Stadtwerke-Beteiligung in Hamm
Ein schlappes Kraftwerk

Münster -

Die Stadtwerke-Beteiligung in Hamm ist geprägt von Pleiten, Pech und Pannen. Jetzt droht die nächste Verzögerung. Die Stadtwerke haben Rückstellungen von 16,2 Millionen Euro für drohende Verluste eingeplant.

Freitag, 19.09.2014, 07:09 Uhr

 Das Kraftwerk in Hamm.
 Das Kraftwerk in Hamm. Foto: RWE

Es ist eine Geschichte von Pleiten, Pech und Pannen. Die Rede ist von der Stadtwerke-Beteiligung am RWE-Steinkohlekraftwerk in Hamm . Schon vor zwei Jahren sollten beide Kraftwerksblöcke in Betrieb gehen: Seit Kurzem läuft zwar einer, doch Block D könnte womöglich für immer und ewig eine energielose Ruine bleiben.

Wie jetzt bekannt wurde, hat der Kraftwerksbauer Alstom sein Sanierungskonzept für die mängelbehaftete Kesselanlage zurückgezogen. Jedenfalls scheint der zweite Kraftwerksblock damit nicht im Sommer 2015, wie zuletzt geplant, ans Netz gehen zu können.

Ob überhaupt – und wie es weitergeht, war am Donnerstag bei RWE Power nicht zu erfahren. Am Hafenplatz in Münster herrscht ohnehin seit geraumer Zeit Ernüchterung in Sachen Kraftwerk Hamm. Zusammen mit 22 anderen kommunalen Energieversorgern hatte man sich einst mit knapp 23 Prozent an dem RWE-Projekt beteiligt. Der münsterische Anteil lag damals bei 40 Millionen Euro. Doch diese von seinen Vorgängern angeschobene Investition musste Stadtwerke-Geschäftsführer Dr. Henning Müller-Tengelmann längst in den Büchern abschreiben. Und es sieht nicht so aus, als sollte sich die Beteiligung in Hamm, wie vom Rat schon vor Längerem gewünscht, eines Tages noch gewinnbringend verkaufen lassen. „Unter den aktuellen Bedingungen gestaltet sich das wohl schwierig“, sagt Stadtwerke-Sprecherin Daniela van der Pütten.

Auch die Rahmenbedingungen für die Stromerzeugung haben sich geändert: Heutzutage können die Stadtwerke in Hamm erzeugten Strom nur mit Verlust verkaufen, weil der damals vereinbarte Preis pro Kilowattstunde deutlich über den aktuellen Marktpreisen liegt. Da sich daran absehbar nichts ändern wird, haben die Stadtwerke nach eigenen Angaben Rückstellungen von 16,2 Millionen Euro für drohende Verluste beim Strombezug eingeplant.

Angesichts der fehlenden Wirtschaftlichkeit der Stromerzeugung in Hamm, gibt es bei den Stadtwerken auch überhaupt kein Interesse, Teilmengen vom nicht fertiggestellten Block D auf den laufenden Kraftwerksblock E zu übertragen. „Es gibt keinen Auftrag, darüber mit RWE zu verhandeln“, stellt Stadtwerke-Sprecherin van der Pütten klar.

Dem Vernehmen nach gibt es an dem leidigen Kraftwerksblock Hunderte Leckagen am Kessel – ein Insider spricht von bis zu 700 Stellen. Ob sich RWE und Als­tom über deren Ausbesserung noch einigen können, ist aktuell fraglich. Beide Seiten streiten sowieso schon vor Gericht, wer für die Verzögerungen ob der Probleme mit neuem Stahl und durch eine Salzsäure-Panne geradzustehen hat. Da wirkt es fast wie eine Randnotiz, dass die ursprünglich geplanten Investitionskosten für das Kraftwerk von zwei Milliarden Euro schon im Jahr 2013 um 400 Millionen Euro über Plan lagen.

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