Online-Zugang in Münster
Stadt treibt drahtloses Internet voran

Münster -

Mal eben Öffnungszeiten prüfen oder den Stadtplan aufrufen: Um das in der Innenstadt zu erleichtern, denkt die Stadt Münster über ein frei zugängliches drahtloses Internet nach. Ein Projekt der Telekom in Bonn zeigt, wie es gehen könnte.

Mittwoch, 24.09.2014, 07:09 Uhr

Drahtloses Internet in der Innenstadt: Die Stadt stellt Überlegungen für einen freien Zugang an.
Drahtloses Internet in der Innenstadt: Die Stadt stellt Überlegungen für einen freien Zugang an. Foto: Oliver Werner

Die Pläne für ein frei zugängliches drahtloses Internet in der Innenstadt werden vorangetrieben: Im November sollen die Ratspolitiker über einen Entscheidungsvorschlag der Stadtverwaltung diskutieren können. Das kündigte der zuständige Dezernent Wolfgang Heuer an. Dazu habe man in den vergangenen Wochen Gespräche mit den großen Telefonanbietern geführt, die jetzt schon in der Stadt präsent seien.

Dazu zählt die Deutsche Telekom , die einen Kontakt mit der Stadtverwaltung bestätigte. „Aktuell gibt es aber kein konkretes Ergebnis“, erklärte Telekom-Sprecher André Hofmann auf Nachfrage unserer Zeitung.

150 Telekom-Hotspots in Bonn

Gleichwohl hat das Unternehmen aus Bonn, dem Sitz der Konzernzentrale, in diesem Jahr dort ein Pilotprojekt auf den Weg gebracht. Nach den Worten von Hofmann wurden 150 sogenannte Hotspots – das sind Einwahlpunkte für den drahtlosen Internetzugang – im Stadtgebiet Bonns freigeschaltet. Dort könne man sich als Gast eine halbe Stunde lang kostenlos einwählen. Wer mehr Zeit im Netz verbringen möchte, kann sich laut Hofmann einen Tagespass oder eine Hotspot-Flatrate kaufen.

Es braucht ein Betreibermodell, das sich für alle rechnet.

André Hofmann, Telekom-Sprecher

„Seit Anfang des Jahres probieren wir das Projekt in Bonn aus und werden es anschließend bewerten“, kündigte Hofmann an. Andernorts ist das Unternehmen ebenfalls schon aktiv: In Hamburg sei die Stadt an die Telekom herangetreten, heißt es. Entscheidend für ein Engagement des Unternehmens: „Es braucht ein Betreibermodell, das sich für alle rechnet“, so Hofmann.

Welches Modell in Münster verwirklicht werden kann, steht aktuell noch nicht fest. Dazu will Münsters IT-Dezernent Heuer weitere Gespräche mit den auch denkbaren Partnern Stadtwerke und Universität sowie den Freifunkern führen. Letztere basteln bereits – wie berichtet – in Eigenregie an einem offenen WLAN. Allerdings sieht Heuer hier rechtliche Schwierigkeiten auf Seiten der Stadt. Auch die Universität hat in praktisch allen mehr als 100 Gebäuden in der Stadt drahtlosen Internetzugang.

Wie funktioniert Freifunk?

Wie funktioniert Freifunk?

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  • Das Ziel ist es, eine flächendeckende Abdeckung innerhalb Münsters zu erreichen. Doch das klappt nur, wenn viele Menschen sich bereiterklären, ihr Internet zu teilen. Ein Freifunk-Router spannt ein unabhängiges WLAN auf und leitet alle Daten über eine verschlüsselte Verbindung zum Freifunk-Server. Dadurch wird auch die Störerhaftung umgangen.

    Foto: mlü
  • Der eigenen Router wird nicht ausgetauscht – am eigenen Anschluss ändert sich also nichts. Stattdessen wird ein zusätzlicher Router für Freifunk aufgestellt. Darauf muss die vorinstallierte Software gegen die Freifunk-Software ausgetauscht werden. Wie das genau funktioniert, erklären die Freifunker auf ihrer Homepage . Die neue Freifunk-Firmware muss einmalig eingerichtet werden.

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  • Wer sich das nicht zutraut, bekommt beim Verein Warpzone Hilfe oder kann dort zum Selbstkostenpreis Router kaufen, die bereits präpariert wurden. Man kann übrigens am Freifunk-Router einstellen, wie viel Bandbreite er den Freifunknutzern zur Verfügung stellt. So kannst der Anbieter steuern, wie viel er von seiner Bandbreite mit anderen teilen möchte.

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  • Die Initiative Freifunk hofft, dass sich besonders Bars, Clubs, Restaurants und Cafés für Freifunk interessieren und das öffentliche Internet anbieten. Nur durch eine breite Beteiligung kann das Bürgernetz wachsen. Die Idee: Ist die Vermaschung der Freifunkknoten dicht genug, kann auch der Ausfall eines einzelnen Internetanbieters oder eines Verteilerkastens abgefangen werden, da die Daten der User von Knoten zu Knoten bis zum nächsten Internetzugang weitergereicht werden. Mehr Infos hier .

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Blick auf die Kosten

Was durchschimmert: Der Stadt wäre es mit Blick auf die Kosten wohl am liebsten, wenn sich einer der Telekommunikationsriesen großflächig für WLAN in Münster engagieren würde. Heuer sagt dazu: „Wenn es nicht notwendig ist, dass die öffentliche Hand stark investiert, werden wir das dem Rat auch nicht vorschlagen.“

Wenn es nach dem Willen der Politik geht, soll in Münster nicht nur die Innenstadt mit drahtlosem Internet versorgt werden. Auch in sozialen Brennpunkten will man den freien Zugang zum Internet ermöglichen.

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