt. Da es bislang keine schriftliche Vereinbarung über die Abtretung der Fläche gab, bot sich hier – wie hören ist – ein sehr wirksamer Hebel, um die von Stadt, Land und dem federführenden Bau- und Liegenschaftsbetrieb gemeinsam vorangetriebene Planung zu torpedieren.

Nach dem Aus für den Truppenübungsplatz in Handorf bleiben noch acht Flächen in der engeren Wahl. Vier nördlich von Wolbeck, zwei südlich von Albachten, eine zwischen Albachten und Roxel sowie eine weitere zwischen Nienberge und Sprakel. Ein erster Vorschlag soll erst im kommenden Jahr bekannt gegeben werden.

Markus Lewe betonte derweil noch einmal, dass Handorf unverändert der aus Sicht der Stadt Münster „beste Standort“ sei. Er hofft noch immer, dass man den Berliner Staatssekretär umstimmen kann.

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